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_ MÂHRISCHEN LANDESMUSEUMS

HERAUSGEGEBEN VON DER

MÁHRISCHEN MUSEUMSGESELLSCHAFT

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i REDACTION: © \ © PROF. A. RZEHAK -C SCHIRMEISEN PROF. J. MATZURA

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BRUNN a DRUCK VON RUDOLF M. ROHRER 2 | 1902.

Mähren

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nachfolgerin. ist sowohl der house K. k schaft zur Befórderung des Ackerbaues, der Natur- B

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zu adressieren.

Brünn, im Januar 1902.

Der Brünner Rathhausthurm.

Der Bau des Brünner Rathhausthurmes im Jahre 1577.

Von Landesarchivar Dr. Berthold Bretholz.

Das Brünner Rathhaus bildet in mehrfacher Hinsicht ein eigen- artiges Bauwerk. Es ist kein prunkender Bau, wie wir ihn bei Rath- häusern anderer Städte, auch in Máhren, häufg finden, vielmehr erscheint sein Äußeres auf den ersten Blick überaus kahl, nüchtern und einfach. Zu diesem Gesammteindruck der Facade steht aber das prächtige gothische Thorportal einerseits, die malerische Vedute des Hofes andererseits in schroffem Gegensatze. Ein ebenso scharfer Contrast ist es, dass das Brünner Rathhaus nicht frei auf einem offenen Platze, sondern inmitten einer Häusergruppe eng eingeschlossen in einer Nebengasse liegt, während es dagegen mit seinem schlanken, von vier kleineren Seitenthürmchen flankierten Hauptthurm, der an Höhe nur von wenigen anderen kirchlichen Gebäuden, an charak- teristischer, schöner Form und an altehrwürdigem Patinaglanz von keinem übertroffen wird, weit über die Häuserblöcke der inneren Stadt hinausragt.

Die Geschichte des Brünner Rathhauses nach der baulichen Seite zu schreiben, ist bisher noch nicht unternommen worden. Es war bisher so verschwindend wenig archivalisches Material dafür bekannt geworden, dass eine zusammenhängende Darstellung der Bau- geschichte des Rathhauses kaum möglich erschien.

Auch die Neuordnung des städtischen Archives hat dafür keines- wegs eine Ausbeute in dem erwünschten Maße zutage gefördert; immerhin aber bringen einige neue Actenstücke, wenn auch nicht für die älteste Zeit, so doch für die spätere Entwickelung des Baues mancherlei bisher unbekannte Nachrichten.

1*

Es ist bekannt. dass das Rathhaus in seiner heutigen Gestalt keinen einheitlichen Bau darstellt, sondern dass sich an den alten, aller Wahrscheinlichkeit nach im 14. und 15. Jahrhundert entstandenen Vorderbau erst allmáhlich, dem wachsenden Bedirfnisse folgend, die übrigen Theile anschlossen. Schon im 15. Jahrhundert erscheint das Rathhaus in den städtischen Losungsbiichern unter dem Namen „Area praetorii“. Damals war die Front des Gebáudes in der Rathhausgasse bedeutend schmäler als heute, sie umfasste ausschließlich den vom Thurme links nach der Krautmarktseite hin gelegenen Tract in einer Breite von vier Fenstern; der Thurm flankierte das Gebäude gegen Norden. Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde die Hälfte des rechts an den Thurm anstossenden sogenannten Regen- tanz’schen Hauses (heute Or.-Nr. 6) durch Kauf hinzuerworben, worüber uns ein Kaufcontract vom October des Jahres 1667* und ein Bauüberschlag nebst „Spanzettel“ ** des Baumeisters Johannes Erna wegen Neuerbauung dieses Hauses vom 1. September 1668, beziehungsweise 1. März 1669 beide Actenstücke entstammen den Bürgermeisteramtsacten im Brünner Stadtarchive Aufschluss gibt. Das Haus lässt sich in den Losungsbüchern und Losungsregistern der Stadt zurückverfolgen bis zum Jahre 1432. Seit dem Jahre 1627 war Christian Regentanz Besitzer dieses Hauses, ein angesehener Bürger, von Beruf Goldschmied, der zu verschiedenenmalen dem Rathe © der Stadt angehörte. Die Theilnahme an der Vertheidigung der Stadt im Jahre 1645 trug ihm den Adel mit dem Prádicate „von Eich- wald“ ein. Sein Haus wurde durch einen Bau, den sein Nachbar, Hans Lang, an seinem Hause (heute Or.-Nr. 4) vorgenommen hatte, baufällig, so dass nach dem Ausspruche der mehrfach zur Unter- suchung des Bauzustandes einberufenen Commission*** Lang ver- pflichtet wurde, für jeden Schaden aufzukommen. Dieser, ein reicher Handelsmann, der aus Mödling nach Brünn zugewandert war und schon im Jahre 1649 daselbst das Bürgerrecht erlangt hatte, zog es vor, das baufällige Regentanz’sche Haus anzukaufen, verkaufte aber die Hälfte desselben, die an das Rathhaus grenzte, in einer

* Vgl. Beilage I. ** Vol. Beilage II a, b. *** Hierüber wäre zu vergleichen das Baubeschaubuch des Brünner Stadt- archives (Codex Nr. 103), in dem sich die Verhandlungen vom 28. April 1666,

17. Mai desselben Jahres, 19. April 1667, 19. August d. J. auf diesen Fall beziehen.

5

Breite von 5 Klaftern 1!/, Schuh dem Stadtmagistrat. Der Kaufpreis betrug 1000 Gulden rheinisch. In diesem Zustande war das Haus für die Zwecke des Magistrates nicht zu verwenden und so wurde beschlossen, den Meister Johannes Erna mit dem Neubau zu betrauen. Im Rathsprotokoll des Jahres 1668 lesen wir zum 31. August die Eintragung: „Johann Baptista Erna Baumeister reicht eine Specifica- tion ein, wie und welcher Gestalt das zum Rathhaus erkaufte halbe Regentanzische Haus zu bauen sei. Resolution: Das Gebäu soll überhaupt verdingt und darmit angefangen werden.“

Die Kosten des Baues, der als Wohnung für den jeweiligen Syndicus bestimmt war, präliminierte Erna auf 430 Gulden nebst 2 Fass Bier und 12 Metzen Korn an Victualien. Der Magistrat reducierte aber in dem mit Erna abgeschlossenen Contract den Geld- betrag auf 300 Gulden. Diese Summe bedeutete jedoch; nur die Ent- lohnung für den Meister, seine Gesellen und Handlanger; das noth- wendige Baumaterial, Ziegel, Stein, Kalk u. dgl., wurde ihm durch den Magistrat beigestellt.

Die weiteren Häuser, die heute in der Front der Rathhausgasse zum Rathhause gehören, nämlich die zweite Hälfte des Regentanz’schen Hauses (Or.-Nr. 6) und das anstossende (Or.-Nr. 4), sowie Nr. 2 und auf der anderen Seite Nr. 10, sind erst in den Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts durch Miete und Kauf hinzugekommen.

Der rückwärtige Theil des Rathhauses hat im Laufe der Jahr- hunderte weniger Veränderungen erfahren. Schon im 16. Jahrhundert nahm er dieselbe Breite ein wie heute, somit den größten Theil der Gasse selbst. In diesem Tracte lagen die städtischen Gerichtsgebäude, das Gefängnis (Zucht) und die nothwendigen Dienerwohnungen. Vielleicht lässt die Fratze, die heute an dieser Front in der Mauer sichtbar ist, darauf schließen, dass an dieser Stelle ein altes Thor sich befunden hat, dessen oberen Abschluss ein Kopf zierte, da die aufgestellte Vermuthung, dass es mit dem Pranger im Zusammenhang stehe, durch nichts begründet und weit hergeholt ist, wogegen wir derart originellen, carikierten Fenster- und Thorzierungen auch anderweitig an Brünner Gebäuden des 16. Jahrhunderts begegnen, so an der Jakobskirche, an der Kaserne auf dem Dominicanerplatze, am alten Judenthor. Die Gebäude in der Schwert-, früher Zucht-, Schergen- oder Dienergasse genannt, standen ursprünglich mit dem vorderen, eigentlichen Rathhaus nicht in unmittelbarem Zusammen- hang und werden daher in den älteren Losungsbüchern als „hinter

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dem Rathhause“ liegend bezeichnet. Das Quergebäude zwischen dem rückwärtigen und dem vorderen Hofe mit der Durchgangshalle, in welcher die beiden Wahrzeichen, das Krokodil und das Rad, hängen, ist in den Jahren 1587 und 1588 erbaut worden; in der Kammerrechnung des Jahres 1587 lesen wir nämlich zum 12. September folgende Ein- tragung: „Mit dem Meister Hanns Czyroltt* Steinmetzen ein Abbruch gehalten, so er im Rathhaus an dem neuen Gepäu von Fenstern und Thüren von Stein gemacht hat, kommt dafür so ich ihm zahlet 84 fl. 13 gr.“; ferner in jener des Jahres 1588 zum 30. April: „Mit dem Meister Hans Zierholt Steinmetzen abgeraitt, so er zu dem neuen Gepei im Rathhaus neben dem Zeughaus vier doppelte Fenster machen lässt; darauf hat er empfangen auf diese Arbeit 34 fl., also verbleibt man ihme noch darauf zu zahlen schuldig, wenn die Fenster auf alle Statt werden gemacht sein, nemblich 6 fl.“ **

Das Zeughaus lag auf dem Krautmarkte an der Stelle des heutigen Hauses Nr. 15 und stieß mit seinem hinteren Theile an den Querbau des Rathhauses. An dieses schließt sich, den nördlichen Theil des Hofes begrenzend, der Tract der alten Rathsstube, die bis zum heutigen Tage als Sitzungssaal verwendet wird. Es ist das jedenfalls eine der schönsten Partien des Rathhausbaues. Die massigen Steinträger, das Gesimse mit den 21 bis heute noch unerklärten Wappen- schildern, der schöne, ehemals offene, jetzt theilweise mit Glasmalereien geschlossene Säulengang, die mächtigen Gewölbe im Erdgeschoss, all dies erregt den Eindruck, dass wir es mit einem einheitlichen Pracht- bau aus dem 15. Jahrhundert zu thun haben. Allein genauere Angaben hierüber zu finden, ist bisher nicht gelungen.

Nach diesem kurzen Überblick über die Baugeschichte und das Alter der einzelnen Theile des Rathhauses wenden wir uns unserem eigentlichen Thema zu, dem Rathhausthurm. Erwähnt sei noch, dass außer dem großen Thurme bis zum Jahre 1787 auf dem Rathhause noch ein kleines Thiirmchen bestand, über der Rathhaus- oder St. Martins- kapelle,*** die im Jahre 1785 entweiht und in ein Amtszimmer um- gewandelt wurde. Das Thürmchen wurde zwei Jahre später abgetragen.

= Es ist derselbe Steinmetz, der öfters aber fälschlich „Gerolt“ genannt erscheint. == Auch über dieses neue Gebäude existierten einstmals die sämmtlichen Abrechnungen; doch habe ich bisher von ihnen nur zwei vereinzelte Blätter, Nr. 11 und Nr. 13, finden können, die in Beilage XIII a, b. beigefügt werden. *** Über ihre Geschichte siehe Moravia 1841. Zahlreiche einzelne Nach- richten über Einrichtung, Renovierung finden sich in den Stadtrechnungsbüchern.

Der Rathhausthurm ist das einzige Stick an dem ganzen Baue, über das uns zusammenhángende Baurechnungen erhalten sind, die mit Sicherheit darauf schließen lassen, dass gerade jener Theil des Thurmes, dessen charakteristische Form sich heute unserem Auge sofort einprägt, erst im Jahre 1577 entstanden ist, dass der Rathhaus- thurm vor diesem Jahre um Beträchtliches niedriger NL ist und wohl auch eine andere Gestalt besaß.

In einem Fascikel „unterschiedlicher Stadtrechnungen“ fand sich vor kurzem anlässlich der Neuordnung des Stadtarchivs ein soweit mir bekannt niemals beachtetes Convolut von einigen Blättern mit der Aufschrift: „Ausgab auf den Rathhausthuermb“, die im wesentlichen nichts mehr enthalten als die Rechnungen und Kostenüberschläge der einzelnen bei dem Baue beschäftigten Hand- werker und die summarischen Zusammenstellungen der Beträge, die dem Kammermeister als dem mit der Zahlung betrauten städtischen Beamten zu diesem Zwecke von Bürgermeister und Rath der Stadt angewiesen wurden. So trocken und wenig inhaltsreich diese Blätter an sich erscheinen mögen, so dürfte es dennoch nicht überflüssig sein, sie zu veröffentlichen, einerseits aus dem bereits angeführten Grunde, weil wir überhaupt nichts Älteres und Verbürgteres über den Rathhausbau besitzen, andererseits weil wir die Arbeit, die damals ausgeführt worden ist, auch heute noch bis in alle Details vor unseren Augen stehen sehen. Wir finden hier eines der wenigen Beispiele, bei welchem wir das Verhältnis der Kosten im einzelnen an dem noch existierenden Bau beurtheilen können. Zu bedauern ist nur, dass die Risse und Pläne, von denen in den Acten und Rechnungen gelegentlich die Rede ist, sich leider bisher nicht gefunden haben und wahrscheinlich auch verloren gegangen sind.

Die grundlegende Arbeit an dem Neubaue fiel dem Stadtmaurer- meister Peter Kabry zu. Mit ihm wurde „am Pfingstag nach Pauli Bekehrung“, d. i am 31. Januar des Jahres 1577 ein Vertrag ab- geschlossen,” in dem festgesetzt wird, dass die auf eine halbe Klafter schadhafte Mauer des Thurmes soweit abgetragen und wieder auf- gemauert, dann aber überdies um 2 Klafter erhöht werden sollte. Für diese und die damit zusammenhängenden Arbeiten, speciell auch für das Tünchen des Rathhauses auf der Gassenseite, das Putzen des Thores etc. erhielt er den Betrag von 170 fl., der ihm laut Ab- rechnung in mehreren ungleichen Monatsraten ausbezahlt wurde.

* Vgl. Beilage III a, b.

Nächst dem Maurermeister hatte der Bildhauer und Steinmetz Meister Antoni Silva die wichtigste Arbeit an dem Baue übernommen. Wir wissen von ihm nur, dass er seit dem Jahre 1576 Besitzer des noch heute schönen Hauses Nr. 10 der Altbrünnergasse gewesen ist und dass er auch schon im Jahre 1570, in welchem er im Losungs- buche als Käufer mehrerer Weingärten genannt erscheint, in Brünn ansässig war. An dem gleichen Datum wie mit Meister Peter wurde auch mit Silva ein umfassender Contract geschlossen,* der heute für uns das interessanteste Schriftstück des kleinen Fascikels dar- stellt; dann an der Hand der detaillierten Beschreibung, die hier von Meister Silvas Arbeit gegeben wird, können wir eben die Identität mit dem heutigen Bestande bis in die Einzelheiten ersehen.

Auf dem Mauerwerk des Thurmes sollten zunächst 28 vor- springende Kragsteine, je 7 an jeder Seite und darauf ein Gesimse im Umfange von 16 Klaftern ruhen. Auf dem Gesimse erheben sich 16 Piedestale, viereckige Pfeiler, so dass zwischen je zwei Eckpfeiler drei Zwischenpfeiler zu stehen kommen. Der Zwischenraum von je zwei Pfeilern wird durch je 5 kleine Säulchen ausgefüllt, im ganzen also 80 an der Zahl, die rings um das Mauerwerk des Thurmes die jetzt noch unverändert bestehende offene Gallerie bilden. Über diese Säulchen und Pfeiler wird eine Balustrade, „Lahner oder Glahner“, ringsherum gelegt, wieder in einer Länge von 16 Klaftern. Die Gallerie wird mit behauenen Steinen gepflastert. Auf der Stein- balustrade ruhen auf den Eck- und Zwischenpfeilern 12 schlanke hohe Säulen, die das Dach der Gallerie zu tragen haben. Für diese gesammte Steinarbeit wird mit Meister Antoni ein Preis von 210 fl. vereinbart. Bei der Ausführung wurde jedoch in kleinen Einzelheiten vom ursprünglichen Plane abgewichen. Der Umfang des ersten Gesimses erhöhte sich um 3!/,, der des Geländers um 2'/, Klafter; es wurden nicht 28, sondern 32 Kragsteine gemacht und die Zahl, der großen Säulen erhöhte sich von 12 auf 16, wie dies heute noch am Thurme zu sehen ist. Durch diese Mehrarbeiten stiegen auch die Kosten um 60!/, fl., und hiezu kamen noch 40 fl., die der Meister für die gründliche Renovierung des Thores forderte. In einer Nach- schrift zu seiner zweiten Rechnung schildert er die Mühseligkeit der Arbeit an dem Thore, wie dasselbe „gar verderbt und zerbrochen“ gewesen sei, wie er glaube, an dem ganzen schwierigen Thurmbau die verlangte Summe redlich verdient zu haben und verspricht

* Vgl. Beilage IV a, b.

dagegen, er wolle ,gemeiner Stadt zunutz die Zeit mein Leben mit meiner Kunst, die mir Gott vergunnt hat, dienen und mich brauchen lassen.“ Der Rath hat ihm denn auch seinen Arbeitslohn ohne nennenswerten Abzug bewilligt, im ganzen ungefähr 311 fl, und die Summe wurde ihm in ungleichen Monatsraten, wie es die beigegebene Rechnung ersichtlich macht, ausbezahlt.

Außer diesen beiden Hauptactenstücken liegen uns noch die Rechnungen oder „Spanzettel“ von sieben anderen Handwerkern vor,* unter denen mit größeren Summen nur die beiden Schlosser Hans Hartmann und Wastian Hadinger figurieren; außerdem folgen mit kleinen Beträgen: der Tischler Meister Wolf, der Nagler Andrä, der Eisner Christoph Petsch, der Glaser Jakob Schedrer und der Uhr- macher Mert Gotprecht. Ohne auf das Detail dieser Rechnungen, die in den Beilagen mehr oder weniger wörtlich wiedergegeben sind, hier näher einzugehen, sei nur hervorgehoben: einmal die genaue Beschreibung, die der Uhrmacher von den einzelnen Theilen des Uhrwerkes bietet, und dann die Glaserrechnung, aus der sich wohl mit Bestimmtheit ergibt, dass die Gallerie damals ganz verglast war, wodurch sich allein die außerordentlich große Zahl von Scheiben, die der Glaser für den Thurm zu liefern hatte, erklären lässt.

Einzelne Posten in den Rechnungen beziehen sich nicht auf den Bau des Rathhausthurmes, wie z. B. mehrere in der Rechnung des Maurers und des Tischlers, doch sind es durchwegs unbedeutende Summen. Bei weitem wichtiger ist, dass sich unter den hier erhaltenen Rechnungen weitaus nicht die aller am Bau betheiligten Handwerker vorfinden; in erster Linie fehlt der Zimmermann, dessen Rechnung weder hier noch anderweitig bisher zu finden war; desgleichen der Seiler, der in den Baurechnungen der damaligen Zeit nie fehlt, weil er einen großen Posten an Seilen und Stricken beizutragen pflegte. Die ebenso bedeutsame Rechnung des Kupferschmieds für das Decken des Thurmdaches, die uns in der vorliegenden Sammlung abgeht, findet sich dagegen in der Rathsrechnung, „Ausgab zum Jahre 1577 und 1578“ (Cod. Nr. 425) auf Fol. 44 und lautet:

„Kupferschmieds.

A. d. erstlichen ihm geben dem Kupferschmied von einem E. R. wie folst: 5

* Vgl Beilage V—XI.

10

fl. gr. Ň deu Das Johannes din gehen (1000000009300 22. Sebtembris = a A 10906 2 4 „. 242 Novembre, S AO E000 0 Decembrisir, 5 NL 62.609 00 15. Februarius (1578) a diet DE

Im Rechnungsbuch 427 finden wir weiters Fol. 96 die Notiz:

„Die Ausgab dem Kupferschmied.

A. d. 79 a. di. 9. Februarii ist dem Meister Caspar Krebs Kupferschmidt der Ausstand wegen des Thurmes genzlich und gar entricht und bezalt nemblich fl. 230 —.“

Der Posten des Kupferschmieds, mehr als 1500 fl. betragend. übersteigt sonach für sich allein die gesammten sonstigen Kosten des Thurmbaues. Diese lassen sich mit voller Genauigkeit nicht consta- tieren, die uns vorliegenden Rechnungen ergeben mit Ausschluss der Kupferschmiedrechnung eine Summe von annähernd 800 fi., doch fehlen hier, wie oben bemerkt, zweifellos einige wichtige Rechnungen. Mit größerer Sicherheit ergeben die Zusammenstellungen der Summen, die dem Kammermeister zum Zwecke des Thurmbaues vom 9. Februar 1577 angefangen bis zum 19. April 1578 übermittelt wurden,* die annähernden Gesammtkosten des Baues. Es wurden ihm insgesammt 1052 fl. für diesen Zweck übergeben, und rechnen wir hinzu die Kosten des Daches, die dem Kupferschmied direct bezahlt worden sind, so ergibt sich eine Summe von annähernd 2500 fl. als Preis des Thurmbaues für heutige Begriffe ein verschwindend kleiner Betrag; für jene Zeit eine stattliche Summe. Die Hauptabrechnung mit den Handwerkern geschah Ende November des Jahres 1577, zu welchem Zeitpunkt die Hauptarbeit vollendet war.

I. Kaufcontract mit dem Hans Lang um des Regentanzischen Hauses neben dem Rathhaus.

Zu wissen dass nach Christi Geburt im 1667. Jahr den... Monats- tag Octobris zwischen einem edlfesten hoch und wolweisen Magistrat der königl. Stadt Brünn als Käufern an einem, dann dem ehrnfesten und wolgeachten Herrn Hans Lang Burgern und Handlsmann alda,

* Vgl. Beilage XII.

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als Verkaufern anderntheils, ein ordentlicher und unwiderruflicher Kauf getroffen, abgehandelt und geschlossen worden nachfolgendergestalt:

Es verkauft obberührten löbl. Stadt Magistrat zu gemeiner Hand und Amplirung des Rathhauses, erwehnter Herr Hans Lang die Hälfte der einerseits in continuo an das Rathhaus abwärts der Gassen gegen dem Grossen Stadtplatz stossender insgemein Regendantzisch genannter Behausung mit allen und jeden Appertinentien, Recht und Gerechtigkeiten, darbei in- und auswärts würklich befindlieher Zu- gehör, in Mauren, Zimmern, Stuben, Gewölbern, Kuchel, Tachung, Keller, Hof und in Summa wie dieselben ab imo fundamenti bis ad apicem derzeit im Gebäu stehet, und was nagelfest dabei zu finden ist; welche in dem situ und Grundmass der Länge nach sammt den Höffel und hintern Gebäu dreizehn Klafter und drei Schuch, in der Breite aber sammt der mittern Mauer, nach auswärts auf der Gassen abgenommener Mensur, fünf Klafter und anderthalben Schuch in sich begreifet; um eine Summa Gelds barer Darlegung benanntlichen Eintausend Gulden Rheinisch, welche alsobald zu sein des Verkäufers eigener Hand durch Herrn Andreas Erna und Herrn Andreas Hofmann (?) derzeit Stadtbuchhaltern richtig und ohne Abgang an guter landgebiger Münz zugezahlet worden, er Verkäufer auch obwolerdeuten löbl. Magistrat jetzig und künftigen der ganzen Summa halber in dem allerbestendigisten Form rechtens hiemit auf das allerkräftigist und bestendigiste quittiret; also und dergestalt, dass dückwolberührter löbl. Magistrat gegen dem abgeführten Kauf- schilling obberührter 1000 fl. rh. gemelten obern an das Rathhaus stossenden halben Theil oder Hälfte erwähnter Regendantzischer Behausung nach dero Belieben nutzen, niessen, gebrauchen und darmit seinem Gutbedünken nach als de re communi, wie er von amtswegen dessen befugt, thun, handlen, schalten, walten und disponiren möge. Und demnach diese erkaufte obere Hälfte der Behausung von der andern untern durch die mittere Hauptmauer inwendig bei dem jetzigen Eingang, welche vom Fundament des Kellers bis zum Boden unter das Tach geführet ist, zwar unterschieden und separiret wird, nichtsdestoweniger weilen an dieser Hauptmauer beiderseits die Tigna oder Trämen liegen, auch die Gewölber eingefasst seind, als solle solche Mauer beiden Theilen pari jure zugehörig sein.

Zumal aber vonnöthen, dass auf sogestalte Unterscheidung des zu einer Wohnung dienlich und füglichen Gebäues auch das Höffel hinter demselben dem e diametro abgetheilet werde: als solle von

obberührter mittern Hauptmauer schnurgleich gegen dem jetzigen Eingang eine neue Mauer durch das Höffel geführet werden und dem- jenigen zugehörig sein, welcher die Unkosten zu Aufrichtung derselben hergeben wird. Ferner, weilen auch erforderlich scheinet, dass ein Gübel oder Feuermauer zwischen beiden obigergestalt abgetheilten Häusern gemacht würde, als wird selbige demjenigen zugehören welcher die Unkosten darauf wenden wird.

Belangend letztlichen den Wasser- oder Durchlauf, ist der andere Benachbarte jetzig und künftiger solchen durch seinen Theil zu leiden und zu gedulden schuldig.

Damit aber dieser unwiderrufliche Kauf allezeit bestendig und bei seinen Kräften verbleiben möchte: als solle wegen wirklicher Tradition des Hauses, auch Quitt- und Lossprechung des bar und richtig empfangenen Kaufschillings dieses Kauf-Instrument oder Contract in die Grundbücher bei denen Stadtgerichten auf beeder Theile gleiche Unkosten eingetragen werden, und wie obstehet jeder- zeit dabei sein unveränderliches Bewenden haben, alles treulich und ohn Gefährde. Zu mehrer Beglaubigung seind zwei gleichlautende Exemplaria aufgerichtet und sowol an Seiten eines löbl. Magistrats als Käufers, als auch an Seiten des Herrn Hans Lang Verkäufers mit beiderseits vorgestellten Insigel und Petschaft bekräftiget, von dem Verkaufenden aber auch mit seiner Hand Unterschrift unter- zeichnet worden.

So geschehen in der königl. Stadt Brünn anno et die ut supra.

Im Fase. Rathhausthurm, wie alle nachfolgenden Acten- stücke.

Dabei liegt noch eine „Nachricht, wegen derjenigen halben Behausung des Johann Lanngs, welche ein Edl-Vester löbl. Magistrat erkauft hat“, die im wesentlichen mit dem Kaufcontract übereinstimmt.

IT. a. Verzachnus des Paumaister betreffend das Regendanzische gebeste Behausung bie in vermelt.

Verzachnus was für Maderriallien und Unkosten aufgehen wird bie auch, was Maurerarbeit und Handlanger betreffend thuet bei gemeiner Stadt erkauftes halbes Haus des in Gott ruhenden Herrn Regentanzs laut eingehendigten Abriss bie folget.

Erstlichen alwo jetzunder ein Laeden ist, einen Eingang von der Gassen mit einer grossen Thür, negst darbei ein Fenster in dem

neuen Führhaus zu machen; ferners die alte Kuchel sammt das Gewelb und eine Zwerkmauer wegprechen, damit das Führhaus durchgehend bis ohn das Höffel gemacht wird.

Item in denjenigen benannten Führhaus eine Stiegen auf neuen Fundament oder Grund, laut eingehendigter Abriss ausweiset, 3 Zimmer hoch gewelbter machen, diejenigen Stiegen mit ihren versetzten achenen Staffeln beguemlich 4 Schuch breit aufmauern sammt zweien Führhaus negst Stiegengewelben.

Item unter der Stiegen laut Abriss ein Eingang in die neue Kuchel machen mit einem neuen Rauchfang über das Tachwerk ausmauern, ein neuen Mantel sammt Hört, unter aber ein Pachofen machen, die alten Thüren von den benachberten Haus vermauern, in der Stuben den Ofenfuss verendern, die alte Thür in die Stuben verrucken und einsetzen.

Item in Höffel zwischen beide Behausungen eine Frietmauer durch den Hof und s. v. Sekret, den andern Garn hoch aus dem Grund aufmauern laut Abriss, den Sitz verendern und auch aus der jetzigen Pathstiebel die eine Thür gegen das Gewelb vermauern und eine gegen den Höffel ausprechen mit einem Fenster über der Thür ferners auch eine Kellerthür von Höffel sammt Stiegen hinunter machen, in unterschiedlichen Orten das Flaster auspessern.

Item den mittern Garn in die grosse Stuben, die alte Thür, vermauern und ein Almer einmauern, den alten Rauchfang abprechen, ein neuen Eingang von Führhaus laut Abriss ausprechen und ein Futter einsetzen; ferners auch ein neuen Rauchfang sammt Ofenfuss machen negst darbei das alte Gewelb wegprechen, ein neue Zwerk- mauer bis 3 Garn hoch aufmauern, wiederumb dasjenige neue Stuben laut aufs neue gewelben, in den gewelbten neuen Stiebel ein Fenster beiderer verrucken, jedoch die 2 Seiten alte Mauern etwas der Tücke der Mauer vergleichen und das Gewelb den alten Stubenboden gleich so hoch machen, damit man von einen Zimmer in die andere gehen kann; in derjenige grosse Stuben alle die alte Tram aus der Mauer ausprechen und wiederum neue Tram einmauern.

Item eine Tür von neuen gemachten Führhaus in das kleine Gangel ausprechen und einsetzen, das Gängel etwas erheben und kleine Fenster etwas gresser machen, ein neue Thür sammt Rauch- fang und Ofenfuss von neuen Führhaus aus der alten Mauern aus- prechen und einsetzen; ferners auch von den kleinen Gangel laut Abriss ein Thür in Rathhaus ausprechen und einsetzen.

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Item über das Pathstiebel und s. v. Sekret laut Abriss durch die jetzige Einhatzkuchel in die Rathstuben oder Kuchel ein Schiet- mauer mit einem Fenster und neben der Kuchenthür ein neue Thür in das neue gemachten Gang ausprechen und mit Stein die Thür versetzen, von den neuen aber gemachten Gang ein Thür in diejenige alte Kammer ausprechen und ein Futter einsetzen und der Kuchel ein Ofenloch ausprechen sammt einen Ofenfuss machen; weilen aber in diejenige Kammer der alte Poden etwas zu niedriget ist und das Gemäuer sehr paufállig seint, so ist nothwendig die paufállige Gemäuer sammt den alten Poden abprechen und wiederum um 3 Schuh höcher als vorhin ist gewesen, aufmauern mit 2 Fenster in das Regendanzische Haus oder Höffel ausprechen und mit Stein und eisene Gatter versetzen laut Abriss, auch aufs neue ausflastern, ausputzen und ausweissen, damit eine Stuben für die Parteien gebraucht wird.

Item der 3 Garn hoch alle diejenige Mauern gegen den Nach- bahren und Hoff sammt Schietmauer zwei Klafter herum aufmauern, aber gegen der Gassen den Giebel so hoch als vonnetten thuet mit seiner Zier erheben, damit der obere 3 Garn den mittern Garn in Zimmer gleich gebauet und gemacht wird.

Item in den 3 Garn 3 grosse Fenster in der Gassen ausprechen und machen bie auch 3 Fenster gegen den Höffel machen.

Item ein neuen Giebel zwischen beide Häusern 1'/, Klafter hoch über das Tach aufmauern, damit beide Häusern verschlossen bleiben, ferners 3 Thüren, 2 Ofenfuss und auch 2 neue Rauchfang über das Tach aufmauern, die obern Zimmer sammt den obern Poden und Vorhäusel ausflastern, inwendig überall ausputzen bo es vonnetten thuet und auspessern und auswaissen, unterschiedliche Schliessen eisene einziehen, die auswendige Faccata den Gegentheil des Rathhaus gleich abputzen, abweissen und abferben, und alles verfertigen bie der Abriss ausweisen thuet, und was Mauerarbeit betreffend thuet machen. Zu aller dieser überbenannten Arbeit wird vonnetten sein Mauerstein

in ‚Grundan els Ne za eb om A0% OP ETS BRA Item Mauer- und Gewelbziegel, die alte Made-

malienszu hip Sri. west NE IS NI Sen Item Blasterziegel der kleine 325 21 Tausend

Item Kollich nach dem Tretschaff gemesen . 15 Muth Item Sand die Notturft

15

Item Eisen zum Schliessen . . . Be (Ventner Item von allerlei Kristholz (Geristholz) . . . 40 Stück Item Pretter zum Kristen . . . Shack

Item Lattennágel zum Kristen nd Dale ZDA m

Item Scheibtrugen, Schaufel, Pietel, Strick und andere Noth- wendigkeiten, des gebáu die Notturft.

Macherlohn des Maurers und Zulangers wird aufs wenigiste kosten

AT (Ee a ee EN ER AS OT Victualien

DE M PUR SV SARA bo Re 2 OSS Rommel Metzen:

Praes. 31. August 1668. Johannes Bapt. Erna

Paumaister.

II. b. Spanzettl mit dem Baumeister Johannes Erna wegen Erbauung des Regentanzischen Hauses.

Randbemerkung: Dieser Spanzettl ist erst den 1. Martii 1669 ausgefertigt worden. Nr. 920.

| Heunt dato den 1. Septembris 1668 ist mit dem Johannes Baptista Erna Bürgern und Baumeistern alhier nachfolgender Contract geschlossen worden. Es solle derselbe schuldig sein das von einem lóbl. Magistrat erkaufte Regentanzische Haus laut des eingereichten Abriss und was in demselben bei Besichtigung der Gelegenheit durch die deputirten Herrn emendirt oder zu- gesetzet worden, recht und bestendig repariren und erbauen, und zwar: solle ein rechtes Vorhaus aus dem Ort wo jetzo die Kuchel und die Kammer herwerts des Rathhaus ist, zugerichtet und darin eine gute Stiegen in die andere Contignation geführet werden. Unter der Stiegen aber solle ein gewelbtes Speiskámmerle sein. In der anderen Contignation solle das alte Gewölbl gegen dem Hoff eingerissen und an Statt desselben ein neues, damit es mit der Höhe des Bodens der vorderen grossen Stuben gleiche, und dabei auch ein kleines Vorhäusl, bei welchen eine Stiege in die dritte Contignation gehen solle, gemacht werden. Die Fenster sollen auch der Notturft nach versetzet werden, damit gnuegsambes Licht darein scheine. In- gleichen solle er zu Aufrichtung des Ofens einbrechen und einen rechten Ofenfuss in der grossen Stuben setzen. In der dritten Con-

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tignation solle er. oberhalb des neu aufgeführten Gewelbes gegen dem Hoff wieder ein Stiebel, so breit das Spatium ist, item vornher auf die Gassen auch eine bequeme Stuben aufrichten und die Fenster nach Beschaffenheit der Gelegenheit adaptiren und weilen deswegen der Dachstuhl nothwendig erhebt werden muss, als solle er nit allein eine neue Mauer gegen dem Schuster Streicher, sondern auch vorn- her auf der Gassen den ausseren Schild, damit er der Höhe des Rathhauses auf der anderen Seiten gleich seie, zierlich aufführen. Herunten ist er schuldig aus dem vorderen Gewelb eine bequeme Kuchl zuzurichten und zwei neue Rauchfang oder Camin, als einen aus der Kuchel, den anderen von dem Öfen der oberen Stuben zu machen. Ingleichen das Waschhäusl oder Badstübel auf den Hoff und das daran stossende Gewölbl zu repariren; sodann auch eine Schidtmauer zwischen diesen Haus und den Schuster Streicher in dem Hoff aufzuführen.

Für solche seine Mühewaltung und wann er die Arbeit recht wie es sich gebührt, zu stande bringen wird, solle ihm gereicht werden dreihundert Gulden reinisch.

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Jedoch mit dem Beding, dass er die Gesellen und Handlanger selbsten bezahlen solle. Die nothwendige Baumaterialia aber, als Stein, Ziegel, Kalch, Sand und dergleichen, wird ein löbl. Magistrat durch das Kämmeramt darzu verschaffen lassen.

Actum Brünn anno et die ut supra.

JET. a. Contract mit dem Maurermeister Peter Kabry.

Anno domini 1577, Pfingstag nach Pauli Bekehrung, ist auf Bevelch und an Statt Herrn Burgermaister eines ersamen Raths der Stadt Brünn, in Beisein der ersamen fuersichtigen, weisen Herrn Syman Kryebler, H. Heinrich Raug, H. Hanns Schoerz Cammermaister, H. Caspar Lilgenplatt, H. Hanns Staindl und H. Bernhart Brivin, mit Maister Petter, gemainer Stadt Maurer, ein Abbruch und Geding gemacht, betreffendt des Rathhaus Thurm, dieser Mainung und Gestalt: erstlich soll Maister Petter das Gemeyer (welches die Noth erfordert), ein halbe Klafter abzutragen und wiederumb solche halbe Klafter auf- zumauern, und das Gemeyer umb zwa Klafter höher zu machen, das Buntwerk mit Ziegeln auszuflechten und den Gang mit sambt

17

den Kragsteinen zu versetzen und den Thurm ab und ab zu ver- werfen und weissen, mit sambt dem Rathhaus auf der Gassen, des- gleichen über dem Thor wo die Justicia ausgehauen, auszuputzen und alles aufs fleissigist zu machen schuldig. Für solche Arbeit ime zu bezahlen und zu geben sich verwilliget und schuldig sein wird bar Geld 170 fr. rh. Des zu besser Sicherheit sein zwo gleich lautunt Zetl aufgericht, und ein Thail bei Herrn Cammermeister verbleibt, der ander aber Maister Pettern vorraicht, und was ime Maister Pettern auf solche Arbeit gegeben wird, soll in diese Zetln verzaichnet werden. Actum ut supra.

AMO den 28: Kebruarunıme sehen 00 272 dem VMA imerscbem NE ENS GR lo dene 22 Npnilliseimesebenen v2. sonne... LO TE den AN DEN une Beinen her ee dene September oebenspene 2 0 oa den#l2Ostobuispper seen... Se ER RR OU, don > November. a en Se Alte,

Auf der Rückseite: A.d. 28. November aus Befelch H. Bürger- meister und eines ersamen Rath der vorigen verordneten Herrn ist mit Meister Petter Maurer abgerechnet worden nach Laut eines Aus- zugs verbleiben ihm meine Herrn lautter p. 24 fr.

III. b. Verzeichnus ich Petter Kabry, Stadtmaurer allhie zu Prin, was vor Arbeit auf dem Thuren zum Rathhaus gemacht hab ausserhalb der Spanzettel.

Erstlich die 4 grosse Fenster, weliche in Thurn seind, die seind gar falsch gemauert gebesen, die hab ich abpreken lassen und mit Fleiss wieder vermauren und auch den Zuig weliches abproken ist worden, den hab ich von Thuren nider lassen und wider aufziehen.

Mehr hab ich in das Master Pangratz Kandlers Keller etliche Löcher, die in Leim seind graben und am Thurn sehr schad seind gebesen, die hab ich unterfangen und vermauren lassen.

Mehr hab ich in die Kram, wo der Klampferer ist gebesen, ein Fenster vermauren lassen, weliche den ganzen Gemeir gegen der Gassen sehr schad ist gebesen, und in oben gemelten Kram aus- gepesert wo es vonethen ist gebesen.

Mehr auf Sanct Merten Kapellen hab ich den alten Schild ab- geproken und den nuen wider aufmachen lassen.

Zeitschrift des mähr. Landesmuseums. II, 1.

18

Mehr dieselbigen Stein, die der Master Anthoni hat machen lassen über sein Spanzettel, aufzogen und versetzen lassen.

Mehr an dem steinen Kasten gegen den Herr Schwarzl iwer etliche Staffel aufgehebt und darnach fleissig vermaurt und die oben gemelten Staffel wider versetzt.

Von soliche Arbeit alle hab ich treilich verdient . . fr. 28.—

Auf der Rückseite: Auszug was ich Master Petter Kabry für Arbeit gemacht hab aushalbend der Spanzettl am Thurn und sonsten.

Abgerechnet pr PENSANT TE PAU

IV. a. Contract mit dem Bildhauer und Steinmetzmeister Antoni Silva.

Anno dni. 1577 den Pfingstag nach Pauli Bekehrung ist auf Befelch und an Statt Herrn Burgermaister eines ehrsamen Raths der Stadt Brünn, in Beisein der ehrsamen, fürsichtigen, weisen Herrn Symon Kriebler, Herrn Hainrich Rauch, Herrn Hanns Schoertz Kammer- maister, Herrn Caspar Lilgenplath, Herrn Hans Staindl und Herrn Bernhart Brivin mit Maister Antoni Pildhauer oder Steinmetz, ein Abbruch und Geding gemacht betreffend etzlicher Notturft des Rath- hausthurm, dieser Mainung und Gestalt: Erstlichen soll er machen 28 Kragstein, mehr das Gesimbs über die Kragstein, soll sein 16 Klafter; mehr ohne Gefahr bei 80 Sailel und 16 Pedestalen auf die Ecken, und zwischen die Sailen; und die Sailel sollen rund ausgehauen werden, wie das Muster ausweist. Mehr zum Lahner über die Sailn kombt 16 Klaftern; mehr das Plaster, mit gehauenen Steinen zu machen, und mit Fleiss zu verkitten. Mehr soll er nach 12 Seilen Possa, so das Tach sollen helfen tragen, und solches alles aufs fleissigist, wie sichs gebürt, schuldig zu machen, für solche Arbeit ihme zu bezahlen und zu geben sich verwilliget und schuldig sein wird Bargeld 210 fr.

Des zu besser Sicherheit sein zwo gleichlautend Zettel auf- gericht und ein Thail bei Herrn Kammermaister verbleibt, das ander aber Maister Anthoni vorraicht. Und was ihme Maister Anthoni auf solche Arbeit gegeben wird, soll in diese Zettel verzaichnet werden. Actum ut supra.

19

Anno: 7.0. den 29. Hebruanı ihme geben 0.93 11. ení mm 2eben 0 -0 2000 o ph hm geben? 2 207 11. Maii ihm geben word UNE 5 2 Mahmeseben Le A0 mmm sehen over 2 2.219, 2% Imm sehen sl 10. Augusti den Herrn Wolff Nogl en or =. JOIE ostat EU nen eo DS September 2. o LO 2 428» ODCLODBIS an dr Sans ne) 9) (0

INomemberes Dre ee a LO

250 fr. 74, gr.

Den 28. November aus Befehlich Herr Purgermaister und eines ehrsamen rath der verordneten Herren H. Simon Krybler, H. Wolff Nagl, H. Hainrich Rauch, H. Hans Schertz, H. Hans Schtaindl, H. Pernhard Brevin, H. Michl Reich Kammermeister mit Meister Anthoni ein Abrechnung geschehen, was er über die Spanzettel oder Geding searbeit hat, nach Laut eines Auszug p. 101 fr. 22"/, gr.; und Meister Anthoni ist schuldig und bewilligt sich auf den künftigen Summer die Justicia was noch daran zu machen und zu pesern ist und zu verweissnen wie es sich gebürt. Actum ut supra.

IV. b. Verzeichnus was ich Anthoni Silva Pildhauer für Arbeit am Rathhausthurm gemacht hab iber mein Geding ausserhalb der Spanzettel.

Erstlich hab ich gemacht acht Fenster und ein Sturz, ein Fenster POZ MAME © 208 Mer op olo mehr hab ich an das ali em ni die Krach-

stein auf ein jedliche Eck lassen zwa mal durch-

hauwen von wegen der Schließen, und widerumb

an soliche Gesimbs umb und umb die Klamen

lassen einhauwen dafür . . . . „in DE mehr hab ich 4 Krachstein gemacht ein en. 2 fr. TRUE LEE . fr. 10 gr.

mehr das gross Cote ber die Krichiein seind 3 Klafter mehr darzu kumen als in Spanzettl

bemelde ist die Kate p2 2 m thuet 2: © 18. 6er a DES

20

mehr am Glahner hab ich 21/, Klafter mehr gemacht als im Spanzettel pemelt ist, die Klafter p. 1'/, fr.

thuet. 1... u A ce RE CRE N Er Ko ES À mehr hab ich 4 gross Sailen gemacht mit ihre Zu-

Kerune en. OE LOG re le mer hab ich ein Hakenloch zum Stibl auf den Thuren

lassen machen po a n zle l Oo Von solicher Arbeit aller kumbt darfür . . . . . . fr. 60 gr. 22"/, Daran hab ich empfangen auf soliche Arbeit . . . fr. 30 gr.

Mehr hab ich peim Gefenknus die Thir lassen pessern und ein Fenster lassen darauf machen, thuet . fr. 2 gr.

Was anpetrefent ist das Thor zum Rathhaus, Euere ersame Weisheit haben gesehen wie sie gar verderbt und zuproken war, und auch was für Mühe und Arbeit darauf gegangen ist, weliches ich selbs nit hab gedacht; derhalben hett ich dreilich an dieser Arbeit 40 fr. verdient und pin auch der Zuversicht, E. e. W. werden sich soliches nit peswären.

Ersam weise und gunstige Herrn, nachdem ich mit dem Geding das ich erstlich mit E. e. W. hab gehalten petrefend den Gang auf den Thurn und die andern Sachen, die darzu gehern, nach Laut der Spanzettl, Euer ersame Weisheit als die Hochverstendigen haben sehen und merchen könen, was ich für merklicher grosser Schaden gelitten hab und gleichwol hab ich nit ablassen wolen, sondern meinen Zusagen ein Geniegen thuen wie E. E. W. an das Werk sehen miiegen; nun aber ist mein diemetige Pitt, E. E. W. als die gietigen die welen solichen mein Schaden peherzigen und mich nit in solicher Schaden lassen, den ich hab mich dieser Arbeit halben in grosse Schuld eingelassen; dargegen wil ich E. E. W. und gemeiner Stadt zu nutz die Zeit mein Leben mit meiner Kunst die mir Gott vergunt hat, dienen und mich prauchen lassen.

Auf der Rückseite: Auszug was ich Anthoni Silva für Arbeit am Rathhaus thurn gemacht hab.

Thin verbleibt ea eat 2 Ra daly. a Pe S AE Mehr von dem "Bor oder Justieia RON RO NP ER RE

V. Vermerkt was ich Hans Hartmann Schlosser zu dem Rath- hausthurm gemacht hab in 15%. Jar.

Zum ersten hab ich gemacht 12 hundert und 50 Klamen gross und

EL ACM RE ER DO LD Aller Mehr hab ich gemacht 11 hundert und 62 Negil,

CMU CKP te nn US oe Mehr gemacht 42 Schliessen darfür eini 8 kr.. . 4 fr. 24 gr. Mel? domaené IL ne MORE 2 o ora 8 ds == B Mehr gemacht 4 Fann, den Atler und die Stangen

zu den Fannen, Horn TE, O ann Mehr gemacht die Geheng zu der Us bein und

Aude Mienlumsdertuun nn... ES RO NS Ser. Mehr gemacht 44 Zapfen zu den Saillen, dervier fr. 20 gr.

Mehr peschlagen 5 Walzin zum Zug, derzue gemacht

Ringzapfen, Klewen, die Stangen; darfür alles 1 fr. gr. Mehr peschlagen 15 Fensterrem, darfür .. .. Sfr. gr. Mehr gemacht Pender, Haken für... zu den Fenster-

laden darum (k. : 2 fr. gr.

Mehr angehenkt 8 Thieren, da Beihächt Saas Pender, ah Handhaben, darfür eini

ZBO. u: Z St: LOB ar. Mehr Ha 1 eissers Thier zum ún darfir fr. 40 gr. STE on OB BE OL

VI. Vermerkt die Arbeit so ich Wastian Hädunger zum Rath- hausthurn gemacht wie folgt.

Erstlichen 1 neue Hagen gemacht zum Zug thut fr. 6 gr.

Mehr 2 neue Klamern gemacht zum Zug tt. . . fr. 16 gr.

Mehr 3 Klamern derlegt und sterker gemacht in Aumesstadem 0202 22 fr. 8 gr.

Mehr hab ich naeh 4 neue o Ein it 4 großen Schließen und Hägen in die Mauer von den Herrn Bisen ie „2 0222, . 2 fr. gr.

Mehr hab ich gemacht 4 neue große Eisen ah Hägen und hab derzue gemacht 4 neue große Schließen, derzu hab ich geben 136 & Eisen Zum Sec (3008 a EAU de

Mehr hab ich gemacht 24 neue ea tt... fr. 24 g

[ee LO

Mehr hab ich gemacht 8 neue große Stangen mit Hägen und hab darzu gemacht 8 neue große Schließen, darzu hab ich geben 3 Zentn

Eisenmann MER DS te LO N Mehr gab ich Koln zum one So tt. .—- fr. 10 gr. Mehr 3 neue Band gemacht zum Steinwagen, tt. fr. 6 gr. Mehr hab ich die groß Stangen zum großen Kopf

halb neu und länger und stärker gemacht, tt. 8 fr. gr.

Mehr 1 Klachl derlegt und länger gemacht und hab derzu ein neus Eer gemacht in die Feuer-

SOCKET 2.2 a ee hr Mehr 45 neue Sparnagel Sarah ih ee a Te OLE ge Mehr 1 Schock Sparnagel gemacht, tt. . . . . 1 fr. 21 gr. 3d. Mehr 1 Schock Sparnagel gemacht, tt. . . . . 1 fr. 21 gr. 3 d. Mehr 4 neue 2. gemacht in die Mauer, die

wegen 26 G, RE ea, la: Mehr 8 neue nach zu ln Bd ad EE NETCATU RENE „obe W. Mehr 1 neus Eisen gemacht zu ic Bilden el

hab darzu geben 17 neue Prucknagel, tt. . fr. 16 gr.

Thut diese Summa von dem Rathhausthuerm . . 44 fr. 3 gr. 5 d.

Auf dem Umschlag: A. d. 29. November abgerechnet mit Herrn Bastian Hadinger, so der Herr zu dem Thuerm gearbett hat nach Laut dieses Auszug per 41 fr.

VII. 157%. Was ich dem Herrn Kammermeister gearbeitet habe.

Erstlich in meiner Herren Zucht 2 Thüren gemacht und verleistet,

darfür 1 Thaller.

Mehr 1 Futter gemacht, derfür 1 halben Thaller,

Item alde Benke gebessert, darfür 6 gr.

Mehr 1 Brett auf meiner Herren Wagen gemacht, darfür 3 gr.

Mehr auf den Rathhausthurm gemacht 15 Fenster, rechne darfür 1 neon

Item 10 Fensterladen gemacht, für ein 4 gr., thut 40 gr.

Mehr 3 Thiiren gemacht und verleistet, derfür 1'/, Thaller.

Item Benke gemacht in die Stube, derfür 24 gr.

Mehr 10 Fenster verleistet, für eins 2 gr. thut 20 gr.

Summa thut 7'/, Thaller 3 gr.

Auf der Rückseite: Master Wolf, Tischler, zahlt 7 fr.

23

VIIT. a. Vermerkt was bei dem Meister Andre Nagler für Negl zu dem Rathhausthuerm zum Decken genumen ist worden wie folgt.

Erstlich 7200 große Negl, das Tausend per 40 gr.. . fr. 9 gr. 18 Mehr klenere Negl 3800, das Tausend per 20 gr. . . fr. 2 gr. 16

SUN DO O Daraueempiansen hau pen na O) O

VIII. b. Vermerkt was ich dem Herrn Michl Raich zu dem Thuermb gemacht hab.

Erstlich 7000 große Nagel das Tausend per 40 gr. thut 10 fr.

Mehr haben die Kupferschmidgeselln genumen 200 große Nagl, thut 8 gr.

Mehr haben sie klenere genumen 31/, und 300 Dz., 100 per 5 kr., v2 720Kč

Daran hab ich empfangen 9 fr., blieb mir noch ausstendig 3'/, fr. 3 k.

IX. Herr Kamermeister soll mir sein E. W. wie hernach folget.

Erstlich nam der Uhrmacher 2 h. Drat zu 10 kr. tt. fr: gr. 8 d.4 Mehr nam des Anthoni Bildhauers Gesind 11/, h.

Dean nn fr on, ©4079 enssrobeneDratite: -= -00 ada or .3.d.6 3 Schock Lattennegl zu 3 gr., tt. . a)

1/, Schock Gesperrnegl, 1 per : Wr. a tt ho od 1, Schoekgkreinesl o fe or Led. 2 raschock&halbe Pretnes 7 or L IS>Schock@BreinesE 2... 5 Mt fr or A D PasehocktEretmesh ks AE AE ae, Die Cu. io in di 2 Énochock halbenLattennes Meme NE NAN Nb UE TETE

E. E. W. dienstwilliger Christoff Pettsch, Eisner. Anno 1577 den 10. Juni ist aus Pefelich Herrn Michael Reich als Kammermaister zu gemeiner Statt Gepai durch Herrn Hansen Hartman pei mir genumen:

(folgt die Aufzáhlung von Eisen und Kloben im Betrage von 17 fr. 1 gr. 5 d.)

Unterschrieben: Rochius Coplach. Auf der Rückseite: Dem Herrn gegeben p. 15 fr.

Anno 1577 den 14. August ist aus Pefelich Herrn Kammer- meister zu gemeiner Statt Gepai durch Hansen Hartman pei mir wie folgt genumen worden:

(folgt die Aufzählung von Eisen, Nägeln, Draht und Messingdraht im Betrage von 20 fr. 29 gr. 5 d.)

X. Ferner folgt was ich Jacob Schedrer Glaser aus Pefelch Herrn Kammermaister meinen Herrn auf den Rathhausthurm gemacht hab.

Erstlich 10 Fenster auf dem Thurm ins Stübl, Kämmerl, Vierhaus und auf dem Gang umb und umb gemacht, die halten 604 Scheiben. Item herunter bei der Uhr 4 Fenster gemacht, die halten 160 Scheiben. Mehr ins Thürmer Kammer herunter ain Fenster gemacht, helt 66 Scheiben. Mehr eingepessert was der Tischler ausprochen hat, 7 Scheiben. Summa Scheiben 837. Thuet am Gelt, von der Scheiben 2 d. 7 129er. AIN

Auf der Rückseite: Auszug 1577. Jars, dessen so ich Jacob Schedrer Glaser meinen Herrn zu gemainer Stadt gemacht hab.

Den 30. November zalt den Auszug p. 7 fr. 15 gr.

Inhalt 11 fr. 3 gr. 2 d.

XI. Vermerkt was ich Mert Gotprecht zu der Ur auf das Rath- haus gemacht hab wie folgt:

Erstlich hab ich ain nais Kraiz in das Staigrod gemacht und naie Zent in das Staigrod und ain naie Spindel zu der Unru auch ain naien Kloben. Waitter zu dem Firtelwerk ain naie Losung gemacht und ain nais Schloss, auch ain nais Trib und zwen Hert- ring, auch anderst aingericht, widerum zu dem Schlagwerk hab ich ain nais Rad gemacht und ain nais Anschlageissen zu dem Windfang auch ain nais Schloss und das Schlossrad tiffer ain- gestrichen, auch ain naien Hertring; waiter hab ich 4 Klammen in die Maur gemacht, da die Zagerstonen dorinnen gen, und die 3 Zager- stonen hab ich lenger gemacht; zu 2 Stongen Kleben gemacht, das die Trib dorinnen gen; zu den Manschein hab ich zwai lange Eisen in

29

die Maur gemacht und zwen Ring, auch 2 Pfanen dorinen die Mon- schain gen. Zu dem ain Homer hab ich ain naie Federn gemacht und anderthalb 7 Drod darzu genitz und die Ur von naien aufgepütz. Desgelaichen auch die Zagerreder und die Monschainreder, auch die Ur von naien aufgesetz und 4 Zager angericht und 2 Firtelzager, auch 2 Monschain. Ist derhalben von aller Arbait 24 fr., die ich trailich verdint hab.

Darauf hat er empfangen vom Kammermeister. . . . 9 fr. 27 gr. RE MPD ODD a u ARR SP AO or. Und mehr ist er auch schuldig um Eisen und Stahl . 1 fr. 28 gr. Nehrihms schen mn nn. a ea m 6 fees ber

XII. Ao. 1577. Jar den 9. February ist dem Herr Hans Schercz,

als diese Zeit gemainer Stadt Brünn Kammermaister vom Rath-

haus durch Herrn Burgermaister und einen ehrsamen weisen

Rath etc. Geld hinab geben worden, damit der Rathhausthurmb

gepaut sollt werden, wie es orndlich nach einander diese Ausgab folligt etc.*

Den 9. Februarii dem Herrn Kammermaister geben. . . .10 fr o: k ozon a EEE TEN RER MES PA D0) 20: c o VE NR en BO CRC MAC une nun LASER LOS Manche we len CE) „lo, ME EN Re a DER ANS, D QE un ee ee CHAOS QE D lab AVOIR D een EL EI NEL TE Ze ARON ne AN CIO ETS N ln: E EEPROM ERA AR HOT EAN AL NOR EN EEE ADA PZS TOR fe LEITETE IND OR BO um SER. EUR VÁMA, EN RP ARTE MARIO TE Palin EE VGA SAD RUE OS K8 RER ee ato DE ky FES ee re ne LO

28. A

* Dieselbe Verrechnung findet sich übrigens auch wörtlich gleichlautend in der Rathsrechnung vom J. 1577 (Cod. Nr. 425, Fol. 43) mit der Überschrift: „Auf den Thuermb“. In der nächstfolgenden vom J. 1578 (Nr. 427, Fol. 95) liest man abermals die Rubrik „Die Ausgab aufn Ratt Turn“, es fehlen aber die Posten.

26

Den’ 7. Jus ET MR RE ECS Er RESTES AN Fllen D DT ER a a: ts DR LT STATUS MOQUE RENE TR NEE RER MATE TERRIER HORS 80 , EURE 5 io Pts SS OLT 100) NPO a... PR Rene SET en dodalo AW 20. D) . 20 ; ZO N LEE do ER ooo esse se re 2 ALI) ce k 5 ELO DIS EE MIRE AO ES ER are 72 27 Sl: s 000 s AO: 5 30 SUD AN OV EM ET den u ge de Aka bo len RUE Gr NT le

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en AO h DE RN RL ET Da) z 20 EN N EEE LOU). > a 20. Decembeisan 22:2, ren RS alle TN Poe er De PAR RS NL) DIM O ABObruari VHS re a ee Oo 3,18. A GDEUA EI 2. ee ne ON CN a Sde hk RU

942 fr.

Auf einem anderen Blatte:

Anno 1578 den 5. Tag Aprilis ist Herrn Michael Reich als von E. E. R. verordneten Kammermeister gegeben worden wie folgt:

den ditto ea ae NE den 12. ApS des 2 dale aro) den 197Apris 02 PRE nel

XIII. a. 1589. Verzaichung was ich Hans Czirholt Stainmetz

aus Pevelch Herrn Kammer-Maister die Zeit Herr Mathes Khnap

zu dem Rathaus gearbeit und gemacht und abgerait hab den 13. Tag Maii, wie volgt:

Erstlich ein neues stainenes Fenster aus meinem Stain vor der Kuchen wo man die Lasung einhazet ein ligunt mit einem Gitter dafur AREA, PSE RSR RAR PE RER SP ETES Item mehr ein Thür aus alten Stain, die Stain genommen in der Thaffern mit zwain Spinten in das neu Gewölb oberhalb der zwain Thor pei der Raths- Stuben 22 KW PE ae RE ER TEE

Item mer ein neus Scholstuck aus meinem Stain zu einer Thür, die man hat aufgeprochen in der Thoffern, wo man aus der Rathsstuben in das Gewölb wirt gehen dafür

Item mer gemacht an ainer Thür gegen dem. Dane markt und Löcher durch den ganzen Stain ge- schlagen zun Hacken und Schloss, ein Tritt aus alten Stein

Item gemacht Löcher zu Enden nad A. ni ver- zwickht bei Herrn Simon Gribler im Keller

Item mer gemacht Löcher zu den zwein getopelt Fenster inwendig in Stain zu den eisern Gittern

ir,

40 gr.

Am Rücken von anderer Hand (Kammermeister?):

Den 13. Mai hab ich zahlt den Auszug, thuet

(0) 151

DL) S

XIII. b. Hanns Harttmann Schlossers Arbait im neuen Gepeu

im Rathhaus.

Item in das Rathaus zum neuen Gepey hab ich Hanns Harttmann angefangen umb Pfingsten des 88. Jars zu arbeiten, als volgt: Erstlich sechs Fenster-Reme mit vier lichten Beschlagen für eine

2, ME Pratt hut Zu lo OLO) O CEE Item vier Stuben-Tyer im neuen Gepey mit ver-

zinter Arbeit beschlagen, fur eine 3 fr. rh.

OUEN TON PO ENNE k 10 Opel Item zwo Haimlichkait Tyer ho im neuen

(BE TON ie Me LS CE 0 FR eue el Item die unter Tier zum Eingang in ds neue

Gepeu mit neuen Schloss und Pand ange-

Mame ate AUX Ne U RE oc o EME LES) Item fünf Fensterladen bons nd die vier

getapelt für einen 1 fr. tt. „4 undederssunfteremtachstt 002 o) Item hinter der Stigen ein Tyer geheukt te. V oh EN

Et POINT 1,28, ENT

Die Tertiärformation in der Umgebung von Nikolsburg in Mähren. Von Prof. A. Rzehak.

(I. Theil.)

Als „Umgebung von Nikolsburg“ habe ich in der vorliegenden Studie das ganze Gebiet zwischen der Landesgrenze im Süden und dem großen Bogen, den der Lauf der Thaya von Fröllersdorf im Westen an über Dürnholz, Muschau und Unter-Wisternitz bis Eis- grub im Osten beschreibt, aufgefasst. Fremdartig und räthselhaft erheben sich hier die steilen, weißen Kalksteinwände der „Pollauer Berge“ aus dem sumpfigen Thalgrunde im Norden und Nordwesten, während sich im Osten an dieselben ein waldiges Hügelland an- schließt, dessen orographische und geologische Fortsetzung jenseits der Thaya, zunächst im Flyschgebiet von Saitz-Prittlach und weiter- hin im Auspitzer Bergland, zu suchen ist. Im Süden trennt eine flache Terrainmulde, in welcher ehemals zahlreiche Teiche (der Voitelsbranner und Bischofwarter Teich sind noch vorhandene Reste derselben) angelegt waren, unser Gebiet von dem angrenzenden Hügelland Niederösterreichs.

Die Pollauer und Nikolsburger Berge selbst gehören, wie schon seit lange bekannt, der oberen Juraformation (Nattheimer Schichten und Tithon) an. Das Vorkommen von Kreideschichten ist ebenfalls schon viele Jahre bekannt, da bereitsin Otto v. Hingenaus „Übersicht der geologischen Verhältnisse von Mähren und Schlesien“ 1852 (Fußnote auf S. 24) nach einer Notiz der „Wiener Zeitung“ vom 18. December 1851 die Auffindung von „Kreidekalamiten“ (!) an einer Stelle der Umgebung von Nikolsburg mitgetheilt wird und

E. Sueß auch schon im Jahre 1852 das Vorkommen von Belemni- tella mucronata in den aus einem „in der Nähe von Nikolsburg“ abgetevíten Bohrloch stammenden Proben erwähnt; in neuester Zeit ist das Auftreten von oberer Kreide im Gebiete des Nikols- burger Jura durch weitere Funde bestätigt worden. Leider besitzen wir noch keine neuere, eingehende Beschreibung der Nikolsburger Juraberge, dieser merkwürdigen Felsmasse, die dem aus dem Centrum des Landes kommenden Wanderer wie ein gigantischer Wächter den Weg über die Grenze zu verwehren scheint. Aber auch für das die Juraberge beiderseits, im Osten und Westen, um- gebende Hügelland fehlt eine wissenschaftliche Detailbeschreibung. Allerdings zeigt schon ein Blick auf die von F. Foetterle entworfene und im Jahre 1866 vom „Werner-Verein“ herausgegebene geologische Karte von Mähren und Schlesien, dass die jüngere Umrandung der Pollauer und Nikolsburger Berge der Tertiär- und Quartärformation angehört, und mehrere Localitäten dieses Gebietes sind sogar schon seit sehr langer Zeit als reiche Fundorte mariner Miocänconchylien bekannt; trotzdem sind eingehendere Beschreibungen der Tertiär- formation der Umgebung von Nikolsburg so gut wie gar nicht vor- handen, denn das, was darüber bislang veröffentlicht wurde, be- -schränkt sich zumeist auf kurze Notizen. Es dürfte demnach, wie ich glaube, eine zusammenfassende Darstellung des Nikolsburger Tertiärs durchaus gerechtfertigt sein, wenn auch meine eigenen, auf dieses Gebiet bezüglichen Untersuchungen noch keineswegs als abgeschlossen zu bezeichnen sind und über die im Zuge befind- lichen Detailaufnahmen seitens der k. k. geologischen Reichsanstalt bisher nur ganz kurze Reiseberichte vorliegen.

Der mährische Forscher und Sammler Rincolini veröffentliehte bereits im Jahre 1839 „Palaeontologische Andeutungen über Mähren“, * in welchen Cypraea annularis, Nerita conoidea und Pectunculus pulvinatus als bei Nikolsburg vorkommende Fossilien erwähnt werden. Eine in der geologischen Abtheilung des k. k. naturhisto- rischen Hofmuseums in Wien aufbewahrte geologische (handcolorierte) Karte von Niederösterreich von Partsch zeigt die Nikolsburger Juraberge umsäumt von einer schmalen Zone von „Tegel“ und „Molasse“; auf der von demselben Autor entworfenen geologischen Karte des Wiener Beckens (Wien 1843) finden sich auch einzelne

= Mitth. d. k. k. mähr.-schles. Ackerbaugesellschaft, Brünn 1539.

Miocánvorkommnisse im südlichen Máhren, so z. B. der Leithakalk von Voitelsbrunn bei Nikolsburg, eingetragen, und Ferstl bemerkt in seiner Studie: „Geognostische Betrachtung der Nikolsburger Berge“,* dass die Juraberge von Nikolsburg von einer mächtigen Decke von Tertiär- und Diluvialgebilden umgeben seien. M. Hoernes** gab eine kurze Beschreibung einiger Fossilfundstätten im mährischen Miocän, unter welchen auch der Kienberg bei Nikolsburg erwähnt ist. Foetterle*** zählt in seinem Berichte über die geologischen Aufnahmen im südlichen Mähren einzelne Punkte in der Umgebung von Nikolsburg auf, an denen miocäne Bildungen vorkommen, ohne jedoch eine nähere Beschreibung derselben zu geben oder eine schärfere Gliederung des Miocäns vorzunehmen. Auf der von ihm entworfenen, bereits oben erwähnten geologischen Karte von Mähren und Schlesien finden sich in der Umgebung von Nikolsburg ver- schiedenartige Tertiärgebilde eingetragen, doch sind diese Ein- tragungen, wie sich später zeigen wird, nur zum Theile richtig.

Während die Vertretung des Neogens in dem die Juraberge einhüllenden Sehichtenmantel sehr bald erkannt wurde, scheint das Vorkommen des älteren Tertiärs lange Zeit hindurch fast ganz unbeachtet geblieben zu sein. Die Angabe Rincolinis, dass bei Nikolsburg auch Nerita conoidea vorkomme, beruht ohne Zweifel auf einer falschen Bestimmung; es dürfte deshalb eine Mittheilung J. Heckels über das Vorkommen von Melettaresten im bituminösen Mergelschiefer des Hoffnungsschachtes am Turoldberge bei Nikols- burg die älteste literarische Notiz sein, welche auf das Vor- handensein des Alttertiärs in der Umgebung von Nikolsburg hin- weist, wenn auch die „karpathischen“ Fischschiefer und um solche handelt es sich hier bis in die Fünfziger Jahre hinein sehr häufig als miocäne Gebilde aufgefasst wurden. Auch die blau- grauen Thonmergel, sowie die mit ihnen häufig verknüpften Sand- steine wurden lange Zeit hindurch für jüngeres Tertiär gehalten und demgemäß auf den älteren Karten nicht nur die Umgebung der Pollau-Nikolsburger Berge, sondern auch der größte Theil des Auspitz-Steinitzer Berglandes als der „mittleren und oberen“ Tertiär-

* Inauguraldissertation, Wien 1845.

** Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanstalt 1850, p. 675.

= ibid. 1858.

+ Beiträge zur Kenntnis d. foss. Fische Österr.; Denkschr. d. k. k. Akad.

d. Wiss. 1849, S. 34.

CI =

formation angehörig bezeichnet. Hierbei ist jedoch zu bemerken, dass schon unter den Fossilien, welche M. Hoernes in den „Be- richten über die Mittheilungen der Freunde der Naturwissenschaft“ (M. Band, 185, 3—5) aus der Umgebung von Nikolsburg namhaft macht, auch Chondrites intricatus Sow. genannt wird, der ohne Zweifel dem Flyschgebiet entstammt.

Erst auf der Foetterle'schen Karte finden wir das Auspitz- Steinitzer Gebiet ganz richtig als alttertiär gedeutet, wenngleich sich die von Foetterle in Anwendung gebrachte Bezeichnung „nummulitenführender Sandstein“ nicht als zutreffend erwiesen hat. Foetterle zeichnet schon aber auch auf dem rechten Ufer der Thaya bei Millowitz, zwischen Pollau und Pulgram, eine Partie von alt- tertiären Gebilden ein, die nach der Farbe (eine genauere Bezeich- nung der Farbentöne durch Buchstaben oder Ziffern fehlt leider) Menilitschiefer sein müssten, die hier indessen in Wirklichkeit nicht auftreten. Die „geologische Übersichtskarte der österr.-ungar. Monarchie“ von F. v. Hauer zeigt in der Umgebung der Pollauer und Nikolsburger Berge keine Palaeogenablagerungen, sondern bloß Neogen und Quartär. Die beiden letzteren bilden hier wohl fast überall eine die ersteren verhüllende Decke; dennoch treten alttertiäre Gebilde an vielen Stellen zutage, und ich konnte schon vor mehreren Jahren unter ihnen alle die Typen wiedererkennen, die ich seinerzeit* im Auspitzer Bergland constatiert habe, nämlich: Thone, Menilitschiefer, Sandsteine, Conglomerate und blaugraue Thonmergelschiefer. Das karpathische Sandsteingebiet von Auspitz- Steinitz setzt demnach auf das rechte Ufer der Thaya hinüber und beide Gebiete sind nur durch die wenige Kilometer breite Niederung des genannten Flusses getrennt.

Wenn nun auch in der Umgebung von Nikolsburg die alt- tertiären Ablagerungen zumeist nur inselartig aus der jüngeren Sedimentdecke herausragen, so bilden sie doch ohne Zweifel unter dieser Decke ein zusammenhängendes Ganzes und als solches das eigentliche Südwestende der karpathischen Sandsteinzone Mährens, die ©. M. Paul mit dem „Bruchrande“ von Auspitz auf- hören lieB.** Ich habe auf das Unzulässige dieser Begrenzung bereits an einem anderen Orte*** aufmerksam gemacht und werde weiter ‚unten noch einmal auf dieselbe zurückkommen. ©% Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanstalt 1881, Nr. 11.

** Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanstalt 1893, S. 200.

*** Annalen d. Brünner Franzensmuseums 1898, S. 37.

Nach meiner Erfahrung treten alttertiáre Ablagerungen sowohl auf der Ost- als auch auf der Westseite der Pollau-Nikolsburger Berge auf, und lehnen sich stellenweise unmittelbar an den Jura- kalk an. Schon in der nächsten Umgebung der Stadt Nikolsburg, ungefähr 450 m nordwestlich von der „Marienmühle“, beobachtete ich auf einem Felde, in einer damals frisch ausgeworfenen, jetzt wieder wohl längst verschütteten Grube bläulichgraue Mergel vom Aussehen der „Auspitzer Mergel“; ich fand hier aber auch Stücke von gelblichgrauem, mürbem Sandstein, wie er im Auspitzer Berg- land als Begleiter des erwähnten Mergels vorzukommen pflegt. Für mich unterliegt es keinem Zweifel, dass wir es hier wirklich mit palaeogenen Ablagerungen zu thun haben, und ich finde eine wesentliche Stütze dieser Ansicht in der bereits oben erwähnten Mittheilung des Ichthyologen J. Heckel über das Vorkommen von Meletta longimana im „bituminösen Mergel“ des „Hoffnungsschachtes“ auf dem Turoldberge, der von der Marienmühle gar nicht weit ent- fernt ist, so dass der erwähnte bituminöse Mergel ein Verflächen der Schichten gegen Ost, von dem Jurakalk weg, vorausgesetzt auch seiner Lagerung nach den Menilitschiefern des Auspitzer Berglandes entsprechen würde. Prof. E. Sueß hat schon im Jahre 1866 („Untersuchungen über den Charakter der österr. Tertiär- ablagerungen“; Sitzungsb. d. k. k. Akad. d. Wiss., 54. Bd., S. 122) die von Heckel erwähnten Mergel mit den karpathischen Meletta- schiefern identificiert und die Vermuthung ausgesprochen, dass diese Gesteine bei Nikolsburg „im Ackerlande, knapp am Jurakalk“ zu- tage treten dürften. Herr Prof. Regierungsrath G. v. Nießl brachte einmal es ist seither eine lange Reihe von Jahren vergangen aus Nikolsburg ein Stück Menilitschiefer mit, welches von der oben erwähnten Schachtabteufung herstammen dürfte, leider aber ver- schollen ist. Dagegen fand ich unter den älteren Stücken der geo- logischen Sammlung des Franzensmuseums auch eine Gesteinsprobe mit der Bezeichnung: „Propstei bei Nikolsburg, zwischen dem Hei- ligen Berge und Turold, 22° tief“. Wie ich schon an einem anderen Orte* berichtet habe, ist dieses Gestein als eine „sehr unreine, bereits stark zersetzte Braunkohle, mit reichlichen Efflorescenzen von Eisensulfat bedeckt“, zu bezeichnen. Sie entstammt offenbar einem Braunkohlenschmitz, wie solche in unserem Alttertiär mehr- fach vorkommen und auch zu leider erfolglosen Schürfungen

* Annalen d. Brünner Franzensmuseums 1896, S. 42 f.

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Veranlassung gegeben haben. Auf jeden Fall lehrt uns dieses Vor- kommen, dass auch die Einsenkung zwischen den Jurafelsen des Turold und des Heiligen Berges, an dessen Ostfuße die früher er- wähnte Marienmühle liegt, von jüngeren, und zwar alttertiären Sedimenten erfüllt ist. Es ist diese Einsenkung zugleich jene Stelle, an welcher die östlich des ganzen Jurazuges auftretenden Palaeogen- gebilde sich unmittelbar an das mesozoische Grundgebirge anlehnen. In neuester Zeit hat Herr Dr. O. Abel geologische Aufnahmen in der Umgebung von Nikolsburg durchgeführt und hiebei auf der Ostseite des Turoldberges Wechsellagerung von weißem Mergel, Sandstein und Menilitschiefer beobachtet.“ Ich selbst habe in diesem Gebiete anstehende Menilitschiefer nicht gesehen; aus den oben gemachten Angaben geht jedoch hervor, dass dieses charakteristische Glied des karpathischen Palaeogens in der ,Klippenhülle“ der Nikolsburger Juraberge ohne Zweifel vertreten ist.** Ob auch die „dunklen Schiefer“, die Herr Dr. O. Abel in seinem Aufnahmsberichte von der Westseite des Turoldberges erwähnt, mit dem Menilit- schiefer zu vereinigen sind, ist mir nicht bekannt. Die weitere Verbreitung des Palaeogens in dem Gebiete zwischen dem Zuge der Juraberge und dem östlichen Theile des Thayabogens lässt sich nur aus einzelnen, aus der jüngeren (miocänen und quartären) Bedeckung inselartig aufragenden, orographisch jedoch oft kaum markierten Vorkommnissen oder gar nur aus einzelnen, an der Oberfläche des Culturbodens herumliegenden Gesteinsstücken er- schließen.

So enthalten z. B. die Schotterablagerungen, die sich zwischen Voitelsbrunn und dem „Muschelberg“ ausdehnen, häufig große, zum Theile abgerundete Blöcke von mürbem Sandstein, sowie Gerölle anderer, auch krystallinischer Gesteine, wie sie in den Conglo- meraten der Flyschzone vorkommen. Es ist hiernach zu vermuthen, dass unter den palaeogenen Ablagerungen dieses Gebietes auch Conglomerate vertreten sind, und Herr Dr. O. Abel spricht sogar ganz ausdrücklich davon, dass zwischen Millowitz und Voitelsbrunn „Steinitzer Sandstein, Magurasandstein und Magura-Conglomerat“ auftreten.*** Ich will das Vorkommen von Palaeogengebilden, die

* Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanstalt 1899, S. 375. ** Es sei hier bemerkt, dass Dr. 0. Abel unsere Juraberge nicht als echte „Klippen“, sondern als „Horste“ auffasst, worauf wir später noch zurückkommen. TOC Teilen oo

Zeitschrift des mähr. Landesmuseums. II, 1. 3

dem Magurasandstein und den Conglomeraten dieses Niveaus äqui- valent sind, durchaus nicht bestreiten, bemerke jedoch, dass mir in dem genannten Gebiete keine hinreichend guten Aufschlüsse be- kannt sind, auf die sich die ohnehin sehr schwierige Horizontierung unserer Karpathensandsteine stützen könnte. Gegen die Kuppe „Hocheck“ zu, nördlich von Voitelsbrunn, findet man in den dor- tigen Schotterablagerungen, und auch lose herumliegend, einzelne, unabgerollte Stücke von Sandstein, dessen Zugehörigkeit zum Palaeogen meiner Ansicht nach zweifellos ist. Dieser Sandstein bildet offenbar den Untergrund des von Voitelsbrunn in nördlicher tichtung bis Millowitz sich ausbreitenden Hügellandes, in welchem sowohl die Waldeulturen als auch die jüngeren Auflagerungen zum Theile Miocán, vorwiegend aber quartäre Lehme, die stellen- weise in typischen Löß übergehen der geologischen Forschung erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Immerhin treten an einigen Stellen die alttertiären Ablagerungen unter der jüngeren Bedeckung hervor; so konnte ich z. B. an dem kleinen Hügelrücken zwischen Pulgram und den beiden zu diesem Orte gehörigen Ziegelschlägen Sandsteine mit mergeligen Zwischenlagen beobachten, die bei un- sefähr ostwestlicher Streichrichtung ein flaches, südliches Einfallen erkennen ließen. Derlei Sandsteine und Mergel dürften es auch ge- wesen sein, die F. Foetterle bei Millowitz beobachtete und die meiner Vermuthung nach nur infolge eines Farbendruckfehlers auf der Foetterle'schen Karte zu welcher die entsprechende Erläute- rung bis heute fehlt als „Menilitschiefer“ erscheinen. Ich selbst konnte bei Millowitz keinerlei Spuren der überaus charakteristischen Menilitschiefer entdecken, fand jedoch im dortigen Ziegelschlag Stücke von zweifellos alttertiárem Sandstein, die mich zu der oben Seäußerten Vermuthung führten. Mit den geologischen Aufschlüssen ist es auch in dem Terrainabschnitte zwischen Millowitz und Pollau sowie über den letztgenannten Ort hinaus bis Unter-Wisternitz ziemlich schlecht bestellt, da die Gehänge bis an die Thalsohle herab mit einer sehr mächtigen Lage von theils typischem, theils durch Schichtung oder bedeutenderen Sandgehalt ausgezeichnetem Löß bedeekt sind. und in keinem einzigen der von mir besuchten Ziegelschläge der Untergrund der quaternären Lehme zum Vorschein kommt. Trotzdem ist anzunehmen, dass dieser Untergrund auch hier dem Alttertiär angehöre, da sowohl bei Pollau als auch zwischen diesem Orte und Unter-Wisternitz grünlichgraue bis bläulich-

graue, im trockenen Zustande mitunter fast weiße Thone vorkommen, die meiner Erfahrung nach als Zersetzungsproduete des „Auspitzer Mergels“ zu betrachten sind, und da man auch vielfach, namentlich in den zum „Maydenberg“ hinaufführenden Hohlwegen, Stücke des die genannten Mergel begleitenden Sandsteins herumliegen sieht. Herr Dr. O. Abel fand auf der Nordseite des Maydenberges, nörd- lich und nordwestlich von der Ruine Maydenstein, den alttertiären (Steinitzer) Sandstein in ziemlich beträchtlicher Verbreitung* am- stehend und konnte auch bei Pollau das steile Einfallen desselben gegen Ost feststellen.** Blaugraue Mergel habe auch ich bei Pollau gesehen, es war mir jedoch nicht mäglich, die Lagerung derselben zu erkennen.

Zwischen Unter- und Ober-Wisternitz lehnt sich an den steilen Abfall der Jurakalke zunächst eine ansehnliche, aus Blöcken dieser Kalke bestehende Trümmerhalde, deren tiefer gelegene Partie wiederum mit quaternärem Lehm bedeckt ist. Unter diesem Lehm lagert aber auch hier älteres Tertiär, und zwar in einer Ausbildung, die dem bisher besprochenen, östlich von den Jurabergen gelegenen Gebiete

zu fehlen scheint. Ich fand hier nämlich allerdings nur in äußerst mangelhaften Aufschlüssen an den Rainen der Weingärten einen

braunen Thon, dessen Schlemmrückstand neben zahlreichen kleinen Gipskrystallen auch Foraminiferen, vereinzelte Seeigelstacheln, Ostracoden, Otolithen und Spongiennadeln, sowie unbestimmbare Bruchstücke von Conchylienschalen enthält. Aus dem Charakter der Foraminiferenfauna lässt sich mit Sicherheit der Schluss ziehen, dass wir es hier mit einem thatsächlich alttertiären Gebilde zu thun haben; aus unserem Miocän sind braune, mergelige Thone überhaupt nicht bekannt, wohl aber kenne ich sie vielfach aus den von mir zuerst nachgewiesenen, alttertiären „Niemtschitzer Schichten“, die ich in den „Verhandlungen“ des naturforschenden Vereines in Brünn, 34. Band (1895), ausführlich beschrieben habe. In dieser Beschreibung sind auch bereits die von mir im braunen Thon von Unter-Wisternitz gefundenen Foraminiferen aufgezählt; ich will die Liste derselben jedoch der Vollständigkeit wegen auch hier noch einmal folgen lassen und im palaeontologischen Theile dieser Abhandlung eine Beschreibung der neuen Formen geben.

* Aufnahmsbericht in den Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanstalt 1599,

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S. 286. Im Inhaltsverzeichnis ist bei diesem Berichte statt S. 284 irrthümlich

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Foraminiferen des alttertiären Thones von Unter-Wisternitz:

Ammodiseus charoides P. & J. Rhabdammina cf. subdisereta m. Psammosphaera fusca Schulze. Gaudryina subglabra Grünb.

5 J. ind.

Tritania tricarinata Rss. Haplophragmium ef. Humboldt Rss. Bulimina marginata VO.

ovata AO.

3 Buchiana FO. var. Pleurostomella alternans Schwag. brevis 5

s rapa Grůnb. Polymorphina nodosaria WO. Uvigerina pygmaea WO. var. Lagena laevis Mont. Fissurina Saturmi n. f. Glandulina laevigata d'O. Nodosaria consobrina WO. elegans WO. longiscata d'0. calomorpha Rss. laza Rss. approximata Rss. KressenbergensisGrůnb.

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»

: elegantissima Hantken. = boucana &O. à cf. soluta Rss.

Nodosaria aff. obliqua L.

o aff. cannaeformis Rss. 4 aff. minutissima m.

Nodosarella rotundata WO.

Frondicularia cf. tenwissima Hant- ken.

Flabellina budensis Hantken.

Marginulina aff. Behmi Rss.

a

Cristellaria cf. galeata Rss.

4 cf. inornata WO. a aff. cymboides WO. à aff. arcuata Phil.

Chilostomella aff. cyclostoma m. Globigerima bulloides d’O.

: subconglobata n. f.

5 truncatulinoides n. f. Truncatulina eryptomphala Rss.

5 ammonoides Rss.

u ef. truncana Grünb. Discorbina allomorphinoides Rss. Pulvinulina aff. Hauer WO.

> aff. Bouci VO.

5 n..f. ind. Epistomina elegans WO. Rotalia Soldanii WO. Monionina subumbilacata m.

5 fallax n. f. Orbitoides aff. aspera Grünb.

Für die Altersbestimmung dieser Fauna ist insbesondere Orbi- toides aff. aspera Grünb. von großer Wichtigkeit; aber auch viele andere Formen, wie z. B. Rhabdammina cf. subdiscreta m., die sich an die von mir aus dem unteroligocänen Thon von Nikoltschitz

nachgewiesene Ah. 1837, Nr. 3) sehr

subdiscreta (Verh. d. k. k. geol. Reichsanstalt enge anschließt, ferner Gaudryina subglabra,

Pleurostomella rapa, Nodosaria Kressenbergensis, Flabellina budensis und andere Formen des alpinen und ungarischen Alttertiärs lassen es als ganz unzweifelhaft erscheinen, dass auf der Westseite der

© =

Pollauer Berge, die auf der Foetterle’schen und Hauer’schen Karte nur miocäne Ablagerungen aufweist, auch ältere Tertiärbildungen vorhanden sind. Die Fortsetzung des Weges längs der Westgrenze der Jurakalke gibt uns weitere Anhaltspunkte zur Feststellung dieser Thatsache, denn in den Weingärten oberhalb Ober-Wisternitz tritt auch wieder eine Zone brauner, mergeliger Thone auf, die höchst wahrscheinlich mit dem braunen Thon von Unter-Wisternitz in Zusammenhang steht, trotzdem die Foraminiferenfauna nicht ganz identisch ist mit der früher erwähnten. Gute Aufschlüsse sind in dem braunen Thonmergel auch bei Ober-Wisternitz nicht vor- handen, man erkennt aber an der Färbung des Bodens, dass hier, ganz Ähnlich wie bei Pausram, an die braune Zone noch eine scharf geschiedene, blaugraue Schichtenserie anstößt, ohne dass man das gegenseitige Lagerungsverhältnis zu erkennen vermag. Immer- hin konnte ich feststellen, dass der braune Thonmergel dass das Gestein ein schiefriger Thonmergel sei, konnte ich an mehreren Stellen, die frisch bearbeitet waren, deutlich erkennen auch hier Foraminiferen, Seeigelstacheln, Fischzähnchen und Spon- siennadeln enthält. Die mir bis jetzt aus diesem Mergel bekannte Foraminiferenfauna besteht aus folgenden Formen:

Tritaxia pleurostoma m.* Nodosaria aff. semilacris Hantken. Cassidulina globosa Hantken. Globigerina bulloides VO. Chilostomella f. ind. = subconglobata n. 1. Nodosaria consobrina WO. * Truncatulina aff. costata Hantken.

ja longiscata VO. | Epistomina ef. elegans WO.

à ef. soluta Rss. Rotalia exigua n. f.

k aff. obligua L.

Der alttertiáre Charakter dieser kleinen Fauna ist allerdings nicht so deutlich ausgesprochen, wie bei der Fauna von Unter- Wisternitz; mit unseren miocänen Foraminiferenfaunen besitzt die- selbe jedoch wenig Übereinstimmung, weist dagegen einzelné Formen auf, die mit alttertiären Typen entweder ganz übereinstimmen (wie z. B. Cassidulina globosa Hantken) oder nahe verwandt sind. Die neue Globigerina subconglobata m., die der recenten (G. conglobata Brady verwandt ist, wurde schon früher aus dem Thon von Unter-

* Beschrieben in meiner Abhandlung: „Über einige merkwürdige Fora- miniferen aus d. österr. Tertiär“; Annalen d. k. k. naturhist. Hofmuseums Wien 1895.

Wisternitz erwähnt; ich zweifle nicht, dass sich bei genauer Unter- suchung einer größeren Anzahl von Proben die Anzahl der beiden Fundorten gemeinsamen Species ganz beträchtlich vermehren würde.

Wie bereits oben bemerkt, ist der eben beschriebene braune Thonmergel einer scharf abgegrenzten, blaugrau gefärbten Gesteins- zone angelagert. Schon in meiner Schrift: „Die Niemtschitzer Schichten“ (loc. cit.) habe ich mitgetheilt, dass diese blaugraue Zone ebenfalls aus einem vorwiegend mergeligen Gestein besteht. welches mit dem Auspitzer Mergel eine große petrographische Ähnlichkeit besitzt; diese Ähnlichkeit wird noch ganz besonders dadurch erhöht, dass im Gebiete des Mergels auch einzelne Sand- steinstücke herumliegen, die an den mit dem Auspitzer Mergel fast stets zusammen vorkommenden Sandstein („Steinitzer Sandstein“ Pauls) erinnern.

Bei näherer Untersuchung dieser Gesteine findet man allerdings beträchtliche Differenzen, die es sehr wahrscheinlich machen, dass die blaugrauen Mergel von Ober-Wisternitz nicht alttertiär, sondern miocän sind; dasselbe gilt für die Mergel von Bergen, die mit den übrigen Miocänbildungen weiter unten beschrieben werden sollen. Da ich die braunen Mergel von Unter- und Ober-Wisternitz auf Grund ihrer Foraminiferenfauna und ihrer petrographischen Eigen- schaften für alttertiär, die blaugrauen Mergel jedoch für miocän halte, so ist die stellenweise angedeutete Überlagerung der letzteren durch die ersteren wohl nur eine scheinbare, indem sich an den Jurakalk zunächst, in einem (hypsometrisch) höheren Niveau, zuerst die älteren braunen und dann erst, etwas tiefer, die jüngeren blau- grauen Mergel anlehnen. Eine Überschiebung der Schliermergel dureh das Alttertiär und den Jurakalkstein ist trotz des lithologisch- palaeontologischen Charakters der ersteren und ihres stellenweise sanz deutlichen Einfallens gegen den Jura aus mancherlei Gründen unwahrscheinlich, worüber sich weiter unten, gelegentlich der Be- sprechung der Schlierbildungen, noch weitere Bemerkungen finden. Dr. L. v. Tausch, der nach mir die Umgebung von Nikolsburg einer geologischen, leider aber nicht zum Abschlusse gebrachten Erforschung unterzog, hat anscheinend sämmtliche Mergel auf der Westseite der Pollauer Berge als miocän aufgefasst, weil sie, wie er in seinem kurzen Reiseberichte (Verhandl. d. k. k. geolog. Reichsanstalt 1897, S. 158 f; die in Aussicht gestellte, ausführliche Beschreibung ist nicht erschienen, da L. v. Tausch bald nach seinem

(we) ©

Nikolsburger Ausfluge vom Tode ereilt wurde) sagt, mit den „sicher miocänen Mergeln von Bergen und Pardorf“ zusammenhängen. Ich fand jedoch bei Pardorf selbst einen sehr festen, blaugrauen Thon- mergelschiefer, der schon petrographisch von den Mergeln von Ober- Wisternitz und Bergen bedeutend abweicht und auch palaeontologisch von den letztgenannten Gesteinen leicht zu unterscheiden ist, da er an Fossilien nur vereinzelte Fischschuppen und Fischknöchelchen enthält. Da diese Mergel auch Einlagerungen von Sandstein ent- halten, der an den Steinitzer Sandstein erinnert, zum Unterschiede von den Sandsteinen von Ober-Wisternitz jedoch fossileer ist, so können dieselben meiner Ansicht nach ohne Bedenken als alt- tertiär aufgefasst werden. In einem Hohlwege oberhalb Pardorf erscheint ein mürber Sandstein und sehr feiner, thoniger Sand, der offenbar nur ein Zersetzungsproduct des erwähnten Sandsteins ist. Noch höher, in einem Weingarten, beobachtete ich einen hellgrauen, fossilleeren Tegel, wie er im Gebiete des Auspitzer Mergels sehr häufig als Verwitterungsproduet dieses Mergels vorkommt. Noch am Siidwestabhange des „Tafelberges“ lehnen sich blaugraue Mergel, die ich für alttertiär halte, an den Jurakalkstein an, aber auch südlich von Pardorf treten dieselben auf, indem der „Annaberg“ zwischen Pardorf und Nikolsburg an mehreren Stellen blaugraue Mergelschiefer und Sandsteine erkennen lässt.

Sehr auffallend ist die schroffe, sonst im Gebiete des Alt- tertiärs sehr selten vorkommende Gipfelform des nur 268 m hohen Annaberges; da an den Gehängen dieses Berges auch Jurakalk- blöcke herumliegen, so wäre es nicht unmöglich, dass der Kern des Berges von Jurakalk gebildet wird. Auf dem nahen „Rosenberge“ finde ich auf meiner Manuscriptkarte ebenfalls „Jurakalk“ einge- tragen, der dann wohl mit dem supponierten Jurakern des Anna- berges zusammenhängt; das Vorkommen liegt zwar etwas außer- halb der Streichrichtung der Juraklippen, ich bemerke jedoch, dass schon nach einer sehr alten Angabe (Hingenau, Übersicht d. geol. Verhältnisse von Mähren und Schlesien, Wien 1852, S. 29) auch auf der Ostseite der Klippenreihe, im Walde südlich von Millowitz, „in gerader Richtung östlich von Klentnitz“ (das wäre also unge- fáhr auf dem „Spitzhiibel“ der Generalstabskarte) ein isoliertes Jurakalkvorkommen existiert.

Die Hauptmasse des Rosenberges besteht jedoch meiner Er- fahıung nach aus alttertiären Mergeln und Sandsteinen, die sich

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bis an den Westabhang des Turoldberges erstrecken und dortselbst nach einer Beobachtung des Herrn Dr. O. Abel (loc. cit. S. 286) mit „weißen Mergeln, dunklen Schiefern und Letten“ wechsellagern. Ich bemerke hier, dass Herr Dr. Abel alle diese Gebilde gleich mir, und im Gegensatze zu L. v. Tausch, als alttertiär aufgefasst hat, ohne damals wie er mir selbst mittheilte meine diesbezüg- lichen Bemerkungen in der Abhandlung: „Die Niemtschitzer Schichten“ gekannt zu haben.

Südlich von den Nikolsburger Bergen scheinen alttertiäre Ablagerungen, wenigstens auf mährischem Boden, nicht mehr vor- zukommen, denn die blaugrauen bis gelbgrauen, von mürben Sand- steinen begleiteten Mergel des zwischen Brennhübel und Galgenberg gelegenen Eisenbahneinschnittes sind, wie sich weiter unten zeigen wird, trotz ihrer stark gestörten Lagerung als miocän zu be- trachten. Die steil gestellten Sandsteine, die Herr Dr. Abel zwischen Drasenhofen und Kl.-Schweinbart in Niederösterreich beobachtet hat, sind wohl als eine Fortsetzung des Nikolsburger Alttertiärs aufzufassen; dagegen sind die später noch zu besprechenden plat- tigen Sandsteine von Bratelsbrunn meiner Ansicht nach dem Miocän zuzuweisen. Unbestimmten Alters sind jene „harten Sandsteine“, auf die man, einer mir zugekommenen mündlichen Mittheilung zu- folge, bei der Fundierung der Pfeiler einer in neuerer Zeit gebauten Brücke bei Muschau gestoßen ist; da schon Rincolini (loc. eit.) mehrere Arten von offenbar miocänen Conchylien* aus Muschau citiert, wäre es nicht unmöglich, dass der erwähnte Sandstein ebenfalls miocän ist und dem Sandstein von Bratelsbrunn entspricht. Dagegen möchte ich die Stücke von Sandstein, die ich neben ab- gerollten Blöcken von Jurakalk in den Schottergruben von Neusiedl beobachtet habe, für alttertiär halten; sie mögen, gleich den ziem- lich zahlreichen Geröllen krystallinischer Gesteine, die in den Schottern der ,Steinhaide“ (östlich von Dürnholz) vorkommen, Überreste zerstörter Palaeogenbildungen sein.

Wenn wir auch von diesen immerhin zweifelhaften Vorkomm- nissen absehen, bleiben uns doch noch genug Beweise dafür, dass alttertiäre Ablagerungen auch auf der Westseite der Pollau- Nikolsburger Juraberge vorhanden sind. Als die ältesten derselben

* Die von Rincolini gebrauchten Bezeichnungen decken sich natürlich. nicht immer mit den jetzt gebräuchlichen.

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betrachte ich die braunen Mergel von Ober- und Unter-Wisternitz; sie erinnern lebhaft an die von mir an verschiedenen Stellen des Nordrandes unseres karpathischen Tertiärs nachgewiesenen braunen Mergel der „Niemtschitzer Schichten“, die hie und da mit dem Systeme des Menilitschiefer sehr enge verknüpft sind. Auf sie folgt dann eine Lage von Mergeln und Sandsteinen, die häufig miteinander abwechseln,: obzwar im allgemeinen auch hier, wie im Auspitzer Berglande, die Mergel vorherrschen. Am seltensten treten Conglo- merate auf; die zahlreich vorkommenden Gerölle darunter solche krystallinischer Schiefer- und Massengesteine deuten jedoch an, dass auch diese in verschiedenen Niveaus des karpathischen Alt- tertiärs auftretenden Ablagerungen einstens in der Umgebung von Nikolsburg sehr verbreitet waren.

Die Taonurussandsteine, Nummulitenkalke, bunten Thone und andere Palaeogengebilde, die ich in dem nahen, jenseits der Thaya- niederung gelegenen Gebiete von Saitz-Prittlach nachgewiesen habe (vgl. „Beiträge z. Kenntnis d. karpath. Sandsteinzone Mährens“, Annales Mus. franc., Brunae 1898), scheinen in der Umgebung der Pollau-Nikolsburger Berge nirgends zutage zu treten; sie gehören offenbar tieferen Horizonten an, während die Mergel und Sand- steine die Jüngsten Palaeogenschichten (inclusive Oligocän) repräsen- tieren.

Bemerkenswert ist die Divergenz in der Verbreitung der Palaeogenablagerungen zu beiden Seiten der meridional streichenden Juraberge. Während auf der Ostseite der letzteren die alttertiären Gebilde, zumeist von einer mächtigen Quartärdecke, zum Theile auch von miocänen Sedimenten überlagert, eine weite räumliche Ausdehnung (sie treten noch bei Pulgram zutage) besitzen und Sechöhen von weit über 300 m erreichen, findet man auf der West- seite nur hart an den Jurabergen selbst Reste der alttertiären Klippenhülle. Gegen Westen zu liegen die alttertiären Ablagerungen unter der weiten, von miocänen, quartären und subrecenten Ab- lagerungen gebildeten Niederung. Die höchst auffälligen, in ihrer Hauptstreichriehtung den Jurabergen annähernd parallel verlaufenden Höhenrücken zwischen Guldenfurt einerseits und Bratelsbrunn, be- ziehungsweise Neusiedl anderseits dürften meiner Ansicht nach einen alttertiären Kern besitzen, dem die oben erwähnten, in den Schottergruben von Neusiedl beobachteten Sandsteinstücke ent- stammen mögen; in ihrer Hauptmasse sind jedoch diese Höhen-

rücken aus miocänen Gebilden zusammengesetzt, die später noch näher beschrieben werden.*

Sowohl die altterfiären, als auch (mindestens zum Theile) die neogenen Sedimente haben einst über den Jurakalken eine zusammen- hängende Decke gebildet; darauf deutet der gänzliche Mangel von Strandbildungen und das Fehlen von Kalksteindetritus in den an die Juraberge unmittelbar angrenzenden Tertiärschichten. Die ober- flächlichen Schichten der letzteren enthalten zwar sehr häufig kleine Brocken des Jurakalksteins, dieselben sind jedoch, gleich dem ebenfalls vorhandenen, recenten Detritus von Pflanzen und Thieren, nur als spätere, zufällige Beimengungen zu betrachten.

Schon der nahezu geradlinige Verlauf der Westgrenze der Pollau-Nikolsburger Juraberge weist deutlich auf verticale Ver- schiebungen des tertiären Vorlandes. Das Absinken der Klippen- hülle ist wahrscheinlich zu beiden Seiten der Juraberge erfolgt; dass das Absinken der alttertiären Schichtenserie auf der Westseite der Juraberge ein bedeutenderes war als auf der Ostseite, das zeigt schon ein Blick auf die für diese Gegend allerdings nicht in jedem Punkte verlässliche Foetterle’sche Karte, denn das weite Flachland zwischen den Jurabergen und dem Ostrande des bereits dem „böhmischen Massiv“ angehörigen Gneißgebietes Westmährens ist nur aus miocänen und quartären Ablagerungen zusammengesetzt. während es geologisch in der Streichrichtung der in der Gegend zwischen Seelowitz und Tracht auftretenden Palaeogenbildungen gelegen ist. Der schon an den Jurabergen selbst so deutlich mar- kierte, meridional verlaufende Querbruch lässt sich ziemlich weit nach Norden verfolgen, da er ziemlich genau durch den Lauf der Schwarza bezeichnet wird. Bei Pausram, Auerschitz, GroB-Niemtsehitz und am Westgehänge des Seelowitzer Berges (zwischen Seelowitz und Nuslau) sind allenthalben palaeogene Schichten aufgeschlossen, deren gänzliches Fehlen auf dem rechten Ufer der Schwarza keines- wegs bloß auf die Erosion des genannten Flusses zurückgeführt werden kann. Die von Rebeschowitz (bei Raigern) bis nahe an Brünn sich hinziehende Neogenterasse liest ebenfalls noch in der

* Der orographisch sehr scharf markierte „Seelowitzer Berg“ (Weihon) ist auch aus Miocänschichten aufgebaut, die über einen alttertiären Kern ge- lagert sind; ich glaube nämlich, den auf der Westseite des Berges zwischen Seelowitz und Nuslau auftretenden, stark disloeierten plattigen Sandstein als Alttertiär auffassen zu dürfen.

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Fortsetzung des Querbruches von Seelowitz—Nikolsburg, welcher Querbruch als das eigentlicheSidwestende der karpathischen Sandsteinzone zu betrachten ist. Mit Unrecht hat C. M. Paul dieses Südwestende an den ,Querbruch von Auspitz“ verlegt, welcher sich auf der Foetterle'schen Karte, und zwar nur infolge der irrthümlichen Bezeichnung der südwestlich von der Linie Grob- Niemtschitz—Auspitz—Kl.-Steurowitz gelegenen Terraindepression als Miocän, allerdings sehr bemerkbar ‚macht, in Wirklichkeit aber nicht existiert (vgl. meine „Beiträge z. Kenntnis d. karpath. Sand- steinzone Mährens“, Annales Mus. Franciscei 1898, S. 37). Dass der Querbruch von Seelowitz-Nikolsburg in seinem Verlaufe mit der Verlängerung der Bruchlinie von Brünn annähernd überein- stimmt, ist wahrscheinlich nur ein Zufall, wenngleich es immerhin möglich wäre, dass die alte, vernarbte Wunde noch in posttertiärer Zeit zu Zuckungen Veranlassung gab, die sich an der Oberfläche als Verticalverschiebungen manifestierten. Derlei Verticalverschie- bungen mögen auch die Ursache gewesen sein, dass sich im Gebiete des an der Westseite der Juraberge abgesunkenen Alttertiärs niedrige Höhenzüge gebildet haben, deren orographische Streichrichtung die allgemeine Streichrichtung unserer karpathischen Sandsteinzone unter einem spitzen Winkel schneidet, dagegen zur Streiehrichtung der Juraberge nahezu parallel verläuft. Es sind dies die orographisch sehr auffälligen Höhenzüge von Unter-Tannowitz und Neusiedl, von denen der erstere sich nördlich, jenseits der Thaya, bis zum „Zeisel- berg“ bei Weißstätten, südlich, jenseits der Niederung von Bratels- brunn, bis zum Hügelland von Ottenthal in Niederösterreich ver- folgen lässt, während die Neusiedler „Steinhaide“ mit dem „Arbes“ bei Neu-Prerau und der „Langen Wart“ eine lange, bogenförmige. fast ununterbrochene Hügelreihe bildet, die sich erst bei Pottenhofen in Niederösterreich in das von Oftenthal herüberstreichende Hügel- land einschiebt. Diese beiden Hügelzüge bestehen, wenigstens soweit sie sich auf mährischem Boden befinden, aus jungtertiären Ab- lagerungen, dürften jedoch, wie bereits oben bemerkt, einen alt- tertiären Kern besitzen.

Bei den sehr mangelhaften Aufschlüssen des auf der Westseite der Juraberge vorhandenen Alttertiärs ist es nicht leicht, die An- sicht Abels über die ungleichmäßige Faltung der zu beiden Seiten der Pollau-Nikolsburger Juraberge auftretenden Palaeogen- bildungen zu controlieren. Wie bereits bemerkt, hält Herr Dr. ©.

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Abel die genannten Berge nicht für echte ,Klippen“, sondern für „Horste“, und zwar für Horste, die auf archaischer Unterlage (es ist bemerkenswert, dass nach Abel auf den „Schubláháckern“ viele Granitgerölle vorkommen, die dem in neuester Zeit als an- stehend erkannten Granit vom „Waschberg“ bei Stockerau ent- sprechen) liegen geblieben sind, während östlich und westlich von diesen Horsten die vielfach zerstückelte Juratafel in die Tiefe sank. Da nun auf der Ostseite der Juraberge an mehreren Stellen eine beträchtliche Störung der alttertiären Schichten constatiert werden kann, während im Westen die Lagerung eine weniger gestörte zu sein scheint, nimmt Herr Dr. Abel weiters an, dass die erwähnten Horste der karpathischen Gebirgsfaltung ein Hindernis entgegengesetzt haben. Er fasst dementsprechend die Pollau-Nikols- burger Juraberge nicht als Bestandtheile der jüngeren alpin-kar- pathischen Falten auf, wie denn auch E. Sueß in seinem „Antlitz der Erde“ (I. Band, S. 246) auf einer das „Vorland der West- karpathen“ darstellenden Kartenskizze die Pollau-Nikolsburger Jura- berge außerhalb des Karpathenrandes, wenn auch in geringer Entfernung von demselben, eingezeichnet hat. Diese Kartenskizze entspricht der von E. Sueß schon in seinen berühmten „Unter- suchungen über den Charakter der österr. Tertiärablagerungen“ (Sitzungsbericht d. k. k. Akad. d. Wiss. 1866, 54. Bd.) und in den „Bemerkungen über die Lagerung des Salzgebirges bei Wieliezka* (ib. 1868, 58. Bd.) geltend gemachten Anschauung, dass unsere Juraberge der Anticlinale der schweizerischen Molasse entsprechen, da sie „knapp außerhalb des wahren Gebirgsrandes“ („Be- merkungen ete.“, S. 543), in dem von der karpathischen Faltung noch betroffenen, jedoch dem Miocän angehörigen Vorlande der Karpathen liegen. Diese Auffassung gründet sich augenscheinlich auf die Foetterle’sche geologische Karte, die westlich von den Pollau-Nikolsburger Bergen gar keine karpathischen Ablagerungen und im Osten (bei Millowitz) nur einen kleinen Rest von Alttertiär aufweist; anderseits gibt E. Sueß selbst („Untersuchungen ete.“, S. 135) „zwischen dem Porzteich und dem Kienberg“ ein Vorkommen von Schlier mit flach nach Südost fallenden Einlagerungen von Sandstein an. Mir ist dieses letztere Vorkommen unbekannt; der Beschreibung nach müsste es auf dem zwischen der ehemals vom Porzteich bedeckten Niederung und dem Laufe des von der Marien- mühle herabfließenden Baches, also auf dem als „Teichäcker“

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(Generalstabskarte) bezeichneten Hügel, zu finden sein. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass Prof. E. SueB hier alttertiáre Mergel gesehen hat, die bei schlechten Aufsehlüssen leicht für Schliermergel gehalten werden können, umsomehr, als sie hie und da auch Melettaschuppen enthalten und ein solcher, Fischschuppen führender, meiner Ansicht nach jedoch zweifellos alttertiärer Mergel am Thayaufer bei Neumühl ungefähr 8 km nordnord- östlich von den Teichäckern, also in der allgemeinen Streichriehtung des den Jurabergen östlich anliegenden Alttertiärs aufgeschlossen ist. Es ist jedoch auch möglich, dass der von E. Sueß zwischen dem Porzteich und dem Kienberg constatierte Mergel wirklich dem miocänen Schlier entspricht, da ich miocäne schlierähnliche Mergel auf der Westseite der Juraberge bei Ober-Wisternitz, Bergen und im Eisenbahneinschnitte des Galgenberges bei Nikolsburg aufge- funden habe, und es durchaus naturgemäß wäre, wenn diese durch ihre Fossilienschlüsse als Tiefwassersedimente charakterisierten Ab- lagerungen auch auf der Ostseite der Juraberge vorhanden wären. Für die Beurtheilung des tektonischen Charakters der Juraberge ist es jedoch irrelevant, ob beiderseits dieser Berge miocäne, von der karpathischen Faltung mindestens zum Theile betroffene Ab- lagerungen auftreten oder nicht, da auch sicheres Alttertiär zu beiden Seiten der Juraberge nachgewiesen wurde, so dass die letzteren thatsächlich in Gestalt von Inseln aus den karpathischen, allerdings zum größten Theile durch jüngere Gebilde verdeckten Schiehtenmantel hervorragen. Die Pollau-Nikolsburger Juraberge sind demnach ebenso als Bestandtheile der karpathischen Sandsteinzone zu betrachten, wie dies bei anderen mesozoischen Aufbrüchen oder bei vulcanischen Gesteinen, die die Schichten der Sandsteinzone durchbrechen, der Fall ist.

Herr Dr. Abel fasst ja auch, sofern ich ihn richtig verstanden habe, unsere Juraberge nur insofern als nicht zu den Karpathen gehörig auf, als dieselben seiner Ansicht nach seit der Ablagerung der ceretacischen Klippenhülle von jüngeren Faltungen nicht mehr betroffen wurden. Die flache Lagerung der cretacischen Mergel auf dem erodierten Kalkstein des Turoldberges scheint in der That anzudeuten, dass die Jurakalksteine selbst außer Vertical- verschiebungen keine wesentlichen Lagerungsstörungen erlitten haben; leider sind jedoch die Reste der transgredierenden oberen Kreide viel zu dürftig, um die Frage zu entscheiden, ob die flache

46 Lagerung der oben erwähnten Kreidemergel nicht vielleicht eine zufällige Erscheinung ist, wie ja auch in stark gefalteten Gebieten flachliegende und anscheinend ungestörte Schichten in beschränkter Ausdehnung vorkommen. Die Lagerungsstörungen des Jurakalk- steines selbst sind infolge der zumeist sehr undeutlichen Schichtung schwer zu erkennen und geben auch abgesehen von den wenigen Stellen, wo dem Jura cretacische Mergel auflagern über die Störungszeit keinen Aufschluss. Immerhin sah ich im Kalkstein- bruche oberhalb Pardorf eine grünlich gefärbte und Conchylien- trümmer enthaltende Bank, die ein steiles Einfallen gegen Nordost zeigte, während schon die ältesten Beobachtungen über die Lage- rungsverhältnisse des Nikolsburger Jura ein südliches Einfallen angeben; es ist demnach der Pollau-Nikolsburger Jura ohne Zweifel auch von Faltungsprocessen betroffen worden, wenn auch, wie jeder, der die südmährischen Juraberge einmal gesehen hat, ohne- weiters zugeben wird, die landschaftliche Physiognomie derselben wesentlich von Verschiebungen auf steilen Bruchflächen bedingt wird. Viel länger bekannt als die palaeogenen, sind die in der Um- gebung von Nikolsburg auftretenden neogenen Ablagerungen, die namentlich im Westen und Südosten der Juraberge weite Flächen- räume bedecken, das Palaeogen verbergend, jedoch ihrerseits selbst wieder in großer Ausdehnung von noch jüngeren Gebilden zu- meist Löß, Lehm, Sand und Schotter überdeckt. Weitaus vor- herrschend sind Ablagerungen der mediterranen Stufe; bei Eis- grub und Neudek scheinen Spuren sarmatischer Meeresbildungen vorhanden zu sein, wie ich aus gewissen Conchylien, die ich bei einem Sammler zu sehen Gelegenheit hatte und die angeblich von den genannten Orten stammen, schließen möchte, ohne selbst an diesen Orten sicher sarmatische Schichten beobachtet zu haben. Da jedoch von Bischofwart (hart an der mährischen Grenze und sowohl von Eisgrub wie von Neudek nur etwa 45 km entfernt) sarmatische Schichten bekannt sind, so wäre es immerhin möglich, dass sich Reste solcher Schichten bei Eisgrub und Neudek that- sächlich vorfinden. Ein Theil der Schotter und Sande südlich und westlich von Nikolsburg gehört ohne Zweifel dem jüngsten Tertiär unseres Landes an, wie die mehrfachen Funde von Dinotherium giganteum beweisen. *

* Diese Funde reichen ziemlich weit zurück, da schon in Haidingers „Berichten“, 3. Bd., S. 160, ein soleher Fund aus der „Sandgrube zwischen

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In dem Folgenden sollen bloß die der Mediterranstufe ange- hörigen Ablagerungen des Nikolsburger Miocäns näher besprochen werden. Dieselben bieten nicht nur durch ihren altbekannten Fossil- reichthum, sondern hauptsächlich auch dadurch ein besonderes In- teresse, dass sich hier zweierlei Gruppen von Sedimenten vorfinden, die häufig nach dem Vorgange von E. Sueß als die Vertreter zweier altersverschiedener Unterstufen der Mediterranstufe aufgefasst werden. Die eine Gruppe umfasst die sogenannten ,Schlierbildungen“, während der anderen die wohlbekannten Tegel, Leithakalke, Leitha- kalkmergel und Sandsteine angehören.

Die erste Nachricht von dem Vorkommen von ,Schlier“ in der Umgebung von Nikolsburg stammt von E. Sueß selbst, welcher (Sitzungsbericht d. k. k. Akad. d. Wiss., 1866, S. 135) erwähnt, dass der Schlier „zwischen dem Porzteich und dem Kienberg“ einen „konischen Hügel mit flach nach Südost fallenden Einlagerungen von Sandstein“ bilde Ich habe schon oben darauf hingewiesen, dass diese Fundstätte sich der Beschreibung nach auf dem flachen, auf der Generalstabskarte als „Teichäcker“ bezeichneten Abhangs- rücken befinden müsste; leider fand ich an dieser Stelle keine deut- lichen Aufschlüsse, und auch Herr Dr. Abel suchte hier, wie er mir mittheilt, den Schlier vergebens. Damit ist allerdings noch nicht bewiesen, dass die Angabe bei E. Sueß auf einem Irrthume beruht; es kann sich höchstens um die Frage handeln, ob der von E. Sueß zwischen dem Porzteich und dem Kienberg beobachtete Schlier dem Miocän oder dem Alttertiär angehört.

Zur Entscheidung dieser Frage müssen wir in der Umgebung von Nikolsburg nach weiteren Vorkommnissen von Schlier suchen. Schon in der unmittelbarsten Nähe, zwischen dem Brennhübel und dem Galgenberg, finden wir einen Eisenbahneinschnitt, in welchem schlierartige Mergel mit zwischengelagerten Bänken von mürbem Sandstein deutlich aufgeschlossen sind. Der Mergel liefert ein tegel- artiges Verwitterungsproduct und ist von Schotter überdeckt. Ganz

Maydenberg und Fünfkirchen“ angegeben wird. Ein Ort, Namens Fünfkirchen, findet sich wohl in Niederösterreich, aber nicht in der näheren Umgebung von Nikolsburg. Die ungenaue Localitätsangabe hat es verschuldet, dass in 0. Weinsheimers Schrift: „Uber Dinotherium giganteum Kaup“ (Palaeontolog. Abhandl., herausgegeben von Dames und Kayser, I. Bd., 3. Heft, S. 75) Maydenberg, Fünfkirchen und Nikolsburg als drei verschiedene Fundorte des Dinotherium giganteum angegeben werden.

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besonders merkwürdig ist aber die Lagerung dieser Gebilde; ich fand an einer Stelle ein Streichen von Nordost nach Südwest bei steilem Einfallen gegen Südost, etwas weiter ein Streichen von Ost nach West und sehr steiles (etwa 80°) Einfallen gegen Nord. Die Schlierschichten im Galgenbergeinschnitte sind demnach in hohem Grade gestört, so dass man sie unwillkürlich dem Palaeogen zu- weisen möchte, umsomehr, als sie keine Spur der sonst (so z. B. schon in dem nicht gar zu weit entfernten Porzinseleinschnitte) so häufig vorkommenden fossilen Conchylien enthalten.

Eine mikroskopische Untersuchung des Schlemmrückstandes des Schliermergels ergibt eine Anzahl von Foraminiferen, die alle wie ich dies gerade bei Schliermergeln schon häufig beobachtet

habe auffallend klein sind. Ich konnte folgende Arten nach- weisen: Nodosaria Adolphina d’O. | Truncatulina Dutemplei WO.

5 stipitata Rss. > F. ind. Dulimina elongata WO. Discorbina planorbis WO. Cassidulina laevigata WO. Polystomella ef. macella F. & M. Globigerina bulloides WO.

Bedeutend reicher an Foraminiferen als der Mergel ist der mit ihm wechsellagernde, blátterige, mürbe Sandstein. Er zerfállt im Wasser leicht und enthält außer zahlreichen Foraminiferen von ziemlich normaler Größe auch vereinzelte Echinusstacheln, Bryozoën, Ostracoden und unbestimmbare Fragmente von Conchylien. Von den Foraminiferen wurden in einer kleinen Probe folgende Arten gefunden:

Miliolina seminulum Will. Glandulina laevigata WO. Spiroloculina tenuis Cz. Amphimorphina Haueri Neug. Clavulina communis WO. Uvigerina striata WO. Rhabdogonium f. ind. Cristellaria f. ind. d’O. Dulimina Buchiana WO. Pullenia commums WO.

: elongata WO. 5 sphaeroides WO.

5 ovata WO. Sphaeroidina bulloides WO. Dolivina punctata WO. Polymorphina communis WO. Nodosaria Adolphina WO. R Schreibersi VO.

m communis WO. Globigerina bulloides d’O. 6: consobrina WO. Orbulina universa WO. a stipitata Rss. Truncatulina lobatula W. & J.

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Truncatulina Dutemplei dO. Pulvinulina Haueri WO. © Rotalia Soldanii d’O. Nonionina Soldanii WO. Discorbina planorbis d’O. Polystomella macella F. & M.

Beide Faunen, sowohl die des Mergels als auch die des mürben, blätterigen Sandsteins, sind ausgesprochene Miocänfaunen so dass an dem miocänen Alter der imGalgenbergeinschnitte aufgeschlossenen, stark gefalteten Gebilde nicht gezweifelt werden kann. Wenn auch einzelne Seichtwasserformen auftreten, so deutet doch der Gesammtcharakter der vorliegenden Fauna auf eine Ablagerungstiefe von mehreren hundert Metern. Da sowohl nordlich als auch südlich vom Galgenbergeinschnitte und in keiner allzugroßen Entfernung der Jurakalkstein zutage tritt, die oben er- wähnten Sedimente jedoch keinen Detritus dieses Kalksteines ent- halten, so ist wohl der Schluss gerechtfertigt, dass zur Zeit, als die Mergel und Sandsteine des Galgenbergeinschnittes abgelagert wurden, die Juraberge wenigstens die der näheren Umgebung des Galgen- berges ziemlich tief unter dem Meeresspiegel verborgen waren.

Auffällig ist die Intensität der Faltung der Mergel und Sand- steine, wenn man die geringe Störung der benachbarten Jurakalk- steine berücksichtigt. Herr Dr. O. Abel meint, dass die Pollau- Nikolsburger Berge als „Horste“ der karpathischen Faltung ein Hindernis entgegengesetzt haben; ich will die Richtigkeit dieser Ansicht nicht bestreiten, weise jedoch darauf hin, dass die stark gestörten Schichten des Galgenbergeinschnittes genau in die Linie der Juraklippen Tafelberg Turold Schlossberg (Nikolsburg) Galgenberg fallen, dass sich also die karpathische, bis in das Miocän hinein andauernde Faltung auch in der Klippenzone selbst geltend gemacht hat. Es haben dann, wenn wir an der Ansicht Abels festhalten wollen, die weichen, vielleicht noch unter dem Drucke der Meeresbedeckung stehenden Mergel und Sandsteine eine deutliche Faltung erlitten, während gleichzeitig an den Klippen (Horsten) selbst nur Verschiebungen vorwiegend in verticaler oder annähernd verticaler Richtung eingetreten sind. „Die unter- geordneten, nacheocänen Faltungen waren,“ wie Herr Dr. Abel (Verh. d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1899, S. 379) sagt, „zu schwach, um den Bau der Klippen wesentlich zu verändern.“ Immerhin ist die Faltung der Miocänschichten im Galgenbergeinschnitte ganz ansehnlich; da im benachbarten Niederösterreich die Schlierschichten

Zeitschrift des mähr. Landesmuseums. II, 1. 4

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wie schon E. Sueß (1866) gezeigt hat ebenfalls sehr starke Störungen aufweisen, so ist es meiner Ansicht nach nicht statthaft, die Störungen der Lagerung im Galgenbergeinschnitte bei Nikols- burg auf locale Ursachen, etwa das Einsinken der Miocändecke zwischen den Jurabergen, zurückzuführen. Es muss vielmehr als Thatsache hingestellt werden, dass die Miocänschichten bei Nikolsburg zum Theile von der karpathischen Gebirgs- faltung betroffen worden sind, in ähnlicher Weise, wie dies von den Miocänschichten Galiziens und Niederösterreichs schon längst bekannt ist.

Der Nachweis, dass die schlierartigen Mergel des Galgenberg- einschnittes dem Miocán angehören, lässt uns das Vorkommen von miocänen Schliermergeln in der von E. Sueß angegebenen Gegend als sehr wahrscheinlich erkennen. Auch L. v. Tausch meint (Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1897, S. 158), dass die Mergel „südöstlich von den Pollauer Bergen“, obwohl sie nach Ost und Südost einfallen, dem Miocän zuzurechnen seien, bezeichnet jedoch diese Mergelvorkommnisse nicht näher; möglicherweise denkt er hierbei an die von E. Sueß erwähnten Schliermergel, die ich jedoch wie bereits oben bemerkt ebensowenig auffinden konnte wie Dr. Abel. In dem ganzen Gebiete östlich von Nikols- burg bis an die Thaya ist derzeit kein einziger deutlicher Auf- schluss im Schliermergel zu sehen. Im benachbarten Theile Nieder- österreichs scheinen Schlierschichten vorzukommen; wenigstens er- wähnt schon M. Hoernes (1850 I. c.) einen „zahllose Melettaschuppen“ enthaltenden „Tegel“, der in einem Hohlwege bei Garschenthal (gegen das „Belvedere“ zu) auftritt.

Während die Schliermergel im Osten der Pollau-Nikolsburger Berge anscheinend nur eine geringe Oberflächenverbreitung besitzen, finden sich solche westlich von den Jurabergen in viel beträcht- licherer Ausdehnung. Schon im Jahre 1889 habe ich (Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanstalt, Nr. 3, 5. 65 f) über die Entdeckung eines „Aturienmergels“ bei Bergen, etwa 5 km nördlich von Nikols- burg, berichtet und auch in meiner Schrift über die „Niemtschitzer Schichten“ über dieses Vorkommen Mittheilung gemacht. Eine kurze Erwähnung hat diese Localität auch in Dr. F. Kinkelins Bericht über seine „geologische Studienreise durch Osterreich-Ungarn“ (Ber. über d. Senckenbergische naturforsch. Ges. in Frankfurt a. M., 1890) gefunden.

ol

Man sieht im Orte Bergen, zunáchst als Unterlage des dor- tigen Friedhofes, deutlich geschichtete, feinsandige Mergel, die flach gegen Ost einfallen und in einzelnen Lagen fast weiß gefärbt sind. Gegen den Ostausgang des Ortes zu beobachtete ich an einer Stelle ein Einfallen der Schichten gegen Südost, unter etwa 35°, während die im Ziegelschlag sehr gut aufgeschlossenen Mergel sehr flach liegen. Immerhin beweist das deutliche Einfallen (an der früher erwähnten Stelle) gegen Südost, also gegen den Jurakalk zu, dass die Schliermergel auch auf der Westseite der Juraberge in ihrer Lagerung gestört sind, wenn auch in bedeutend geringerem Grade als die Schliermergel des Galgenbergeinschnittes. Die im Ziegel- schlag von Bergen aufgeschlossenen Mergel sind von zahlreichen, rostbraun gefärbten Klüften durchzogen und enthalten vereinzelte Conchylien, die leider zumeist schlecht erhalten sind, ferner Fora- miniferen, Seeigelstacheln, Ostracoden, Fischotolithen, Melettaschuppen und besonders zahlreich Diatomaceen. Häufig sind auch Spongien- nadeln von mitunter bedeutender Größe (bis 45 mm Länge), so dass sie sich leicht in die Haut der Hände einspießen und ein eigenthümliches Brennen verursachen. An Conchylien sind mir aus dem Schliermergel von Bergen bisher folgende Formen bekannt:

Aturia f. ind. Dentalium cf. entalis L. Cassidaria f. ind. ? Lutraria f. ind.

Cancellaria f. ind. Nucula f. ind.

Pleurotoma ef. spinescens Partsch. | Leda cf. pellucidaeformis R. Hoern. Natica helicina Broce. - Pecten ef. 12-lamellatus Bronn. Cylichna f. ind.

Von der Aturia findet man Schalenbruchstücke ziemlich häufig, sehr selten jedoch Stücke, die eine nähere Bestimmung ermöglichen würden. Herr Dr. F. Kinkelin bezeichnet (loe. cit.) die Aturia von Bergen als Aturia Aturi Bast.; in einem Briefe an mich (ddto. Frankfurt a. M., 29. Jänner 1889) stellt er sie jedoch bloß in die Verwandtschaft der A. Aturi, was ich entschieden für richtiger halte. Unsere Aturia ist nämlich nicht nur bedeutend kleiner als A. Aturi, sondern besitzt meiner Ansicht nach auch einen etwas anders gestalteten Laterallobus; sie scheint hingegen mit der kleinen Aturia aus dem Nusslauer Schliermergel und mit der von mir aus dem Oncophorasand der Umgebung von Brünn (Czernowitz) namhaft gemachten Form („Die Fauna der Oncophoraschichten“, Verhandl.

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OT D

d. naturf. Vereines in Brünn, 1893, 31. Bd., S. 181, Taf. II, Fig. 1) im wesentlichen übereinstimmen.

Die Foraminiferenfauna des Mergels von Bergen ist fast genau dieselbe, wie die des weiter unten beschriebenen Mergels von Ober- Wisternitz und wird daher mit dieser letzteren zusammen angegeben werden; hier sei nur bemerkt, dass die einzelnen Formen unge- wöhnlich klein sind, wie dies früher schon bei den Foraminiferen aus dem Mergel des Galgenbergeinschnittes erwähnt wurde. In Bezug anf die Diatomaceen stimmen die Mergel von Bergen und Ober-Wisternitz ebenfalls überein; die beiden Vorkommnisse scheinen überhaupt miteinander in directem Zusammenhange zu stehen, wenn- gleich die Aufschlüsse zwischen den beiden genannten Orten ziem- lich spärlich sind. Ich sah vor längeren Jahren in Ober-Wisternitz selbst große Haïden des Schliermergels, die von einer neuen Keller- anlage herrührten und eine ansehnliche Mächtigkeit dieses Gesteins verriethen. Auf dem Wege von den Ober-Wisternitzer Weinkellern gegen den Berg zu fand ich den Sehliermergel mehrfach anstehend; höher oben war ein Wechsel mit sandigen Lagen zu erkennen und endlich folgte, schon ziemlich knapp am Jurakalkstein, jene Zone von braunem Mergel, den ich früher schon unter den alttertiären Gebilden besprochen habe. © |

Sehr interessant sind die Schliermergel in den Weingärten von Ober-Wisternitz. Gute Aufschlüsse sind hier leider nicht vor- handen, aber die hellgraue Farbe des Bodens sowie das Vorkommen von blätterigen Mergelstückchen auf frisch umgearbeiteten Stellen lassen eine beträchtliche Mächtigkeit des Schliermergels erkennen. Man wird hier äußerst lebhaft an das so charakteristische Gebiet der alttertiären „Auspitzer Mergel“ erinnert, und dies umsomehr, als auch hier einzelne Sandsteinstücke herumliegen, die dem „Stei- nitzer Bandstein“ oft täuschend ähnlich sind. Bei näherer Unter- suchung zeigen sich allerdings gewisse Unterschiede. So enthält z. B. der blaugraue Mergel nicht selten harte, gipsreiche Con- cretionen, in deren einer ich den Steinkern einer kleinen Aturia beobachtete; auch Steinkerne und Abdrücke anderer, nicht näher bestimmbarer Conchylien sowie große Spongiennadeln sind in diesen Concretionen nicht gerade selten. Der blaugraue Mergel selbst ent- hält außer Gips auch Bruchstücke verschiedener Conchylien, ferner Seeigelstacheln, Ostracoden, Fischotolithen, Spongiennadeln und massive Kieselkörperchen von Spongien (Geodia), Foraminiferen

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und Diatomaceen, also eine Fauna, wie wir sie in den miocänen Tiefseeablagerungen zu finden gewohnt sind. Die früher erwähnten Sandsteine scheinen dem Mergel nur in Form von mehr oder weniger großen Linsen (Mugeln) eingelagert zu sein; da sie die Bodeneultur behindern, so werden sie auf die Raine und Wege geworfen und liegen hie und da in größerer Menge angehäuft. Vom „Steinitzer Sandstein“ unterscheiden sich diese Sandsteine durch den oft reich- lichen Gehalt an Glaukonit sowie durch den Umstand, dass auf den Schichtflächen auch Abdrücke von Conchylien zumeist Bivalven, wie z. B. Leda, Nucula und Pecten nicht selten vor- kommen. Eine bedeutende Ähnlichkeit besitzen diese Sandsteine mit einzelnen Partien des Sandsteins, der stellenweise den Unter- grund zwischen Galdhof und dem Seelowitzer Berge bildet und in Pauls Arbeit über das „Südwestende der Karpathensandsteinzone“ (loc. cit. S. 229 £.) erwähnt ist.

Das Verhältnis der Schliermergel zu dem von mir als alttertiär gedeuteten braunen Thonmergel ist insofern unklar, als man, wie bereits früher einmal kurz angedeutet wurde, stellenweise den Ein- druck gewinnt, als ob die älteren braunen Mergel höher liegen würden als die miocänen blaugrauen Mergel, von denen sie sich an der Bodenoberfläche sehr scharf abheben. Da nirgends größere Entblößungen vorhanden sind, so ist die thatsächliche Lagerung sehr schwer festzustellen. Die Annahme einer Úberschiebung ist aber überflüssig und auch unwahrscheinlich, weil sich für so be- deutende, nachmiocäne Störungen in der Umgebung der Juraberge keine weiteren Beweise beibringen lassen. Die Faltung des Schliers im Galgenbergeinschnitte würde wohl kaum die Annahme einer Überschiebung, an der auch der Jurakalkstein theilgenommen haben müsste, rechtfertigen. So dürfte die hie und da angedeutete schein- bare Überlagerung des Miocäns durch das Alttertiär auf eine An- lagerung zurückzuführen sein, wobei das ältere Sediment in einem hypsometrisch höherem Niveau erscheint; dieses Verhältnis ent- spränge dann der combinierten Wirkung von Dislocation und Denudation.

Zwischen Ober- und Unter-Wisternitz sind deutliche Aufschlüsse im Sehliermergel nicht zu sehen; ein blaugrauer Letten, den ich hier an frisch abgestochenen Böschungen und in den ebenfalls frisch angelegten Straßengräben beobachtete, erwies sich trotz seines tertiáren Aussehens als diluvial, da er einzelne Lößschnecken ent-

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hält. Erst jenseits der Thaya, bei Tracht, stoßen wir auf eine aus- gedehnte und längs der Uferterrasse gut aufgeschlossene Partie von blaugrauem, in einzelnen Lagen fast weißem Schliermergel, der ohne Zweifel die Fortsetzung der Mergel von Bergen—Ober-Wisternitz bildet. Die Lagerung der Schliermergel von Tracht ist sehr wenig gestört; es lässt sich nur eine sanfte Neigung gegen Süd und

Südost erkennen.

Die Foraminiferenfauna der Mergel von Bergen—Ober-W isternitz

enthält folgende Formen:

Miliolina f. ind. (grosse Form). Cornuspira involvens Rss. Plecanium cf. pectinatum Rss. Verneuilina spinulosa Rss. Dolivina punctata WO.

> dilatata Rss. = aff. reticulata Hantken. 2 in OAW:

Dulimina elongata d’O. Nodosaria consobrina WO.

B Adolphina VO.

4 elegans WO.

À aff. scalaris Batsch. Amphimorphina Haweri Neugeb. Frondicularia ensis Rzehak. Uvigerina tenuistriata Rss.

9 cf. cochlearis Karr.

Uvigerina scitula n. f. Polymorphina problema 0. Cristellaria inornata WO.

5 cf. rotulata Lam. Globigerina bulloides WO. Truncatulina cryptomphala Rss.

Dutemplei WO. Discorbina globigerinoides n. f.

x m. f. ind.

Pulvinulina f. ind.

Rotalia stellata d’O.

Nonionina umbilicatula var. Sol- danii WO.

Nonionina communis WO.

Polystomella crispa L. »

macella F. & M.

»

Im Mergel von Bergen sind die Foraminiferen ziemlich selten,

háufiger im Mergel von Ober-Wisternitz.

Die Fauna des Mergels

von Tracht ist formenreicher als die der beiden zuletzt genannten Fundorte, an Individuen aber ebenfalls recht arm: die geringe

Größe der meisten Arten ist auch hier sehr auffällig.

Ich kenne

aus dem Mergel von Tracht bisher folgende Formen:

Spiroloculina tennis Oz. Verneuilina spinulosa Rss. Bolivina aff. robusta Brady.

A aff. reticulata Hantken. Bulimina elongata d’O.

à Buchiana O.

Bulimina cf. ovata WO.

Cassidulina crassa WO.

Lagena subhexagona n. f. „5 strdnta 110 » sulcata WO. rupta Will.

var. inter-

Nodosaria consobrina d’O. var. emaciata Rss.

Nodosaria quadricostata n. f.

a cf. hispida VO.

= aff. fihformis WO, Frondicularia cf. ensis Rzk. Frondicularia cf. inaequalis Costa. Amplimorphina cf. HaueriNeugeb. Uvigerina tenuistriata Rss.

x angulosa Will. Cristellaria cultrata Montf. ? (juv.) Orbulina universa VO. ?.

Die ungewöhnlich geringe

DO

Globigerina bulloides d’O. Truncatulina lobatula W. & J.

4 cf. Dutemplei VO, s cryptomphala Rss. = cf. pygmaea Hantken.

Discorbina f. ind. Epistomina ef. elegans WO. Nonionina umbilicatula var. Sol- danii WO. Nonionina cf. communis WO. Polystomella macella F. & M. 5 cf. crispa L.

Größe bringt es mit sich, dass

viele Formen nicht mit voller Sicherheit identificiert werden konnten; so ist u. a. die als Orbulina universa angeführte Form so winzig klein, dass ich nicht einmal darüber eine bestimmte Aussage wagen kann, ob es sich hier wirklich um eine Orbulina handelt. Uvigerina cochlearis Karr. kommt ziemlich háutig im Aturienmergel von Nusslau bei Seelowitz vor, hat sich jedoch in dem an Foraminiferen so reichen Tegel bisher nicht gefunden. Dagegen ist Frondicularia ensis m. im mährischen Miocäntegel sehr verbreitet. Interessant ist auch im Vergleiche zu der Fauna der gewöhnlichen Tegel die große Seltenheit der Nodosarien, Cristellarien und Globigerinen; letztere erscheinen bloß in dem Ober-Wisternitzer Mergel etwas häufiger. Die Polystomellen sind verhältnismäßig häufig, was wiederum deshalb bemerkenswert ist, weil man die Schliermergel häufig als Tiefseeablagerungen betrachtet, die Polystomellen jedoch als ausgesprochene Seichtwasserbewohner gelten.

Von großer Wichtigkeit ist die Thatsache, dass auch die Schliermergel von Bergen, Ober-Wisternitz und Tracht, wie die Schichten des Galgenbergeinschnittes keine Spur von Jurakalk- detritus enthalten; es müssen also wohl zur Ablagerungszeit des Mergels die Juraberge submersiert gewesen sein, wie dies bereits oben ausgesprochen wurde, und wie dies auch Dr. F. Kinkelin (loc. cit. S. 60) auf Grund der „Tiefseefauna des Schliers* annimmt. Interessant ist das Vorkommen von schön erhaltenen Diatomaceen in den Mergeln von Bergen, Ober-Wisternitz und Tracht. Die Herren Dr. Pantoczek in Tavarnok und Cantonsapotheker C. Keller in Fluntern (bei Zürich) waren so freundlich, die ihnen von mir ein-

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gesandten Proben zu untersuchen. Nach dem Ergebnisse dieser Untersuchung herrschen unter den Diatomaceen unserer Schlier- mergel die Coscinodiscen bedeutend vor; in der That findet man schon im gewöhnlichen Schlemmwasser einzelne Exemplare von Coscinodiscus. Außer dieser Gattung treten ziemlich häufig auch noch die Gattungen Actinoptychus, Triceratium, PBiddulphia und Melosira auf. Speciell im Mergel von Bergen findet sich der sonst recht seltene Coscinodiscus Lewisianus Grev. verhältnismäßig häufig. Der Gesammtcharakter der Diatomaceenflora nähert die sidmáhrisehen Schliermergel den Mergeln von Szakal und Szent-Peter in Ungarn (Neograder Comitat); die Mehrzahl der Diatomaceen der Mergel von Bergen und Ober-Wisternitz findet sich nach C. C. Keller (schriftliche Mittheilung) auch im Mioeäntegel von Brünn, doch ist die Individuenzahl der Diatomaceen im Mergel von Bergen mehr als zehnmal so groß wie im Brünner Tegel. Auch hat sich der für letzteren Tegel charakteristische Pyrgodiscus armatus Kitt. in den erwähnten Schliermergeln bisher nicht vorgefunden.

Auch nach dem Charakter der Diatomaceen müssen also die Mergel von Bergen und Ober-Wisternitz als miocän betrachtet werden. Die Mergel von Pardorf, vom Annaberg und Rosenberg halte ich jedoch, trotzdem sie orographisch in der Fortsetzung des Mergels von Bergen liegen, aus den bereits oben geltend gemachten Gründen für palaeogen. Erst noch weiter südlich, im Galgenberg- einschnitte, treten abermals miocäne Schliermergel auf und greifen möglicherweise von da längs des Südostfußes des Heiligen Berges nach jener Gegend hinüber, wo E. Sueß „Schlier* beobachtet hat. Da es für die Klarstellung des Verhältnisses der Schliermergel zu den übrigen Miocänbildungen von Wichtigkeit ist, so weise ich hier ausdrücklich darauf hin, dass mir ein absolut sicheres Vorkommen von miocänem Schlier auf der Ostseite der Pollau-Nikolsburger nicht bekannt ist, und dass die Angabe F. Kinkelins, der Schlier ziehe sich „um jene inselartigen Jurakämme herum und an diesen Riffen ziemlich weit hinauf“ (loc. cit. S. 60), nur den auf einer flüchtigen, auf die West- und Südseite der Juraberge beschränkten Excursion gewonnenen Eindruck wiedergibt. Unwillkürlich wird man ja, wenn man irgendwo an einen Felsrücken ein viel jüngeres Sediment angelagert sieht, dieses letztere als zu beiden Seiten des erwähnten Rückens vorhanden annehmen; in unserem Falle macht sich jedoch eine eigenthümliche „Discordanz der Verbreitung“

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um einen d’Orbigny’schen Ausdruck zu gebrauchen bemerkbar, indem auf der Ostseite der Juraberge das Vorkommen miocäner Mergel durchaus zweifelhaft ist. Selbst wenn der von E. Sueß zwischen dem Porzteich und dem Kienberg gesehene Schliermergel wirklich miocán sein sollte, so verschwindet dieses Vorkommen im Vergleiche mit den großen Flächen, die hier das Palaeogen und auch das nicht als „Schlier* zu bezeichnende Neogen einnehmen. Eine so weitgehende Denudation der Schliermergel auf einer Seite der Juraberge ist wohl nicht anzunehmen; es lässt sich vielmehr, wie ich glaube, die auffallende Ungleichheit im Auftreten der Schliermergel westlich und östlich von den Jurabergen nur dadurch erklären, dass entweder das östlich gelegene Palaeogen zur Ab- lagerungszeit des Schliers wenigstens zum Theile Festland war und später an den Juraklippen abgesunken ist,. oder dass die auf der Ostseite der Juraberge vorhandenen Miocängebilde dem Schlier äquivalente Sedimente sind. Eine dritte Möglichkeit wäre noch die, dass unter der gerade auf der Ostseite der Juraberge außerordent- lich ausgedehnten Lößdecke noch unbekannte Vorkommnisse von Schliermergel vorhanden sind. Ich. selbst möchte die Entdeckung derartiger Vorkommnisse keineswegs als sehr wahrscheinlich hin- stellen, und zwar aus dem Grunde, weil in der Gegend von Pollau in jenem hypsometrischen Niveau, in welchem auf der Westseite der Juraberge die Schliermergel vorkommen, bloß palaeogene Mergel (Auspitzer Mergel) vorhanden sind und weil auch an der Basis der im Osten von Nikolsburg weitverbreiteten Mioeänbildungen nirgends Schliermergel zu sehen ist; bei Pulgram z. B. sieht man die dostisen fossilreichen Sande direct auf dem Alttertiär auflagern.

Ehe wir die schwierige Frage über die Beziehungen des süd- mährischen Schliers zu den übrigen Miocänbildungen zu entscheiden versuchen, müssen wir noch das Auftreten des ersteren in dem westlichsten Theile unseres Gebietes untersuchen. Da fallen uns vor allem jene beiden Höhenzüge auf, die in einer dem Haupttheile der Juraklippen ungefähr parallelen Richtung fortstreichen und die wir kurz als den Unter-Tannowitzer, beziehungsweise Neu- siedler Höhenzug bezeichnen wollen.. Der erstere erhebt sich nahezu 100 m über die umgebende Niederung; einer seiner höchsten Gipfel, der „Johannesberg“ (283 m Seehöhe), ist auf der General- stabskarte als Triangulierungspunkt bezeichnet, während der „Zeisel- berg“ bei Weißstätten augenscheinlich als ein durch die erodierende

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Wirkung der Thaya von dem Hauptrücken abgetrennter Ausläufer des Unter-Tannowitzer Höhenzuges aufzufassen ist.

An der Basis des Unter-Tannowitzer Höhenzuges liegen, wie man sich bei einem Besuche der dortigen Ziegelschläge überzeugen kann, sandige Thone mit einzelnen Schichten von schlierartigem Thonmergel und Letten. Dieser sandige Thon ist deutlich geschichtet und zeigt ein sehr sanftes Einfallen gegen West. Fossilien scheinen in diesem Gebilde sehr selten zu sein; von den Ziegeleiarbeitern erwarb ich je ein Exemplar von Turritella bicarinata Eichw. und Cerithium papaveraceum Bast. Das letztere Exemplar ist zwar stark beschädigt, es stimmen jedoch alle Merkmale bis auf die bei unserer Form viel bedeutendere Größe mit dem namentlich in den Grunder Schichten sehr verbreiteten Cer. papaveraceum Bast. überein. Im Schlemmrückstande des oben erwähnten schlierartigen Mergels finden sich Spongiennadeln. Am südlichen Ende der Unter- Tannowitzer Weinkeller sind die Schliermergel in einem kleinen Ziegelschlag deutlich zu sehen; sie zeigen hier ein etwas steileres, widersinniges Einfallen, so dass nicht daran zu zweifeln ist, dass die Schliermergel wirklich die Basis der an 100 m mächtigen Miocänablagerungen, aus denen der ganze Unter-Tannowitzer Höhenzug besteht, bilden. Wenn auch die Übereinstimmung dieser Mergel mit den Schliermergeln von Bergen und Ober-Wisternitz keine voll- ständige ist, so wird man doch wohl einen genetischen Zusammen- hang aller dieser Schlierbildungen annehmen dürfen. Bemerkens- wert ist dabei allerdings der Umstand, dass der thonige Sand bei Unter-Tannowitz faustgroße Stücke von Jurakalk enthält; dieses Vorkommen widerspricht anscheinend der früher ausgesprochenen Ansicht, dass die Pollauer Berge zur Ablagerungszeit der in Rede stehenden Gesteine submersiert waren; es ist jedoch möglich, dass diese Jurakalkstücke ursprünglich einer alttertiären Conglomerat- bank angehört haben, da das Auftreten von Jurakalkblöcken in unserem Alttertiär eine sehr gewöhnliche Erscheinung ist. Diese oft sehr losen Conglomeratbänke konnten durch den Wellenschlag des Miocänmeeres leicht zerstört und ihre Bestandtheile in den miocänen Sedimenten eingebettet worden sein. Es steht diese An- nahme in Übereinstimmung mit der schon früher (bei Besprechung des Alttertiärs) geäußerten Ansicht, dass die langgestreckten Höhen- züge von Unter-Tannowitz und Neusiedl einen alttertiären Kern besitzen; über einen solchen konnten sich die späteren Miocän-

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bildungen zu einer bedeutenderen Hóhe aufthürmen, als dies auf ebenem Meeresboden der Fall gewesen wäre. Der auffallende Parallelismus dieser Höhenzüge mit dem Haupttheile der jurasischen Klippenreihe braucht dann nicht bloß als das zufällige Ergebnis der Denudation erklärt zu werden, da man annehmen darf, dass schon die alttertiären Kerne den Verlauf der späteren, miocänen Höhenrücken bedingt haben. Der feinsandige Miocänthon hat bei Unter-Tannowitz das Materiale geliefert zur Bildung eines löß- ähnlichen, jedoch deutlich geschichteten Lehmes, in welchem ich neben guterhaltenen Säugethierknochen und den gewöhnlichen Löß- schnecken auch Schalen von Limmaea trumcatula Müll. auffand, welche die aquatile Ablagerung dieses Diluviallehmes beweisen. Sehr deutlich aufgeschlossen sind die Schliermergel auch noch weiterhin in den zwischen Neusiedl und Guttenfeld gelegenen Ziegel- schlägen. In dem westlichsten derselben, der nicht weit von den Neu- siedler Weinkellern sich befindet, tritt ein blaugrauer, schieferiger, Gips führender Mergel auf, der nach oben zu in grünlichgelben Letten über- geht. Ahnlicher Letten findet sich in einzelnen Lagen in einem kleinen Aufschlusse beiden Neusiedler Kellern, zwischen festgepacktem Schotter. In den beiden anderen Ziegelschlägen zeigen sich, ähnlich wie in dem ersterwähnten, zu oberst Tegel, während die unteren Partien aus mehr schiefrigem, schlierartigem, hie und da etwas geneigt liegendem Thonmergel bestehen. Der letztere enthält stellen- weise Gipsrosetten und unbestimmbare Reste von Conchylien. Eines dieser Vorkommnisse bildet einen auffälligen Hügel, in dessen Um- sebung die Felder ganz sandig sind. Diese Sande sind wohl jünger als der Schliermergel und stehen wahrscheinlich in Zusammenhang mit den Dinotherium giganteum führenden Sanden der Umgebung von Nikolsburg. Dagegen dürften die plattigen Sandsteine von Bratelsbrunn als Einlagerungen des Schliermergels zu betrachten sein; sie sind zwar nirgends anstehend zu sehen, werden aber ab und zu auf den Feldern der Umgebung von Bratelsbrunn aufge- funden und nach einer Angabe in dem Werke: „Der politische Bezirk Nikolsburg“ (Nikolsburg 1884) von Schwetter-Kern „vor- züglich als Pflastersteine, aber auch als Grabdenkmáler“ verwendet. Diese plattigen Sandsteine haben eine gewisse Ähnlichkeit mit manchen Varietäten des Steinitzer Sandsteines, und ich habe sie im ersten Augenblieke auch als Anzeichen des hier, in der tief- gelegenen Niederung, unter den jüngeren Sedimenten lagernden

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Alttertiärs aufgefasst. Sie sind von blaugrauer Farbe, feinkörnig und ziemlich fest, an der Oberfläche und längs der Klüfte häufig infolge der Verwitterung rostgelb gefärbt; diese gelben Partien sind bedeutend mürber als die unveränderten, inneren Theile. Diese Merkmale passen auch auf viele Vorkommnisse des Steinitzer Sand- steines; bei näherer Untersuchung findet man jedoch mancherlei Verschiedenheiten, welche die Deutung der Bratelsbrunner Sand- steine als miocän wahrscheinlicher machen. So sieht man z. B. auf vielen Spaltflächen kleine, weiße Flecken, die sich unschwer als Detritus von Conchylien- und Foraminiferenschalen erkennen lassen; da diese Reste oft sehr zart sind, so mag es sich hier viel- leicht zum Theile um Pteropodenschalen handeln, deren Fragmente nach meiner Erfahrung in den Schliermergeln häufig in der Form solcher weißer Flecken, wie sie der plattige Sandstein von Bratelsbrunn zeigt, auftreten. Von Foraminiferen konnte ich, da das Gestein nicht schlemm- bar ist, nur einzelne zufällig an die Oberfläche gelangte Gehäuse von Oristellaria erkennen, während die hie und da auftretenden, feinen, eylindrischen Hohlräume wohl auf Echinusstacheln oder Spongiennadeln zurückzuführen sind. Bemerkenswert ist auch der Gehalt dieses Sand- steines an Pyritkörnchen, die dem Steinitzer Sandsteine fehlen.

Die Lagerung der Sandsteine von Bratelsbrunn ist mir leider nicht bekannt, denn ich habe nie eine jener nur gelegentlich auf den Feldern eröffneten Gruben untersuchen können. In der geo- logischen Literatur unserer Heimat findet sich dieses Vorkommen überhaupt nicht erwähnt, während Schwetter-Kern (loe. eit. S. 81) bloß von einem „Lager von vollkommen ebenen Sandsteinplatten“ sprechen. Wenn auch diese letztere Angabe nicht gerade auf ein mugelartiges Vorkommen des Sandsteines hindeutet, glaube ich doch annehmen zu dürfen, dass die Sandsteine von Bratelsbrunn den oben beschriebenen Sandsteinen von Ober-Wisternitz entsprechen; die Ähn- lichkeit beider Vorkommnisse ist in der That eine sehr bedeutende.

Was nun das Verhältnis der Schliermergel und der ihnen hie und da untergeordneten Sandsteine zu den übrigen Miocängebilden anbelangt, so muss dem thatsächlichen Befunde entsprechend zuge- geben werden, dass die Fossilienschlüsse zwar nicht ganz dieselben sind, die wir in den sonstigen Miocänablagerungen des untersuchten Gebietes vorfinden, dass aber die Verschiedenheiten nicht unbedingt auf eine Altersverschiedenheit der beiden Gruppen von Sedimenten schließen lassen. Ich kann keinen Beweis dafür erbringen, dass die

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arten- und individuenarme Fauna der auf der Westseite der Jura- berge auftretenden Schliermergel älter ist als die formen- und individuenreiche Fauna der im Osten, in der Entfernung von wenigen Kilometern, vorkommenden miocänen Thone; ich vermag aber auch nicht die Thatsache zu erkláren, wieso sich gleichzeitig an zwei benachbarten Orten durchaus, d.h. sowohl lithologisch als palaeonto- logisch, verschiedene Sedimente ablagern konnten. Sie mügen „verschiedene Facies“ sein; der Grund ihrer Verschiedenheit bleibt dennoch ráthselhaft. Die Juraberge als eine die beiden Becken das ôstliche und das westliche trennende Barre anzunehmen, geht nicht an, weil einerseits in dem Complex der Schliermergel Strandbildungen gänzlich fehlen und anderseits die im Osten vorherr- schenden Sedimente (Tegel, Leithakalk ete.) auch im Westen (Unter- Tannowitzer Höhenzug) auftreten. Möglicherweise greifen wenn die mehrfach erwähnte Beobachtung von E. Sueß richtig ist die Schlier- mergel auch auf das östliche Gebiet über; das Auftreten derselben im Galgeubergeinschnitte widerlegt ja deutlicher als die scharfsinnigste, theoretische Deduction die Annahme eines zusammenhängenden, die Rolle einer Scheidemauer spielenden Walles von Jurakalkstein.

Es lässt sich auch nicht leicht beweisen, dass der Schlier- mergel in größerer Meerestiefe zur Ablagerung gelangt sei als der fossilreiche Miocänthon, wie er z. B. an der altbekannten Localität „Porzteich“ auftritt. Die Polystomellen der Schliermergel deuten auf keine sehr bedeutende Ablagerungstiefe, ebensowenig wird man den fragmentarischen Zustand der allerdings sehr gebrechlichen Aturienschalen als ein Anzeichen großer Meerestiefe geltend machen können; die Einlagerungen von Sandstein im Schlier von Ober- Wisternitz und im Galgenbergeinschnitte sind weitere Argumente, welche gegen die Annahme sprechen, die Eigenthümlichkeiten des Schliers seien einfach aus der bedeutenden Tiefe des Ablagerungs- raumes zu erklären. Die Seehöhe, welche die Schliermergel auf der Westseite der Juraberge erreichen, ist viel beträchtlicher als die des obenerwähnten Thones am ehemaligen Porzteiche. Wenn die ersteren wirklich ein Sediment tieferen Wassers sind als der letztere, so kann nur eine nachträgliche Lagenveränderung das jetzige Niveau- verhältnis zustande gebracht haben; wir kommen somit zu der neuen Aufgabe, das tektonische Verhältnis der Schliermergel zu den übrigen Miocänbildungen zu untersuchen.

(Fortsetzung folgt.)

Regesten zu 12 máhrischen Testamenten des 18. Jahrhunderts.

Ein Beitrag zur vaterländischen Adels- und Culturgeschichte.

Mitgetheilt von Dr. Wilhelm Schram.

Im Jahre 1897 übernahm ich als Conservator der k. k. Central- commission für Kunst- und historische Denkmale die Aufgabe, mit Genehmigung des hohen k. k. Oberlandesgerichtspräsidiums das Archiv des k. k. Oberlandesgerichtes einer genauen Durchsicht zu unterziehen. Das genannte Archiv ist im Hoftracte des ärarischen Gebäudes Nr. 9 auf dem Krautmarkte in einem feuchten, spärlich beleuchteten und unbeheizbaren Raume, der offenbar einst als Ge- fängniszelle des k. k. Landrechtes diente, untergebracht. Meine Arbeit erstreckte sich auf alle Acten, welche Bestandtheile der ein- stigen Tribunalregistratur sind, demnach auf die Schriftstücke aus der Zeit von 1636 bis 1783. Mehr als 4000 Nummern wurden durchgesehen und alle diejenigen, welche für die Rechts-, Ver- fassungs- und Culturgeschichte interessantes und brauchbares Material darbieten, ausgehoben und verzeichnet.

Der Bericht über die Ergebnisse meiner Forschung wurde im 4. Bande der dritten (Archiv-) Section der k. k. Centralcommission, der im Jahre 1899 in Wien erschien, auf S. 203—220 zum Abdruck gebracht, die ausgewählten Acten aber überließ das k. k. Ober- landesgerichtspräsidium über meinen Antrag dem Archive des Franzensmuseums als Depositum, wobei es sich selbstverständlich das Eigenthums- und Benützungsrecht vorbehielt. Die Übernahme des Museums und der Museumsbibliothek sammt dem Archive in die Landesverwaltung ermöglichte manche neue und zweckmäßige' Einrichtungen. Zu denselben gehört auch die Übertragung des

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Museumsarchives in die Räume des Landesarchives. Und so geschah es, dass nun auch die historisch wertvollen Acten des Oberlandes- gerichtsarchives mit Zustimmung der Behörde ebendorthin geschafft wurden.

Unter den Schätzen des Oberlandesgerichtsarchives nehmen die amtlichen Abschriften der Testamente sicherlich nicht den letzten Platz ein. Ich fand im ganzen 109 solcher Testamente, welche meist dem 18. Jahrhundert angehören und mit geringen Ausnahmen von adeligen Personen ausgestellt wurden. Diese Schriftstücke sind zunächst für Genealogen von Interesse und Wichtigkeit. Sie ergänzen manche Lücke in dem bekannten, aber einer Neubearbeitung bedürftigen Werke: „Der mährische Adel, begonnen von Dr. Heinrich Edlen von Kadich, fortgesetzt und zu Ende geführt von Pfarrer Konrad Blažek“ (Nürnberg, 1899; II. Bd., 10. Abth. des Siebmacher’schen großen und allgemeinen Wappen- buches). Sie werfen aber auch Schlaglichter auf die Zeit des 18. Jahrhunderts, auf die damaligen religiösen Anschauungen, auf den damaligen Stand der Humanität, auf die wirtschaftlichen Verhält- nisse dieser Periode und bilden so kleine Bausteinchen, die zum Aufbau einer Culturgeschichte unseres engeren Vaterlandes ganz unentbehrlich erscheinen. Ich habe aus dem mir zur Verfügung stehenden Material 12 Testamente (amtliche Copien) ausgewählt, die mir besonders charakteristisch erschienen, und theile nun aus denselben in Form von Regesten alles Wesentliche mit. Belanglose Bestimmungen übergieng ich mit Absicht. Was die Schreibweise der Eigennamen betrifft, so habe ich die ursprüngliche, wenn sie mir auch nicht immer richtig erschien, beibehalten, da eine eigen- mächtige Änderung in dieser Hinsicht kaum statthaft sein dürfte. Sollten die hier folgenden Regesten unter den Fachmännern freund- liche Aufnahme finden, so würde ich nicht verabsäumen, eine Fort- setzung dieser Arbeit zu liefern.

1. Michael Heinrich Reichsgraf von Althann, Freiherr in Goldenburg und Murstätten, Domherr des Domstifts zu Olmütz, noch nicht 24 Jahre alt, trifft folgende letztwillige Anordnung, die als donatio mortis causa oder als actus ultimae voluntatis gelten soll. Er will wie sein seliger Vater ohne Ausläuten zur Erde bestattet werden und verlangt 100 heilige Messen, 70 vor dem Begräbnis und 30 am Tage des Begräbnisses. Er verschafft der Cassa invalidorum 5 fl, dem Hospital ad Sanctum Stephanum in

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Briinn 5 fl. Zur Universalerbin setzt er seine Mutter Maria Antonia, verwitwete Gräfin von Althann, geborene von Asseburg, ein. Datiert: Brünn, 18. Okt. 1760. Zeugen: Daniel Joseph Freih. von Krisch, Joh. Franz Hilleprand von Prandau, Valentin Anton Vevier von Blumenberg. Publiciert wurde dieser letzte Wille vom k. k. Tribunal zu Brünn am 27. Nov. 1760.

2. Alexandrina Gräfin von Althann, geb. Freiin von Blanccard, verordnet, ihren todten Körper zu öffnen, damit die Umstände ihrer Krankheit und die Ursache ihres Ablebens ergründet und daher ihren Nebenmenschen mit gedeihlicheren Mitteln an die Hand ge- gangen werden möge. Der Leichnam soll ihrem Sohne in der Familiengruft zu Grussbach ohne Gepränge beigesetzt werden. Sie bestimmte für heil. Messen 400 fl., für arme Unterthanen auf der Herrschaft Grussbach 800 fl, für die Invaliden 10 fl, für die Elisabethinerinnen zu Brünn 20 fl. Ihrer Schwiegermutter widmet sie als Andenken ein in Gold gefasstes Bestöckel, worin sich das Porträt ihres Gemahls befindet, ihrer Schwägerin, Freiin von Gemingen, goldene Spitzen. Die zwei Fräulein Schwestern Maria Antonia, Stiftsdame zu Neuß, und Isabella, Stiftsdame zu Köln, erhalten je 1000 fl. rhein., der älteste Bruder Ludwig Anton Freiherr von Blanccard erhält ein Legat von 100 fl, der Bruder Carl eine Soupenschale von sächsischem Porcellaine en mignature, der Bruder Georgius Ludovicus eine lackierte, in Gold gefasste Tabatiere, worauf das Porträt ihres Sohnes befindlich ist. Der vermählten Schwester, Gräfin von Andlau werden die Fruhstuck-Aufsatz von Por- cellaine zum Andenken verabfolgt. Hierauffolgen verschiedene Legate für die Domestiken. Universalerbe sei der Gemahl der Erblasserin, Michael Gundaeker Graf von Althann, kais. Rath, wirkl. Kämmerer, Assessor beim k. k. Tribunal in Mähren. Datiert: 8. März 1768. Zeugen: Christoph Freiherr von Blümegen, Guidobald Jos. Graf von Dietrichstein, Heinrich Xav. Hayeck von Waldstätten. Publiciert wurde das Testament vom k. k. Tribunal zu Brünn am 17. Mai 1768.

9. Maria Anna Gräfin Berchtold, geb. Gräfin von Aichpichl, verordnet, dass ihr Leichnam, möge sie in Brünn, Pulitz oder wo immer sterben, in die Gdossauer Pfarrkirche in die dort erbaute Gruft „ohne das mindeste Gepränge und so schlecht als immer möglich“ gebracht werde. Sie wünscht 300 heil. Messen und dass die verschiedenen Bruderschaften, denen sie als Mitglied angehört,

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so schnell als möglich von ihrem Absterben verständigt werden. Die armen Pulitzer Unterthanen sollen ein Legat von 200 fl, die mähr. Invaliden ein solches von 10 fl. erhalten. Ihrem Gemahl legiert sie 20 Paar silberne Schalenmesser und einen silbernen Rosoglio-Aufsatz. In das übrige Silber, in den Schmuck, die Pre- tiosen, die besseren Kleider, Wäsche und Spitzen und in das Por- zellan sollen sich die 3 Töchter friedlich theilen. Letztere, nämlich Antonia, vermählte Freiin von Andlau, Carolina, vermählte Freiin von Grechtler, dann Wilhelmine Fräulein Gräfn Berchtold werden in der Weise zu Universalerben eingesetzt, dass sie die eine Hälfte des ganzen Vermögens zu gleichen Theilen erhalten, und der Wilhelmine überdies die ganze andere Hälfte als Prälegat zufalle. Hingegen wird Wilhelmine verpflichtet, der Catharina Fräulein Gräfin von Trauttmannsdorf, solange dieselbe unversorgt sein wird, jährlich 100 Gulden auszubezahlen. Stirbt Wilhelmine in ihrem ledigen Stande, so werden von der prälegierten Hälfte 2000 fl. ex- scindiert und von den Erben der Gdossauer Pfarrkirche „zur besseren Auszierung derselben“ abgegeben. Datiert: Brünn, 2. März 1769. Zeugen: Leopold Graf Dietrichstein, Christoph Graf Blümegen, Louis Graf und Herr von Zierotin-Lilgenau. Die Testamentspublication erfolgte im k. k. Tribunal zu Brünn am 19. Jan. 1774.

4. Franz Freiherr von Blankowsky und Dombschätz wünscht, dass nach seinem Tode in dem Stift, Kloster oder Kirch- spiel, in dem er seinen Geist aufgeben wird, 500 heil. Messen ge- lesen werden; doch sollen alle diesbezüglichen Auslagen incl. der Begräbniskosten nicht mehr als 1000 fl. rhein. betragen. Die Cassa pauperum seu invalidorum militum erhält 20 fl, während noth- leidenden Hausarmen 12 fl. zufallen sollen. Die beiden Enkel Joseph und Anton Freih. von Mittrowsky erhalten je 2000 f., der Pfarrer von Rozna, P. Jos. Pokorny, zum Andenken ein Quadripartitum brevi- arium una eum proprio. Universalerben sind die zwei Töchter Casimira, verwitwete Freiin von Mittrowsky und Johanna Freiin von Haugwitz. Der dritten Tochter, Carolina, vermählten von Rosenfeld, soll von den Universalerbinnen nur die Legitima strieta zu ihrer Abfertigung ausgefolgt werden. Testamentsexecutor sei Maximilian Jos. Freiherr von Mittrowsky, k. k. Kämmerer und General-Feldwachtmeister, der für seine diesbezügliche Bemühung 100 Species Kremnitzer Ducaten zu erhalten hat. Datiert: Kloster- 5

Zeitschrift des mähr. Landesmuseums. II, 1.

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stift Saar, 2. Jan. 1762. Als Zeugen sind 7 bürgerliche Personen genannt: Die Publication des Testaments erfolgte in der Sitzung des k. k. Tribunals zu Brünn am 19. Mai 1767.

5. Maria Rosina, verwitwete von Blumenberg, will vormittags in der Kirche zu St. Jakob in der dortigen Gruft begraben werden und widmet zur Bestreitung der Begräbniskosten 200 fl., für 500 heil. Messen 250 fl, für die Hausarmen 50 fl, für die Armen in Duckowan 10 fl, für die Cassa invalidorum 30 fl., für das Brünner Lazareth 20 fl., für das Spital zu St. Stephan ebenfalls 20 fl. Sie prälegiert der bei ihr befindlichen Enkelin Elisabeth Schleichart von Wiesenthal ein diamantenes Kreuz sammt den dazugehörigen 2 Ringen und Ohrwuckeln. Zur Universalerbin setzt sie die nach ihrer verstorbenen Frau Tochter Antonia Schleichart von Wiesen- thal, geb. von Blumenberg, hinterbliebenen 6 Kinder ein, nämlich Franciseus Xav., Joann. Nepomucenus, Josephus, dann Antonia, Elisabetha und Josepha. Der älteste Enkel Franz Xaver soll im voraus ein Drittel erhalten, die übrigen zwei Drittel sollen zwischen seinen 5 Geschwistern zu gleichen Theilen getheilt werden. Datiert: Brünn, 25. Nov. 1761. Zeugen: Heinr. Xav. Hayeck von Wald- stätten, Joh. Zablatzky von Tulleschitz, Dismas Franz von Hoffer. Publieiert vom k. k. Tribunal zu Brünn am 7. Jan. 1762.

6. Hermann Graf von Blümegen, Bischof zu Königgrätz, Herr auf Wisowitz, verlangt 400 heil. Messen, zu lesen zur Hälfte bei den Franeiscanern zu Arnau (Königgrätzer Diöcese), zur Hälfte bei den Franeiscanern zu St. Magdalena in Brünn, für jede Messe sind 30 kr. zu bezahlen. Tritt der Tod in Böhmen ein, so ist der Leichnam in der zu Chrast gehörigen Filialkirche zu Podlazitz zu begraben; verstirbt der Testator jedoch in Mähren, so soll sein entseelter Leib in der Collegiatkirche ob dem Petersberg in Brünn beerdigt werden. Die Podlažitzer Filialkirche erhält als Legat 400 4. rhein. Von den 4°/,igen Interessen soll jährlich in dieser Kirche die anniversaria mortis ein Requiem für den Verstorbenen gelesen werden. Aus diesem Anlasse erhält der Dechant zu Chrast oder sein Stellvertreter 4 fl. rhein., der Diacon und Subdiacon je einen Gulden, der Schulmeister 3 1, die Kirche für Wachs, Wein und Abnutzung der Paramente 3 4., die beim Requiem anwesenden Armen 4 fl. Die Königgrätzer Kathedralkirche erhält gleichfalls für ein Anniversar 1000 fi. Der Wisowitzer Pfarrkirche legiert Graf Blümegen pro perpetua fundatione ein Capital von 1000 Al.

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rhein. Dafür soll der Pfarrer oder sein Stellvertreter jährlich 30 Messen in der Wisowitzer Kirche lesen, und zwar 10 für den Te- stator, 10 für dessen Eltern Jodok und Genofeva und 10 pro viris et defunctis ex familia Blümegiana. Ferner soll der Pfarrer ver- pflichtet sein, einen zweiten Cooperator zu halten. Als Entschädigung für diese Last soll er jedoch noch jährlich von der Herrschaft Wisowitz 20 Klafter Brennholz, 1 Centner Schmalz und 6 Fass Bier in natura erhalten. Die Collegiatkirche auf dem Petersberg erhält gleichfalls 1000 fl. rhein. pro perpetuo anniversario. Für die kranken und nothleidenden Wisowitzer Unterthanen widmet der Graf 1000 fl. rhein. Die 4°/, Interessen hievon sollen jáhrlich durch den Pfarrer an die Armen vertheilt werden. Graf Bliimegen legiert ferner den Wisowitzer Spitälern 20 fl., den invaliden Soldaten in Mähren 20 fl. Des Grafen Schwester Genofeva, Klosterfrau im versperrten Kloster zu St. Anna in Bregenz am Bodensee, soll jährlich, solange sie lebet, 6 Stück Ducaten nomine elemo- sinae erhalten. Graf Mathias Chorinsky, inful. Dechant ob dem Petersberg, erhält alle nach dem Tode des Grafen Blümegen übrig bleibenden Roquetten, Bischofshauben, den Bischofsstab, alle bischöflichen Functionskleider, das beste vorhandene Pluviale und die heil. Gefäße pro st. liquoribus. Der Wisowitzer Schlosskirche legiert der Testator alle Kelche, Opferkannen mit Tassen, alle Casulas und Albas, die übrig bleibenden Pluvialia, ein silbernes Lavoir sammt Gießkanne. Der Bruder Heinrich Graf von Blümegen erhält zum Andenken ein auf Schildkrott gemaltes, die Himmel- fahrt Marias vorstellendes Bild, welches der Vater des Testators als ein Kunststück vom Cardinal Lamberg erhalten hatte. Die Gräfin Ernestine von Gellhorn, geb. Gräfin von Preysing, erhält ein auf Holz gemaltes Muttergottesbild, das jederzeit beim Bette des Testators gehangen. Universalerbe wird der Vetter Petrus de Alcantara Graf von Blümegen, jedoch soll dessen Vater Christoph Graf von Blümegen bis zu seinem Tode den Fruchtgenuss des ganzen Vermögens haben. Die Brüder des Universalerben, Franz Joseph und Aloisius, sollen von letzterem jährlich 1000 fl. Pension, die Schwestern hingegen, die von der Aloisia Gräfin Herberstein abstammen, ein für allemal 2000 fl. erhalten. Der Testator spricht die Hoffnung aus, dass der Universalerbe das mit so vieler Mühe und Sorge neugebaute Schloss in gutem Stand erhalten und nicht in fremde Hände gelangen lassen werde. Ebenso hofft er, dass D*

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letzterer ihm, dem Vater, und der ganzen Familie nicht die Schande anthun werde, ,sich ohnbedachtsam etwa aus Trieb einer blinden Passion zu mesallieren.“ Datiert: Brünn, 7. Juni 1769. Zeugen: Joseph Carl Graf und Herr von Zierotin, Freiherr von Lilgenau; Joh. Nep. Hauspersky Freih. von Fanal, Joh. Bapt. Freih. von Freyenfels. Die Testamentspublication erfolgte am 17. Oct. 1774 und am 21. Oct. 1774.

In einem Codicill vom 26. Jan. 1771 legiert der Testator 2000 fl. dem Mathias Grafen von Chorinsky zu Samaria, dem ihm vom Papste zur Hilfe destinierten Bischof, Domherrn des Dom- stifts zu Olmütz und zweiten infulierten Prälaten der Collegiatkirche auf dem Petersberg. Ferner legiert er dem Stift der Elisabethinerinnen in Altbrünn 1000 fl. zu beliebiger Verwendung und den armen Unterthanen auf der bischöflichen Herrschaft Chrast in Böhmen einen gleichen Betrag. Der Petersberger Collegiatkirche in Brünn legiert der Testator 600 fl., von denen die in der Kirche noch ab- gängige Kanzel erbaut werden soll, der Wisowitzer Schlosskirehe alle seine heil. Reliquien, welche in seiner Hauskapelle auf dem Petersberg aufbewahrt werden. Seinem ersten Ceremoniär P. Joann. B. Setti vermacht er eine goldene französische Minutenuhr von Le Roy, dem k. k. Rath und Assessor beim Gubernium in Mähren Joh. Jos. von Krigisch 50 Species Ducaten. Zeugen: Jos. Carl Graf und Herr von Zierotin, Freih. von Lilgenau, Joh. Bapt. Graf Mittrowsky und Joh. Siegmund Freiherr von Bukuwky. Publi- ciert 21... Vet, 17745

7. Maria Anna, verwitwete Chorinsky, Freiin von Ledske, geborene Gräfin von Halleweil, wünscht in der Pfarrkirche zu Pačlawitz schwarz bekleidet beerdigt zu werden und ordnet für sich 200 Seelenmessen an. Der Uhritzer Kapelle verschafft sie 99 fl., dem Invalideninstitut 6 fl., den Unterthanen ihres Sohnes in Uhritz 150 fl., ihrem Bruder Christoph Grafen von Halleweil 200 fl. und ihren ledigen Schwestern Catharina und Francisca Gräfin von Halleweil je 99 fl., ein anständiges Kleid und eine Tabatiere von Schildkrott, ihrer Schnur, geborenen Gräfin von Czernin, ihre Egrett mit schwarz geschmelzter Feder, dem Eidam Jos. Astfeld Freih. von Widrzi, 50 Ducaten, ihren Stiefsöhnen,

* Hermann Freih. von Blümegen war Propst auf dem Petersberg in Brünn und erbaute daselbst 1751 das ehemalige Propsthaus, die jetzige bischöf- liche Residenz.

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und zwar dem Mathias Grafen Chorinsky, Bischof zu Samaria, das Crucifix, worauf Christus von Elfenbein gebildet ist; dem Franz Grafen Chorinsky, geh. Rath, 2 Gemálde und Kunststücke, welche einen alten Mann und ein altes Weib darstellen und sich in Uhřitz befinden; dem Ignaz Grafen Chorinsky, geh. Rath und Landeshaupt- mann in Troppau und Jágerndorf, die von Silber gebildete Figur der Mutter Anna. Universalerben sind die Kinder: Michael Wenzel Graf Chorinsky, Freih. von Ledske, k. k. Rath, wirkl. Kimmerer und Landrechtsbeisitzer in Mähren und Theresia, vermáhlte Astfeld Freiin von Widrzi, geb. Chorinsky Freiin von Ledske. Letztere erhält das silberne Nachtzeug, den Schmuck, eine kleine goldene Tabatiere, ein goldenes Etui, die in Brünn befindlichen Mobilien und an barem Gelde 5000 Gulden rhein.; die übrige ganze Ver- lassenschaft fällt dem obengenannten Sohne zu. Datiert: Brünn, 12. Apr. 1771: Zeugen: Dan. Jos. von Kriesch, Heinr. Xav. Hayeck von Waldstätten und Joh. Zablatzky von Tulleschitz.

8. Josepha, verwitwete Freiin von Eichendorff, ore beremo Mendin von Durlach, verlangt, dass ihr Leichnam in einem blauen ordináren zeugenen Kleide, wie sie es dermalen bei Lebzeiten trágt, in eine blau iiberzogene Truhe aus weichem Holz gelegt, und letztere in einen Sarg von Eichenholz gesetzt werde. Gleich nach ihrem Ableben sollen arme Studenten wechselweise das officium de func- torum psallieren, während der Nacht aber die Spitäler von Maria- hilf den Rosenkranz laut beten. Der Leichnam soll an einem Vor- mittag in die Gruft vor dem Altar der schmerzhaften Muttergottes in der Pfarrkirche S. Mauritii gelegt werden. Zum Leichenbegängnis sollen die Minoriten, Dominicaner, Franeiscaner und die Bruder- schaften der unbefleckten Muttergottes genommen werden. Es sollen soviele Seelenmessen à 30 kr. gelesen werden, dass für diese und das Begräbnis ein Betrag von 500 fl. in Verwendung kommt. Über- dies sollen noch weitere Seelenmessen in der Stadt vor den privi- legierten Altären und in der Sedlnitzer Pfarrkirche, gleichfalls vor den privilegierten Altären, schleunigst nach ihrem Tode gelesen werden, zu welchem Zwecke 1000 fl. als Prälegat ausgesetzt sind. Der Pfarrkirche zu Sedlnitz legiert die Freiin von Eichendorff 100 fl., damit das Freitags- und das Zügenglöckel beim Hinscheiden einer Person geläutet werden könne; weitere 50 fl. widmet sie zu dem Zwecke, dass alle Samstag die lauretanische Litanei und das Salve regina vor der nach Sedlnitz bereits zugesendeten Brünner Thomaser

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Muttergottes gebetet werde. Der Bruderschaft des heil. Rosenkranzes widmet sie 20 fl., der Statue der heil. Mutter Anna, welche in der Ratiborer Vorstadt bei Troppau verehrt wird, zu einer Beihilfe be- hufs Erweiterung der Kapelle 15 fl., der Statue S. S. Trinitatis in Olmütz 30 fl, der Bruderschaft S. Anna daselbst 30 fl., den Trini- tariern zu Zaschau 300 fl., welches Geld zur Befreiung. armer Christen aus der türkischen Gefangenschaft verwendet werden soll, der pröpstlichen Pfarrkirche zu S. Mauritz, wo die Erblasserin getauft wurde und begraben zu werden verlangt, 100 fl., dem Hospital bei St. Barbara in Troppau 30 fl., den Invaliden 3 Thaler mähr., dem Testamentsexecutor Cajetan Freiherrn von Zawisch, Kreishaupt- mann in Olmiitz, 50 Species Ducaten. Zu Universalerben ihres 9000 fl. betragenden Vermögens setzte Freiin von Eichendorff die nach ihrem Sohn Carl Baron von Eichendorff hinterbliebenen Enkel Joseph Baron Eichendorff und Maria Anna ein, von denen ersterer 2500, letztere 3500 fl. erhalten soll. Datiert: Olmütz, 18. Jan. 1760. Zeugen; Emanuel Freiherr von Zawisch, Carl Anton von Zeno und Joh. Leopold von Barthodëjsky. Publiciert zu Brünn, 31. Oet. 1760.

9. Leopold Anton Sack Graf von Bohuniowitz, geh. Rath und oberster Landrichter im Markgrafthum Mähren, wünscht bei den Kapuzinern in Olmütz, vermöge der ertheilten Erlaubnis und Filianz, in einem ordinären Kapuzinerhabit bestattet zu werden. Sollte er fern von Olmütz sterben, so möge sein Leichnam in der nächstgelegenen Kapuzinergruft zur Erde bestattet werden. Für sein Seelenheil sollen im Lande Mähren und außerhalb desselben 12.000 heil. Messen gelesen werden. Die Armen des Ortes, wo er begraben wird, erhalten 2000 fl., andere Arme und die Hospitäler des Ortes, wo er bestattet wird, 1000 fl. Blessierte und mit Abschied ent- lassene Soldaten des Landes Mähren erhalten 2000 fl. Dem zu Jaromieritz unweit Gewitsch bei dem Altar aufgerichteten Calvarien- berg legiert der Testator als Custos des Calvarienberges 2000 1l., damit daselbst von den Interessen dieses Capitals Seelenmessen gelesen werden. Da er am Niederring zu Olmütz eine Marianische Säule zum Gedächtnis hat aufrichten lassen, so legiert er 2000 fl., damit von den Interessen genannten Capitals dort nicht nur das ewige Licht, sondern auch an den Marienfesten, an den Tagen zuvor und an allen Samstagen zur Ehre der Muttergottes eine musikalische Litanei sammt den gewöhnlichen precibus unterhalten werde. Ferner legiert er den P. P. piae scholae zu Kremsier, Leipnik

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und Altwasser je 150 fl., den Franciscanern zu M.-Trůbau 150 fi. und zwar mit der Verpflichtung, für die arme Seele des Testators heil. Messen à 30 kr. zu lesen. Zur Auf- und Einrichtung eines Zuchthauses in Olmütz widmet der Erblasser 8000 fl., der Con- gregation des heil. Joannis Nepomuceni in Prag 150 fl, zu der neuaufgerichteten Marterkapelle Joannis Sarcandri bei der Herren- Zucht 600 fl, zu dessen Grab in der Pfarrkirche Unser Lieben Frauen 600 fl. Ferner verschafft Graf Sack der Congregation B. Virginis Annunciatae und Mariae Praesentatae je 25 fl., dem Feld- spital in Wien 50 fl., der Schwester Elisabeth Freiin von Freien- fels, geborenen Sackin von Bohuniowitz, 4000 fl. und ihren Söhnen Franz, Joseph und Heinrich Zialkowsky je 300 fl., der Schwester Frau Joanna Constantia Schubirz Freiin von Chobinie 4000 1. und ihren Kindern Franz, Anna und Josepha je 300 fl, dem Franz Fortunat Miniati Freiherrn von Campoli und dessen Gemahlin, seiner Mahm, das schuldige Capital von 7000 fi., den vier Töchtern seines verstorbenen Bruders, und zwar der Frau Anna, vermählten Gräfin Gellhorn, der Frau Barbara, vermählten Baronin Skrbensky, der Catharina, vermählten Gräfin von Osteschau und der Frau Franeisca, vermählten Freiin von Kalkreuth, je 400 fl. Ferner ver- schafft er verschiedenen Freunden und Kameraden Legate von 2000 1., resp. 1500 fl, 100 Ducaten, 400 fl. und 150 f. Zum Universalerben ernennt er seine Gemahlin Anna Maria Theresia Gräfin Sack, geb. Freiin von Hartig. Falls letztere auf diese Ver- lassenschaft verzichten und sich mit dem begnügen sollte, was ihr die Ehepacta (abgeschlossen zu Wien am 24. Sept. 1701) zusichern, so wird statt ihrer Bernhard Jos. Skrbensky Freiherr von Hřistě und Schönhoff Universalerbe. Zum Testamentsexecutor ernennt Graf Sack seinen Schwager Michael SchubirZ Freih. von Chobinie und verschafft ihm in tesseram gratitudinis seine beiden zusammen- gehörigen Häuser in Olmütz. Sollte letzterer vor dem Grafen Sack sterben, so tritt an seine Stelle Franz Fortunat Miniati Freih. von Campoli, dem dann die genannten Häuser zufallen sollen. Datiert: Olmütz, 17. Oct. 1723. Zeugen: Franz Michael Schubirz Freih. von Chobinie, Franz Fortunat Miniati Freih. von Campoli und Joseph Zialkowsky von Zialkowitz. Dieses Testament nahm später neben einigen unwesentlichen Änderungen und Ergänzungen noch folgende wichtige Anordnung auf: „Die übrig bleibenden Capitalien sollen völlig zur Erbauung einer Academia in Olmiitz

verbleiben und nach dem Projecte des Schwagers Baron Schubirz, sowohl zum Bau als auch für die Exereitien-Meister und zur Unter- haltung der adeligen Jugend verwendet werden. Olmütz, 15. Aug.1724.“

10. Anna Salomena Reichsgräfin von Raduit de Souches, web. Reichsgräfin von Aspermont und Reckheim, verlangt, falls sie zu Wien oder zu Znaim sterben würde, unweit des Hochaltars bei den Patribus Franciscanern, falls sie aber zu Prag aus dem Leben scheiden würde, bei den Ursulinerinnen auf der Neustadt beerdigt zu werden. Sie widmet 100 fl. für Seelenmessen und legiert den Armen auf den de Souchischen Gütern 100 fi., dem Jungfrauen- kloster St. Lorenz in Wien 100 fl., dem Spital zu Paulitz 100 4, der Kirche unser lieben Frauen zu Maipitz 100 fl., der neuen Kirche zu Reckheim 100 fl, den Ursulinerinnen auf der Neustadt zu Prag 100 fl. Sie begehrt, dass dort, wo sie begraben würde, ein kleiner Grabstein gemacht und ihr Namen und Wappen darauf gesetzt werde. Zum Universalerben setzt sie ihren Stiefenkel Graf Karl Jos. von Raduit de Souches ein. Sollte dieser ohne männliche Erben sterben, so fällt das Vermögen den 3 hinterlassenen Kindern ihres Gemahls oder deren Erben zu, und zwar dem Grafen Hans Ludwig de Souches, der Gräfin von Thurn, geb. Gräfin de Souches, und den Erben des seeligen Grafen Karl Ludwig de Souches. Der zwischen der Gräfin de Souches und dem Grafen de Souches (Ger- haben) in Bezug auf ein Capital von 20.000 fi. abgeschlossene Ver- gleich de dato 5. Oct. 1694 soll in Kraft bleiben. Testaments- executor soll der Prälat vom Kloster Bruck sein. Datiert: Znaim, 21. Juni 1717. Zeugen: Peter Schullern, kgl. Richter allda, Georg Adam Schlossig, Joh. Georg Hoheneyser, Syndicus, Michael Martin Freyberger, Ernst Felsenekher. Publieiert zu Brünn, 30. Sept. 1729.

Ein am 1. Oct. 1722 abgefasstes Codicill zu diesem Testa- ment enthält folgende Punkte: Die Gräfin verlangt, in der Pfarr- kirche zu St. Jakob in Brünn neben ihrem Gemahl Graf Ludwig Raduit de Souches bestattet zu werden und wünscht, dass auf den Gruftstein ihr Name und Wappen gesetzt werde. Sollte aber zu dieser Zeit des Grafen Monument wider alles Erwarten noch nicht fertig sein, so soll zur Fertigstellung ein Betrag von 1000 fl., eventuell noch mehr gegeben werden. Die Verlassenschaft der Gräfin ist vom Prälaten vom Kloster Bruck erst dann auszufolgen, bis das Monu- ment fertig sein würde. Zeugen: Ernst Franz Dubsky Freih. von

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Trzebomyslitz, Wolf (?) von Deblin, Karl Siegm. Dubsky Freih. von Tržebomyslitz. Publiciert zu Brünn, 30. Sept. 1729.

11. Maria Anna Freiin von Forgatsch, geb. Freiin Zawisch von Ossenitz, will, dass nach ihrem Tode 133 heil. Messen gelesen werden, jedoch die 33 in Ungarn ob der Festung Racza, bei dem Gnadenbild, welches sie dort verlassen habe. Sie legiert den armen Offiziersfrauen 53 fl, den Invaliden 5 fl., ihrem Gemahl Jos. Freih. von Forgatsch, k. u. k. Obrist-Lieutenant und Commandant zu Gradisca in Ungarn, alles Tischsilber, ferner das große St. Thomaser Marienbild, das emaillierte Besteck, eine schildkrottene Tabatiere in Gold gefasst, dann von 3000 fl. den usum fructuum ad dies vitae. Nach dessen Tode sollen 2000 fl. den Universalerben, das dritte Tausend aber den freiherrlich Kottulinsky’schen 2 Töchtern Wal- burga und Johanna Freiinnen von Kottulinsky, ihren Nießen, in gleichen Theilen zukommen. Sie legiert ferner ihre goldene Uhr und eine als Blumenkôrbchen gefasste Haarnadel der in Wien wohnenden Obrist-Lieutenantin Baron Wetzlin, geb. Schirmthalerin, 2 goldene Ringe mit Diamanten, dann eine mit Gold eingelegte schwarzschildkrottene Tabatiere der Frau Baron Schanderin, ein schildkrottenes Zupftrügerle mit vergoldetem Beschlag nebst einer in Gold gefassten Reliquie vom heiligen Joh. von Nepomuk mit der Autentique, dann einen der schönsten Rosenkränze der Frau Josepha von Fragstein, geb. von Zeno. Die Schwägerin, Frau Antonia Freiin Zawisch von Ossenitz, geborene von Fragstein, erhält eine Haarnadel, besetzt mit Diamanten und Rubinen, einen Geld- beutel mit goldenem Gesperr, ein mit Silber beschlagenes Zupf- trügel, worauf ein Wappen befindlich, der Neffe Baron von Zawisch einen Brillantring nebst einem auf Kupfer gemalten Ecce Homo- bild und einem Bild der weinenden heil. Jungfrau Maria. Zum Universalerben wird Emanuel Zawisch Freih. von Ossenitz, Herr auf Sponau, Landmer und Bernhau, kais. Rath und Hauptmann des Olmützer Kreises, Trübauer und Goldensteiner Viertels, ernannt. Datiert: Olmütz, 19. Oet. 1758. Zeugen: Wilhelm Graf von Waffen- berg, Georg von Fragstein und Nimbsdorf, Josef von Marder- feld. Publieiert zu Brünn, 17. Mai 1768.

12. Anna Constantia, verwitwete Miniati Freiin von Campoli, geborene Zialkowsky von Zialkowitz, wünscht in der Stiftsgruft bei den Minoriten in Brünn beerdigt zu werden und widmet 250 Al. für 500 heil. Messen (zu lesen bei den Minoriten, Kapuzinern,

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Franciscanern und Dominicanern). Ihrer Enkelin Johanna Nepo- mucena, vermählten Gräfin d’Aijasasa, geborenen Gräfin von Hoditz, vermacht sie 9000 fl, zur Auszierung der Stiftskapelle 200 1., dem Stiftsfräulein Anna Zialkowski 100 fl., den invaliden Soldaten 15 fl., dem Stadtspital 10 fl. Zur Universalerbin wird die Tochter Anna, vermählte Gräfin von Hoditz, geb. Miniati, Freiin von Campoli, eingesetzt. Datiert: Brünn, 14. Sept. 1756. Zeugen: Christoph Minckwitz, Herr und Freiherr zu Minckwitzburg, Franz Anton Ržikowsky von Dobřitz, Valentin Anton Vevier von Blumenberg. Publiciert 27. Aug. 1759.

Brünn im 14. Jahrhundert.

Von Hans Welzl.

Von großen Ereignissen wissen auch Geschichtsforscher und Chronisten aus der Zeit des 14. Jahrhunderts nicht viel zu be- richten, noch viel weniger war bisher bekannt, wie Brünn damals ausgesehen, ob es eine bedeutende Stadt war u. s. w. Erst seitdem das Stadtarchiv zugänglich geworden, bot sich Gelegenheit, die reichen Schätze desselben durchzusehen und herauszuheben, was von Wichtig- keit erschien. Wir haben die Losungsregister der Jahre 1348, 1365, 1367, 1387 und 1389 zum Gegenstande unseres Studiums gemacht und wollen im folgenden versuchen, ein Bild der Stadt Brünn zu entwerfen, soweit sich ein solches nach den genannten Quellen dar- stellen lässt.

Brünn gehörte jedenfalls zu den bedeutendsten Städten der Ostmark nicht nur, sondern auch des ganzen deutschen Reiches; es hatte schon damals weit mehr als tausend Häuser, wovon etwa 500 innerhalb der Mauern, und dabei ist zu bemerken, dass ein großer Theil der heutigen Stadt nicht der Stadt steuerte, sondern einem anderen Grundherrn, so ist z. B. ganz Altbrünn nicht mit- gerechnet. Wenn wir annehmen, dass in jedem Hause der eigent- lichen Stadt etwa zwanzig, in jedem Vorstadthause an zehn Be- wohner lebten, so ergibt das eine Bevölkerungszahl von 15.000. Aus der Steuerleistung dürfte sich auch ein Schluss auf die Erwerbsverhältnisse ziehen lassen; das Losungsregister des Jahres 1365 nun sagt uns: es zahlte damals das erste Stadtviertel an Steuern 141!/, Mark und 15 Groschen, das zweite 138 Mark weniger 17 Groschen, das dritte 1351/, Mark und 4 Groschen und das vierte 131 Mark weniger 10 Groschen. Die genannten Beträge gelten

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für ein halbes Jahr, und es hatten also die Steuerträger der vier Stadtviertel, wenn wir einer Mark den Geldwert von zwanzig Gulden (40 Kronen) beilegen, etwa 21.300 Gulden oder 43.600 Kronen jährlich zu zahlen. Für die damaligen Verhältnisse gewiss ein recht bedeutender Betrag. Nebenbei sei bemerkt, dass die Steuern zu Georgi und Michaeli gezahlt und verzeichnet wurden.

Brünn, die eigentliche Stadt, war mit Mauern umgeben; die Thore waren dieselben, wie die in späteren Jahren, nämlich das Juden-, Menser-, Renner-, Frôhlicher- und Brünnerthor. Außerdem wird auch das Pförtchen in der Krapfengasse erwähnt; im Register von 1348 heißt es: „Habler pistor claudit portulam“, d. h. der Bäcker Habler, der im unteren Theile der Krapfengasse Hausbesitzer war, hatte täglich das Pförtlein in der Mauer daselbst abends zu schließen und morgens zu öffnen.

Die Losungsbücher führen die Gassen der Stadt nicht an, sondern sie bringen bloß die Stadtviertel, und zwar in nachstehender Reihenfolge: Quartale Brunnensium (Brünner Viertel), Quartale letorum (Fröhlicherviertel), Quartale Cursorum (Rennerviertel) und Quartale Menesensium (Menserviertel). Vom Jahre 1389 an heißt es bloß: erstes, zweites, drittes und viertes Viertel. Zu den einzelnen Vierteln gehörten schon damals dieselben Plätze uud Gassen wie in den späteren Jahrhunderten. (Wir verweisen diesbezüglich auf unsere Abhandlung „Brünn am Ausgange des Mittelalters“). Es finden sich übrigens zerstreut folgende Gassennamen vor: Forum piscium (Fischmarkt, heute Dominicanerplatz); Forum inferius (der untere ‚Markt, heute Großer Platz); In angulo (im Winkel, im dritten Viertel); Ramhof (Rahmenhof, im Volksmunde „in der Rahm“ oder „Rohmhof“ geheißen, im unteren Theile der Krapfengasse links); platea letorum (Fröhlichergasse, noch heute); inter currifices (Wagnergasse, Theil der Adlergasse); platea monalium (Nonnengasse, noch heute); Rosen- gassel (noch heute); Menzgazil (Mensergasse, heute Adlergasse; damals gab es in der Nähe Weingärten); platea St. Jacobi (Jakobs- gasse, wie heute); Plateola (das Gässchen, damals Krämergässchen, heute Schustergasse); Serratores (Schlossergasse, wie heute); Geyzgass und Gaißgessel (wie heute); Retro Monasterii (hinter dem späteren Jesuitenkloster); platea Boemorum (Böhmergasse, jetzt Josefsgasse, wo die Freudenmädchen in vier Häusern wohnten, erwähnt wird auch eine Dorothea als Musa Meretricum zum Jahre 1387, und zwar nicht hier im vierten, sondern im ersten Viertel); schließlich

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circa murum (an der Mauer, etwa dort, wo sich heute die Reitschul- gasse erstreckt).

Besser als in der Stadt, sieht es in den Vorstádten aus; wir erfahren námlich hier die Bezeichnung der Gassen ziemlich genau. Im Jahre 1348 finden sich verzeichnet: Extra civitatem (auBerhalb der Stadt, hier vor dem Judenthor); Quartale Cerdonum (Gärberviertel); Quartale super Anger (Am Anger); Ultimum Quartale (letztes Viertel); extra Letzam (auBerhalb der Letz); Hertlingasse; in plantatione Magistri Hermanni (auf der Pflanzung des Meisters Hermann); Schwabengasse (platea Suevorum); unter dem Spilberch; vor dem Brünnerthor; unter dem Purtzelpuhil (= Franzensberg); in parcanis (an den Thoren); nebenbei wird auch außerhalb der Eintheilung Grilbitz erwähnt. Zum Jahre 1365: Extra Judaeorum; extra Menesensium; Plantatio Elendi (Elend-Gessel); Gärbergasse; - jenseits der Ponavia; auf dem Anger; Sterzergasse; außerhalb des Fröhlicherthores; die kleine Gasse; Hertlin- oder Hertilgasse; Schwabengasse; Kammergasse; außerhalb des Brünnerthores; unter dem Purzelpuhel. Außerdem kommen vor: Linea (Zeile); Dorneich; Schutta (Kröna); weiter der Rothe Berg, Kuhberg (Chuperg und Cuperg), der Steinberg, der Locherperg (auf der Bäckergasse gegen den Krankenhausgarten), alle Berge ausdrücklich als Weinberge angeführt, schließlich auch die Laymgrube (Lehmstätte, heute Schreibwaldstraße). Schon in diesem Jahre werden mehrere Chunigs- felder (Königsfelder) als nach Brünn steuernd genannt. Im Jahre 1367: Extra Judaeorum; Extra Menesensium; Plantatio Elendi; Ultra Ponaviam; In aggere; Sterzergasse; extra Cursorum; extra letorum; parva platea (kleine Gasse); Schwabengasse; extra Brunensium. Im Jahre 1387: Extra Judaeorum; außerhalb des Menserthores am Thor; außerhalb des Menserthores auf der Schutta; wenn man zum Menserthor zurückgeht; beim hlg. Martin (auf der Króna ein Spital); wenn man von St. Martin zum Menserthor hinübergeht; Krotengassel; Ellendgassel; Zeile; wenn man von der Zeile hin- übergeht; auf der Straße vor dem Menserthor; nächst dem Menser- thor; Panagassel; Huetergassel; Hottirgasse; Supra Flecta (?); Straße am Graben; wenn man zum Rennerthor zurückgeht; außerhalb des Rennerthores; außerhalb des Fröhlicherthores; Durneustift (nicht zu verwechseln mit der heutigen Neustiftgasse); Hertilgasse der Stadt; wenn man von der Hertilgasse zum Fröhlieherthor hinüber- geht; Camergasse; Schwabengasse, wenn man am Ende anfängt

I (@ 2)

unterhalb des Bohusch; Schwabengasse; außerhalb des Brünnerthores; auf dem Allerheiligen Gut (— Bäckergasse, mittlerer Theil); unter dem Purezenpuchill. Außerdem wird die Grilwiezgasse genannt. Im Jahre 1389: Erstes Judenthor-Viertel; außerhalb des Menser- thores; wenn man zu St. Martin zurückgeht; bei St. Martin; wenn man von St. Martin hinübergeht; Krotengessel; Ellendgessel; Zeile; wenn man von der Zeile hinübergeht; auf der Straße vor dem Menserthore; um das Menserthor; auf dem Anger; Banagessel; Huetergessel; Hottergasse; Straße am Graben; außerhalb des Renner- thores; außerhalb des Fröhlicherthores; Durneustift; Hartilgasse der Stadt; Camergasse; Schwabengasse, wenn man am Ende anfängt; Gasse oder Zeile einst des Bohusch, jetzt des Herburgerklosters; Schwabengasse; außerhalb des Brünnerthores; auf dem Allerheiligen- Gute; Purezenpuchel.

Manche der Gewerbe waren nach Gassen vertheilt, und erhielt darnach die Gasse ihren Namen. Zum Jahre 1365 finden wir im ersten Viertel verzeichnet: 7 Krämer, 6 Schänker, 5 Schneider, je 3 Mälzer, Bäcker, Schuster und Peratores, je 2 Kürschner, Helm- schmiede, Ärzte, Lehrer, Schmiede, Sporner, Gürtler, je 1 Weber, Wirt, Goldschmied, Maurer, Pabulator, Würfler, Messrer, Glocken- gießer, Cannelator, Tändler, Gerber, Schlosser, Zinngießer, Taschner, Panzerschmied, Wachsgießer, Kaufmann, Bogner, Sattler und Börsen- macher. Im zweiten Viertel: 13 Fleischer, 9 Goldschmiede, 7 Schuster, 4 Schneider, je 3 Schmiede, Maler, Schlosser, Weber und Schwert- feger, je 2 Schänker, Kürschner, Mälzer und Bäcker, je 1 Tischler, Messrer, Glaser, Krämer, Sandalenmacher, Advocaten, Helmschmied, Arzt, Tuchscheerer, Tuchschneider und Panzerschmied. Im dritten Viertel: 10 Tuchmacher, 9 Bäcker, 6 Kürschner, je 4 Flickschuster und Schänker, je 3 Tuchschneider und Mälzer, je 2 Lehrer, Pabu- latores, Münzprüfer, Schuster, Schmiede, Kaufleute und Weber; je 1 Tischler, Apotheker, Schlosser, Drechsler, Scharher, Maurer, Helmschmied, Tändler, Gürtler, Mäntler, Schwertieger, Fleischer, Wirt, Fuhrwerker, Krämer und Schneider. Im vierten Viertel: 6 Schänker, je 5 Kürschner, Schmiede und Sattler (Sattlergasse), 4 Mälzer, je 3 Fuhrwerker, Schneider und Ziegelstreicher, je 2 Schuster, Tuchmacher, Krämer und Müller (ihre Mühlen natürlich waren außerhalb der Mauern), je 1 Glaser, Woller, Flickschuster, Wirt, Bäcker, Brunnenmeister, Badhausbesitzer (in der jetzigen Johannes- gasse, durch welche bekanntlich ein Bach floss), Fleischer und

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Apotheker. Vor dem Judenthor finden wir unter anderen 11 Málzer, 7 Gerber, 6 Fuhrwerker, 5 Sandführer, je 4 Fischer, Schuster und Fassbinder; vor dem Menserthor 5 Gerber; in der Gerbergasse 5 Gerber und 6 Wagner; jenseits der Pona 5 Gerber; auf dem Anger 3 Tuchmacher; in der Sterzergasse 4 Hutmacher und 3 Fass- zieher; auBerhalb des Rennerthores 2 Fassbinder; vor dem Fróh- licherthor je 4 Fassbinder und Stocker; in der Hertlingasse 5 Hauer, 4 Kürschner und 3 Bäcker; in der Schwabengasse je 3 Schuster und Maurer; vor dem Brünnerthor je 3 Wagner, Bäcker und Bürsten- binder, je 2 Pfannenschmiede, Kuttler und Läufer.

Im Laufe des Jahrhunderts finden wir einen Advocaten von Jägerndorf (1348) und einen Nikolaus, Advocaten von Wischau (1365).

Apotheker: Augustinus (1365) in der jetzigen Kirchen- gasse; Martinus (1365) im vierten Viertel Nr. 92 retro in domo Gunschlini, also die heutige Apotheke „Zum rothen Krebs“, aller- dings nicht an jener Stelle, wo sie sich heute befindet, wir kommen darauf noch zurück; im selben Jahre erscheint auch ein Martin apothecarius, und zwar als Inwohner des Hauses im ersten Viertel, und zwar jenes Hauses, das heute Herrn Krbeezek gehört und die Nummer 2 der Rathhausgasse trägt. Ob es derselbe ist, wie der zuerst Genannte, lässt sich nieht behaupten, doch wohl vermuthen. Später (1389) kommt ein Petrus apothecarius im selben Hause der Rathhausgasse als Inwohner vor, 1387 ein Thomas als In- wohner in einem Hause des zweiten Viertels.

Von Ärzten werden genannt: Henslin (1365 und 1367), ein Magister Petrus (1365 und 1367), ein Ungarus 1365 als Inwohner und ein Meinlinus 1948.

Bäder: Zum Jahre 1848 heißt es bei einem Hause des zweiten Viertels (wohl Fröhlichergasse): „wo einst das Bad war“; im selben Jahre kommt ein Bad im vierten Viertel (in der Johannes- gasse) vor, ein weiteres, das des Nikolaus, vor dem Judenthore, ebendaselbst das „mittlere Bad“ (medium balneum), das des Mostlim ‘im Gerberviertel und eine stuba balneatoria unter dem Purczelpuhel. Im letzten Viertel der Vorstadt erscheint ein Bad zum Jahre 1348, das den merkwürdigen Namen „balneum curiorum“ führt. Als Badhausbesitzerin in der Johannesgasse wird 1365 eine Anna er- wähnt, vor dem Judenthore ein Ortlin, unter dem Felsen (sub saxo, Purtzenbüchel) ein Bad ohne den Namen des Besitzers, in der Hertilgasse Dietlin Slepiez. Im Jahre 1367 taucht ein balneum

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clipeatorum vor dem Judenthore auf, der Besitzer heißt Ortlin; eines in der Schwabengasse; im Elendviertel ein Henslin. Zum) Jahre 1387 heißen die Badehausbesitzer vor dem Judenthor Jaxo und Mix; erwähnt wird weiter ein Bad an der Pona im Elendgessel, ein Hensil als Besitzer eines Bades dort, wo man von der Zeile hin- übergeht (transeundo de Linea), als Badhausbesitzer unter dem Spielberg ein Mertlin. 1389 heißt ein Badhausbesitzer vor dem Judenthore Paul, der unter dem Purezenpuhel Ulmann.

Als Glockengießer (Fusores campanorum) werden genannt Henslin (1348) vor dem Brünnerthore, im selben Jahre ebendaselbst eine Glockengießerswitwe, zum Jahre 1365 erscheint ein Henslin als Hausbesitzer im ersten Viertel, 1387 ein Johannes ebendaselbst. Jesko (1348) und Mathias (1367) dürften wohl nieht Glocken- gießer, sondern Glöckner gewesen sein, da sie als campanatores an- geführt werden.

Als Goldschmiede werden verzeichnet: Nikolaus, Henslin, Enderlin, Friedlin, Henlin, Rudlin und die Goldschmiedin Endlina, sämmtlich 1348; Ulrich, Heinrich, Nikolaus, Meister Peter, Wicko, Vincenz, Heinrich (Goldschmied des Markgrafen), sámmtlich 1365; Hermann, Paul, Chunzo, Heinrich, Nikolaus Koppel, Heinczo, 1367; Nikolaus, Peter Karoder, Friez Sarwert, Nikol der Alte (antiquus) und der Czipser, 1387; Martin, Johannes, Nikolaus Niger (Schwarz) und Ludovicus, 1389.

Sehulen gab es zwei, eine bei St. Peter, wohl auf dem Peters- berge selbst, und eine bei St. Jakob. Ein Schulreetor kommt 1365 vor, als magistri scholae werden genannt Ulrich und Bartholomäus als magister liberorum 1365 ein Martin.

Als Kaufleute (mercatores) führen die Losungsregister an: Andreas und Nikolaus Titzo, 1348; Martin und Hertlin, 1565; Gleins, 1367; Dietlin 1337.

Von Malern finden wir erwähnt: Ulrich, Nikolaus, Georg, Leupold und Frenzlin, die beiden letzteren in der Vorstadt, 1348; Pesko, Nikol Slahynhausen und Rorwolf, 1365; Johann Veldorffer, Michel, Mix und Jesko, 1387.

Als Mühlen und Müller werden genannt: Commendator habet molendinum Poherlitzeri (vor dem Judenthor), Hermann, ebenfalls dort, 1348; Johannes Alrami auf dem Dornich, Mauriz und die Mühle des eommendator, 1365; Nikolaus, der Bruder des Brabliez, Johannes, Johann Slemkittel vor dem Judenthor, die Judenmühle,

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der Stadt gehörig, vor dem Judenthor, die Mühle der Augustiner und die Miihle Crenau, 1387.

Die Zahl der Gewerbe ist eine sehr große; es ist oft nur schwer, ja fast unmöglich, die Bedeutung der einzelnen Gewerbe festzulegen, und müssen wir dies einem Berufeneren über- lassen. Lesen wir z. B. das Wort „Sarwoch, Sarwrch oder Sar- wert“, so vermuthen wir darunter einen Familiennamen von einer unerklärbaren Bedeutung. Nun bemerkt aber H. A. Berlepsch in seiner „Chronik der Feuerarbeiter“, St. Gallen 1852: Sarwürche, Sarwetter, Sarworchte, Sarwurchte u.s.w. Sar der Panzer, worchen oder worchten arbeiten, wetter Weber, Sarwetter Panzer- weber. Als erster Sarworcht wird nach dem Genannten 1348 ein gewisser Herl in Nürnberg erwähnt. In Brünn kommt nun um dieselbe Zeit nicht nur der Sarworch als Gewerbe vor, es ist diese Bezeichnung sogar schon zum Familiennamen geworden. Um zu zeigen, welche Gewerbe und Beschäftigungen im 14. Jahrhundert vorkamen, führen wir die Bezeichnungen dafür in alphabetischer Reihenfolge an, ohne eine Gewähr dafür zu übernehmen, ob es lauter gewerbliche Namen sind. Wie schwer es ist, das Richtige zu treffen, sei beispielsweise bemerkt, dass an einer Stelle ein Peter Orgelmeister pistor erscheint. Ist dieser Orgelmeister ein Bäcker, oder spielt ein Peter Bäcker die Orgel? Die gesammelten Bezeichnungen lauten:

Angießer, Apotheker, Aquaeductor (der städtische Brunnen- meister), Arvenator, Arzt, Auftrager.

Bäcker (Mutelpek, Magerpek, Smerpek), Balher, Ballister, Barchenter, Besetzer, Beutler, Binder, Blymer, Bogner, Bolzmacher, Bolzschnitzer, Bräuer, Brettschneider, Bursator, Bürstenbinder.

Candelator, Canulator, Caupo (Krämer und Schenker), Cer- dones (Lederer, Gerber, es gab cerdones theutoniei et boemi), Cingu- lator (Gürtler), Cireulator (Zirkelsehmied), Cirologus und Criologus, Corrigiator (Lederer), Cutellator (Kuttler).

Eisenzieher, Eisner, Examinator argenti (Silberprüfer).

Fartor (Wurstler), Fassbinder, Fasszieher, Fedrer, Ferator, Ferrinator, Figellator (Töpfer), Fischer, Fistulator und Fistellator (Pfeifer), Fleischer, Frenifex (Riemer), Fuetrer.

Galaczer, Galeator (Helmschmied), Gärtner, Gerichtmacher, Glaser, Glockengießer, Golatscher, Goldschlager, Goldschmied, Graupner (grupifex), Gürtler.

Zeitschrift des mähr. Landesmuseums. II, 1. 6

Hacker (Fleischer), Hafner, Handschuster, Handstocker, Hand- stricker, Harsieber, Hauer (Fleischer), Hecker, Herbler, Heringer, Herold, Heusieber, Hirt, Holzhauer, Holztráger, Hutrer.

Ircher (Gerber).

Kammacher, Kardenmacher, Karrner, Kaufmann, Klampfer, Klingenschmied, Koch, Kocherer, Kohlenhándler, Kolatscher, Krámer, Kránzlerin, Kráuterer, Krechler, Kupferschmied, Kiirschner, Kuttler.

Laborator (Arbeiter), Lanifex (Woller), Láufer, Lebkucher, Lebzelter, Lederer, Leinwater, Leinweber, Leistenschnitzer, Lichtmeister, Lineator (Schnürer?), Loreator, Lorifex.

Maler, Málzer, Mango (Hándler), Mántler, Maurer, Mazancer, Messrer, Methsieder, Metzner, Miiller.

Nagler.

Oleator, Oler, Orgelmeister, Ovatrix.

Pabulator, Pancerator, Panniparius (Tuchbereiter), Par- chanter, Paternoster, Pauker, Pechrer, Perator, Pergamentmacher, Pfannenschmied, Pfeilschmied, Pflugler, Picariator, Pincerna (Schenk), Pisator, Plattner, Portler, Portulanus, Praeemptor lignorum (Holz- hándler?), Praefator, Praelocutor, Puchrer, Pullator, Pultifex (Brein- macher?)

Quatfurer.

Recher, Reffler, Renovator (an einer Stelle heißt es „reno- vator calciorum), Reyßner, Riemer, Rosenkreuzer, Rothschmied, Rynkner.

Salsator, Saltzer, Salzschütter, Sarher, Sarwoch, Sarwreh und Sarwert, Sattler, Saurer, Sauschneider (Castrator), Scharher, Scheller, Schlosser, Schmied, Schneider, Schnürer, Schreiner, Schuster, Schüssel- schmied (lebetarius), Schwertfeger, Scopifex (Bürstenbinder), Seutel- lator (Plattner), Sensenschmied, Seiler, Siebenbinder, Slaher, Socker, Soleator (Sandalenmacher), Speeulator, Sporner, Stebler, Steinbrecher, Steinmetz, Stelzer, Sterzer, Stifler, Stocker, Stockfürer, Stocktrager, Strohschutler, Stuler, Subemptor.

Tagwerker, Tändler, Tascher, Taschner, Tesserator (Würfler), Tischer, Tomator (Würstler?), Töpfer, Torifex, Tornator (Drechsler), Trager, Triturator (Drescher), Trommler, Tuchmacher (pannifex, panni- parius), Tuchscheerer (rasor pannorum), Tuchschneider (pannieida).

Unraterin, Unsliter.

Vector, Viehtreiber, Vigellator, Vinitor (Winzer), Viteator (Glaser).

Wachsgießer, Waffenschmied (armifex), Wagner, Walker,

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Weber, Weinbrenner, Winzer, Woller, Wollschlager, Wollslaher, Woll- weber, Würfler.

Zaunstricker, Zechsager, Zichner, Ziegelbäcker (nach ihnen heißt die Bäckergasse so), Ziegelstreicher, Ziegler, ZinngieBer.

Der Hauptverkehr in der Stadt spielte sich natürlich auf den Plätzen, vor allem aber in der Nähe des Rathhauses ab. Die meisten Krämer waren in der heutigen Rathhausgasse und im da- maligen Kramergassel (Schustergasse); erwähnt werden z. B. 1365 ausdrücklich die „Jnstitae turris“ (offenbar im Rathhause selbst). Die Bezeichnung „Reichskramen oder Reiche Kramen“ (für die heutige Rathhausgasse) findet sich nicht angeführt.

Als Beleg, wie ein Stadthaus, das sich für den Handel und Verkehr besonders eignete, damals aussah, führen wir das Haus Nr. 19 auf dem Großen Platze (das gegenwärtig Titl’sche Haus) an. Das Gebäude, das sich vom Großen Platze um die Ecke in die Herrengasse hinein bis zum Graf Serenyischen Hause erstreckte, hatte, wie man aus dem bekannten Gemälde im mährischen Landes- museum ersieht, ringsherum Läden, in welchen verschiedene Gewerbs- leute ihre Waren verkauften. Wir finden nun bezüglich dieses Hauses in den Losungsbüchern für unsere Zeit bemerkt: 1348 ge- hörte das Haus dem Dietlin Mauricii, als Inwohner werden ge- nannt: der Glaser Nikolaus, der Schneider Haiden, die Goldarbeiter Rudlin und Jenlin, der Rothschmied Vluschius, ein Sarwreh, der Schwiegersohn des Greschlin, ein Herstol und Henslinus von Poherlitz. 1365 ist Hausbesitzer Smylo von Leschnitz, Parteien: der Gold- arbeiter Paul, der Panzerschmied Henslin, der Schwiegersohn des Tafelinger, der Goldschmied Chunzo, der Schwertfeger Mixo, die “Tuchhändler Heza und Thomas, der Schneider Wolsko, der Panzer- schmied Peter und Sweblin von Auspitz. 136% Besitzer der Gold- schmied Paul, Inwohner: der Maler Nikol Slahinhausen, der Schwert- feger Mix und der Goldschmied Heinezo.

Dass sich einzelne Gewerbe in bestimmten Häusern Jahr- hunderte lang zu erhalten vermögen, sei uns an zwei Beispielen zu zeigen gestattet. Die Apotheke „Zum rothen Krebsen“, wie es brünnerisch heißt, ist uralt, doch befand sich diese Apotheke bis etwa 1560 nicht in der jetzigen Ferdinandsgasse (ehemals Sattler- gasse), sondern ums Eck herum in der Bürgergasse (jetzt Johannes- gasse), erst um 1560 erscheint sie an ihrer jetzigen Stelle. Als Apotheker daselbst werden in den Losungsbüchern und Schema-

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tismen genannt: 1865 Martin, 1471 Lukas, 1497 Johann Frech, 1537 ein Johann, genannt Aromator, 1560 Haus Frech, 1583 Christof Petsch, nach ihm Jeronimus Schwender, Steindorf, 1609 Paul Schu- mann, 1617 Johann Ritter, Linhard Jechli, 1634 Johann Sebastian Thimm, 1637 Martha Thimm, 1638 Valentin Göttlmann, 1648 Franz Thimb, 1657 Johann Paul Schmid, 1680 Hans Nass, 1744 Martin Zips, bürgl. Apotheker, 1774 Ignaz Pokan, 1785 Ignaz Bocken, 1794 Vincenz Gottlieb, 1806 Johann Honel, 1827 Friedrich Kurz- weil, 1803 Johann Gottlieb, 1867 dessen Erben, gegenwärtig kaiser- licher Rath und Apotheker Leopold Lusar.

Ein uraltes Geschäftshaus ist die Bäckerei auf dem Stadthof- platze N°/, 6, ihr Entstehen reieht in die von uns besprochene Zeit zurück. Im Jahre 1389 schon erscheint als Inwohner der Bäcker Hannikus. Weitere Bäcker als Hausbesitzer: 1442 Hanko (derselbe.?), 1499 Mathias Fleck, Benesch Rettl, 1536 Johann Pelinger, 1583 Georg Johann Pellinger, 1634 Hans Rodr, 1649 Christian Süß, 1683 Johann Schultz, 1719 Hans Schultzische Erben, 1744 Michael Köck, Josef Richter, 1774 Josef Jansa, 1794 Josef Bauslaw, 1806 Franz Bauslaw oder Bohuslaw, 1853. Johann Wimmer, 1867 Fer- dinand Gärtner, Eduard Gärtner, 1901 Franz Albrecht, Bäcker. Es wird also seit wenigstens 1389 die bürgerliche Bäckerei auf diesem Hause betrieben. Gott segne das ehrliche Handwerk:

Der Häuserbesitz war im 14. Jahrhundert fast ausschließlich bei den Gewerbs- und Handelsleuten; Bürger, die allein vom Hausbesitze lebten, gab es bei der geringen Erträglichkeit der Häuser offenbar damals nicht. Adel und Kirche hatten aber ebenfalls ihren Autheil, so finden wir als Hausbesitzer im Jahre 1348: Woczko von Holenstein; den Klostervorstand von Tischnowitz; den Pfarrer von Lettowitz; Lambert, den Vorstand von Oslawan; die Herren von Boskowitz; den Pfarrer von Moneis; den Klostervorstand von Raigern; die Herren von Rossitz; Eberhard von Kunstadt; den Prediger des Königinklosters; Elsa vom Königinkloster; den Vorstand von Kanitz, der einen Hof sein eigen nennt; die Herren von Meseritsch; den Abt von Saar; den Pfarrer von St. Jakob; den Herrn von Stan- nern; den Kapellan vom Spielberg, der ein Haus unter der ge- nannten Burg besitzt. 1365: Peter von Rossitz; Jesko von Dubürz; den Vicar Firmus; den Prediger Peter; Otto von Reskobitz; den Priester Nikolaus; Peter von Radweins; Johannes von Poherlitz; Johannes von der böhmischen Kapelle; Jesko von Krawarn; die

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Herren von Polehraditz; den Markgrafen; die Herren von Liechten- stein (auf dem Fischmarkte); Peter, Kapellan von St. Nikolaus; die Herren von Boskowitz; die Herren von Selletau; die Herren von Meseritsch; die Herren von Lizz; den Richter Jakob von Ror (auf dem Großen Platze); die Herren von Saar; die Herren von Welehrad; den Prediger Nikolaus; die Herren von Sternberg. 1367: die Herren von Lechawitz; die Herren von Rossitz; Woczko von Holenstein; Jesko von Doroskow; den Vicar Heinrich; Otto von heskower; Peter von Wolkenstein; Johannes von Reichenstein; Peter von Poherlitz; Jesko von Crawarn; die Herrin von Polehraditz; die Herren von Liechtenstein; der Klostervorstand von Reusch; die Herren von Boskowitz; die Herren von Selletau; die Herren von Mostitz; die Herren von Lettowitz; den Klostervorstand von Kanitz; die Herren von Meseritsch; Mathias von Luckau; die Herren von Lizz; Unco von Magetein; die Herren von Saar; die Herren von Wellehrad; die Herren von Pelwitz; die Herren von Sternberg; den Pfarrer von Mutnitz. 1387: Czenko von Lettowitz; den Priester Mathias; Johann von Vöttau; Jano von Meseritsch; Wocko von Holenstein; Benesch von Crawarn; den Abt von Bruck; den Kloster- vorstand von Kanitz; den, Herrn von Plumenau (Krawarn); Johann von Liechtenstein (auf dem Großen Platze); den Grafen von Hardeck (auf dem Großen Platze); die Herren von Saar; den Prediger „Umsterloch; den Pfarrer von St. Jakob; das Kloster der hl. Maria der Jungfrau (in der Jesuitengasse); die Herren von Sternberg; nochmals den Pfarrer von St. Jakob, in der Vorstadt am Graben. 1389: Czenko von Lettowitz; den Priester Mathias; die Herren von Vöttau; Hinezo von Lizza; Jano von Meseritsch; Wocko von Holen- stein; die Herren von Krawarn; die Herren von Taunstein; Agnes von Cimburg; Johannes von Liechtenstein; die Herren von Saar; den Pfarrer von St. Jakob; die Herren von Sternberg; den Kapellan Johannes; nochmals den Pfarrer von St. Jakob (auf dem Graben).

Dazu ist auch zu rechnen das Haus des Bischofs (Domus Episcopi, 1348); die sogenannten Capitelhäuser (areae canonicorum), zwanzig an der Zahl, auf dem Petersberge und endlich der Hof der Augustiner (curia Augustinorum) vor dem Fröhlicherthore, 1365.

Von Beamten und Dienern werden theils als Hausbesitzer, theils als Inwohner angeführt: der Gerichtsschreiber Ulrich, der Schreiber Heinrich, der Schreiber Andreas von Neuenburg, der Schreiber Nikolaus, endlich der Kammermeister, sämmtlich 1348;

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Jakob von Ror, Richter; der Notar Busko; Stefan, Richter jenseits der Pona; Peter, Richter in der Hertlingasse; Nikolaus, Richter in der Schwabengasse, alle 1365; der Unterrichter Janusch, der Miinz- meister Peter, der Züllner Laurenz (Thelonator, schon 1348 kommt die Bezeichnung „Zöllner“ vor), alle 1367; der Schreiber Wenzel, Nikolaus von Schenkowitz, Richter; Johannes, Münz- und Salz- meister; der Stadtnotar Johannes, Bernhard, notarius judieis; der Notar Johannes Buntschuch, Nikolaus von Latein, Richter; der Herold Busko, der Richter Matthäus, der Herold Bertlinus, der Stadtdiener, der Stadthirt Busko, der Richter von der Schwaben- gasse Ulmann Refler, der Herold Nikolaus, sämmtlich 1387; der Schreiber Wenzel, der Notar Bernhard, Heba, Herold und Unter- richter (im Wortlaut: praeco subjudex), Johannes cum Wita (?), Notar; ein weiterer Notar Johannes, der Richter Mathias, alle 1389. Endlich sind zu nennen: der Wächter Konrad, der praefator (?) Philipp, der Koch des Markgrafen Jesko, sein Pförtner Markus, der Lichtmeister (magister luminum).

Die Losungsbiicher erwáhnen folgende Kirchen und Klóster: St. Jakob, St. Peter, auch das Consistorium, der Petersberg heißt einfach „Berg“ (Mons), Allerheiligen, Št. Martin, die Herburger Nonnen (die Fleischbank daselbst hat 1367 als Mieter der Schänker Henslin), St. Anna, St. Nikolaus, St. Michael, die Minoriten (fratres minores), St. Ulrich, St. Wenzel, das neue Kloster ( Augustiner, 1967).

Was das „alte Olmützer Haus“ (domus antigua Olomucensis) im ersten Stadtviertel zu bedeuten hat, ist uns unbekannt; wahr- scheinlich hängt es mit dem dortigen Bisthum zusammen. Was „area praeconiae“ (Heroldshaus) besagen will, erwähnt 1367 im zweiten Viertel, lässt sich denken. Ein Räthsel bleibt für uns die Bezeichnung „weiße Stube“ (alba Stuba) im zweiten Viertel aus dem Jahre 1365, nicht weniger die „Katzenstube“ (im Jahre 1367 „Georg, pincerna ex Katzenstuben“) im vierten Viertel. Sollten es Wirtshäuser sein oder hängt die Benennung mit dem Zunftwesen zusammen ?

Christliche Friedhöfe werden nicht erwähnt; bloß des Juden- friedhofes, auf den wir später zu sprechen kommen, wird gedacht. An einer Stelle heißt es bei einem Steuerträger „mortuus est“ (ist gestorben), an einer anderen (1389) „Gott hat mein Seel.“

Der „Speeulator“, der als im ersten Viertel sesshaft be- zeichnet wird, dürfte wohl der Bewohner eines Hauses gewesen

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sein, von dem aus man einen Fernblick auf die Umgebung der Stadt hatte; nach unserer Meinung stand dieses Haus in der heu- tigen Museumsgasse, dort, wo ein Fahrweg auf die Stadtmauer führte. Sollte es das langgesuchte „Lugeck“ sein?

Genau sind im Jahre 1348 die schankberechtigten Bürger verzeichnet, und zwar mit Vermerk „propinatores“, an einer Stelle steht dabei „Vini“. Die meisten derselben wohnen im ersten Stadt- viertel, nur zerstreut kommen solche auch in anderen Vierteln vor.

Was die sogenannten „Conventus“ besagen, die besonders zahlreich in der Nonnengasse vorkommen, ist uns unbekannt. Es findet sich eben so häufig dafür die Benennung „Conventiculae“. Im Jahre 1387 wird ein „Conventus Vetularum“ in der Nonnengasse zweimal erwähnt. Sollten es Versorgungshäuser oder Klöster sein? Ob der Name „Conventor“ damit zusammenhängt, der einigemal verzeichnet erscheint, ist ebenfalls fraglich.

Gehen wir nun zur Bevölkerung selbst über, so mögen uns zunächst die Vornamen beschäftigen. Wir fügen ein alphabetisches Verzeichnis derselben an; einige der Namen dürften wohl schon damals Familiennamen geworden sein. Das Verzeichnis lautet:

Abraham, Abusch, Adam, Agnes, Albert, Albin, Alexander, Alhardis, Aluscha, Anderl, Andreas, Anka, Anglin (?), Anna, Anselm, Antiquus, Arnold, Artleb, Augustin.

Balcko, Balther, Banko, Barthlin, Bartholomäus, Bartusch, Bastian, Beiglin, Benusch, Berlin, Bernhard, Berthold, Bertlin, Biella, Biffo, Bitko, Bitlin, Blusko, Bohunko, Bohusch, Bolka, Brita, Brigitta, Bruno, Budina, Busko, Byeta.

Chinzo, Chnutlo, Christan, Chunetlin, Chunla, Chunzlin, Clara (selten), Clemens, Czepko, Czepan, Czirliko, Czisstil, Cziwik.

David, Delko, Denklin, Diczko, Dietlin, Dietmar, Dominik (selten), Domka, Domko, Duchan, Ducho, Dytil.

Eberhard, Eberlin, Ebrusch, Ebulin, Eckhard, Egidius, Eisla, Elbil, Elblin, Elena, Elias, Elisabet, Els, Elsa, Enderlin, Endlin, Engelhard, Engelmar, Engil, Erhard, Erlinginna, Ernst, Etzlo.

Franko, Frenklin, Frenzel, Frenzlin, Fridl, Fridlin, Friedmann, Friedrich, Fritscho, Fritsko, Fritz (selten), Fuchso.

Gardian, Gebhard, Georg, Gerhard, Gerlach, Geruscha, Gesto, Gidlin, Gilgo, Goblin (sehr häufig), Goldin, Golias (selten), Goppold, Goto, Gottfried, Gozlin, Grehlina, Greschlin, Gulha, Gundel, Gundlin, Gunschlin, Gurgo (selten), Gyetha (?).

Hablick, Haiden, Haiman, Haintzl, Hanamann, Hanko, Hanniko, Hannusch, Hartmann, Hawlik, Haymann, Hebil, Hebo, Heinczo, Heinerlin, Heinlin, Heinlo, Heinmon, Heinrich, Heinusch, Heinzlin, Heinzmann, Helblinch, Henetlin, Heniczo, Hensel, Henslin, Herbard, Herbridus, Heringo, Herink, Herl, Hermann, Herna, Herscho, Hertel, Hertlin, Herzmanko, Heykoman, Heymram, Heynil, Heza, Hinko, Hirnlin, Hirs, Hirsil, Hirsin, Hirslin, Hirso, Histil, Hobusch, Hodislaus, Honetlin, Hrona, Huglin, Hulwado, Husko.

Jakob, Janusch, Jaxo, Jeklin, Jene, Jeno, Jerislaus, Jeschko, Jesko, Jochlin, Johann, Joklin, Jostlin, Irmgard, Irmla, Jursico.

Kaczka, Karl (selten), Katharina, Kolomann, Konrad, Kunla, Kunz (sehr háufig), Kunzlin (sehr háufig), Kunzmann, Kunzo.

Lacha (selten), Lambert, Laurenz, Lebmann, Lebusch, Leo, Leotil, Leublin, Leupold, Leutold, Leuwolf, Liebhard, Liebsta, Liphardus, Loiblinus, Lucia (sehr selten), Luezka, Ludlin, Ludmey, Ludwig, Lukas, Lynlin. |

Magdalena, Mandel, Marchard, Mareta, Margaretha, Markus, Marquard, Mars, Marschinko, Marschko, Marschlin, Marscho, Marsiko, Marsko, Martiko, Martin, Martlin, Maruscha, Mathes, Mathias, Matzko, Mauricz, Maurus, Medwieck (?}, Medwik (?), Meinhard, Meinlin, Meinusch, Merbordo, Merbota, Merboto, Merchlin, Merklin, Merla, Merrol, Merten, Metza, Michael, Michel, Mikoseh, Mikisch, Miko, Milota (einmal), Mitscho, Moscho, Motscho, Muschil, Muscho.

Nicz, Nikel, Nikolaus.

Onuzz, Ortlin, Oswald, Ota, Othmar, Otlin, Otto.

Paltram, Parvus (?), Paul, Pebliko, Peblin, Peblo, Penold, Perdil, Pernold, Persla, Pertlin, Perwin, Peschlin, Pesko, Pesold, Peter, Petirlin, Petruscha, Pezold, Philipp, Piesto, Pilgrim, Pinkus, Prebiez, Preczko, Predek, Prentlin, Preslo, Primus, Probstlin, Prokop, Przibislaus (sehr selten), Puchard.

Ranko, Rapota, Rauchlin, Reichard, Reichlin, Reicza, Reiglin, Reinbot, Reinhalt, Reinhard, Reinherus, Reinlin, Rappil, Reschlin, Restlin, Richtza, Rmila, Rotil, Rotlin, Ruchward, Rudel, Rudger, Rudhard, Rudil, Rudlin, Rudolt, Rudusch, Ruschlin.

Schirmlin, Schwach, Sdenek, Sdenik, Seidel, Seidelmann, Seidlin, Seligmann, Siboto, Simon, Sindram, Smil, Smilo, Smolko, Soboslaus, Sophia (selten), Spilat, Spilota (selten), Stanislaus, Stanrlin, Stefan, Steflin, Steinlin, Stenil, Stenko, Stibor, Stislaus,

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Stumpflin, Sudlin, Suliko, Supan, Swacho, Swatan, Swaton, Swatusch, Sweblin, Swerezil.

Thas, Theodor, Thomas, Tietzko, Tilo, Tomlin, Trautmann, Trestlin, Triestko, Trostlin, Trziesko, Tziecho, Tzimolin, Tzutscho.

Ula, Ullinus, Ulmann (häufig), Ulrich (sehr häufig), Unka, Unko, Utzo.

Veit, Vesko, Vincenz, Vischlin, Voitel, Voitlin, Volland (?).

Waczko, Walko, Walther, Waniek, Wanko, Watzlaus, Weifo, Weiglin, Welen, Weliko, Welisch, Welislaus, Welzlin, Wentla, Wenzel, Wernhard, Wernlin, Wernulin, Wernusch (sehr häufig), Wicka, Wicko, Wiezlin, Wieland, Wilbireh, Wildo, Wilhelm, Winko, Wisento (?), Witel, Witko, Witlin, Wisthard, Wocko, Woislaus, Wolflin, Wolsko, Wudiko, Wulezko, Wundiko, Wuntschlin, Wysinko.

Zacharias (sehr selten), Zaczko, Zdenko, Zebold, Zehors, Zwinko.

Die nähere Bezeichnung der Bewohner erfolgte, da die Fa- miliennamen theils noch selten waren, theils noch nicht fest- standen, entweder dadurch, dass zum Vornamen der Name des Vaters im zweiten Falle trat (z. B. Petrus Benuschii), oder dass zum Vornamen der Ort der Herkunft (z. B. Hanusch von Osslavia), oder dass das Gewerbe hinzugefügt wurde (z. B. Ulrich pistor, Ulrich der Bäcker). Schon daraus wird klar, wie schwer es ist, einen Namen als Vor- oder Familiennamen festzustellen, da ott auch ein Familienname mit dem Gewerbe allein zu lesen ist, z. B. „Ainvolt sutor“.

Nach der Herkut ft lässt sich eine Zusammenstellung machen; es waren die Steuerträger aus:

Agram, Arbais, Assach, Aussig (Ausk), Auspitz.

Babenberger, Baier, Bisenz, Bistrell, Bistritz, Böhmen, Bosko- witz, Brabant, Brabitz, Brod, Kloster Bruck, Bsenz.

Chirlitz, Chobolinz, Chrisans, Chrudim, Chunitz (Kanitz), Cips (ein Goldarbeiter), Cöln, Czaslau, Czurawitz, Czurowitz.

Deutschhause (Domus teutonica), Dobrawitz, Doroskow, Drahan, Dreskowitz, Dresswitz, Dubürz, Dürrenholz.

Eger, Eibenschitz, Eisenberg, Eiwaneziez, England ? (Anglieus), Eren, Erfurt, Ettendorf.

Geiow, Geisslitz, Geiwitz, Gewiczka, Gotha, Gran (Strigonia), Graz, Greifdorf, Greißlitz, Grilwitz (Grillowitz), Gumein, Gurein.

Habelschwert, Hartlebau, Heiligenkreuz (de Sancta Cruce),

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Heinrichs, Hessen, Hödnitz, Hohenmauth (Mutha), Holenstein, Hra- disch (Redisch), Hrzyschau, Husswitz.

Jägerndorf, Jermeritz, Iglau, Judenburg, Judendorf.

Kanitz, Karode, Klobouk, Königsfeld (Chungsfeld), Korischan, Kostel (Gostel), Krakau, Krawarn, Kremsier, Krenowitz, Kritschen (Gritschen), Krönau, Kunstadt.

Landskron, Lapanitz (Schlappanitz), Latein, Laukowitz, Laukwitz, Lautschan, Lechabitz, Lelkowitz, Leschitz, Leschnitz, Leskau, Lettowitz, Letz, Lippau, Liskowitz, Littolwitz, Lizz, Lomnitz, Lösch, Lukau, Lukwitz.

Majetein, Malmoritz, Meiling, Meißen, Meneis, Meseritsch, Mildendorf, Mödritz, Moleis, Mostitz, Mulndorf, Mulnitz, Mysliborzitz.

Naunhaus, Nenebitz, Nennowitz, Neuenburg, Neuserlitz, Neu- wing, Nikolsburg, Nikoltschitz, Nürnberg.

Obatitz, Obatschitz, Obersass (= Obrzan), Olmiitz und Olomuez, Osslau, Österreich, Ottendorf.

Pabenitz, Paris (de Parisio), Paskau, Pastritz, Pernhaus, Pelwitz, Pirmeit, Pirna, Pillblitz, Plancz, Poherlitz, Pohlitz, Polau, Polen (Polonus), Polehraditz, Pohleraditz, Ponabitz, Pottenstein, Potwaritz, Pozorschitz, Prablitz, Praczau, Prag, Prassau, Pratzau, Prerau, Probsteins, Prosteins.

Radostin, Raigra, Raitz, Raschin, Ratibor, Ratwanitz, Rauhen- stein, Rauzzeins, Rauzzing, Reichenstein, Reskabitz, Reusch, Rom- berch, Rorschau, Rosenau, Rossitz, Rudowan, Rukendorf, Rumbach, Rutweyns.

Saar (Saher, Sahrs), Schenkowitz, Schestraditz, Schibenitz, Schiltperg, Schirnabitz, Schonstraß, Schunabitz, Schutmiantz, Schwaben (Suevus); Schwaben waren zumeist in der Schwabengasse |platea Suevonum, jetzt Thalgasse] angesiedelt, doch wohnten solche auch in der ummauerten Stadt und waren dort Hausbesitzer, wie sie auch anderwärts vorkommen; so finden wir einen Ch. Suevus als Bäcker im dritten Viertel der inneren Stadt, und um 1367 einen Cunzo Suevus [denselben] auf dem Damm (in aggere, wo er einen Hof hatte), Schwarzenau, Schwarzkirchen (Nigra Ecelesia), Schweidnitz, Sebrowitz, Selletau, Siebenburgen, Slahinhausen, Stannern, Steier- mark (Steirer), Steritz (Startz), Sternberg, Straschau, Straßkau, Strazowitz, Strutz, Sycz.

Tassau, Taubenstein, Tischau, Tischnowitz (Thuschnabitz), Titschau, Tracht, Trebitz, Trübau, Tulfau.

Si

Ungarn, Urhau.

Veldorff, Venetien (ein Kaufmann, zugleich Hausbesitzer, ist als Venetensis bezeichnet), Vöttau, Vrichau.

Warschau, Wellehrad, Wien, Wischau, Woikabitz, Wolframitz, Wolframskirchen, Woussolwitz, Würzburg.

Zelabitz, Znaim, Zwittau.

Als Versuch, die Familiennamen der Brünner zusammen- zustellen, mag das folgende gelten; hier ist die Möglichkeit, Fehler zu begehen, ungeheuer groß. Doch sei es immerhin gewagt!

Aichorner, Ainvolt (und Ainwold), Ainweich, Alram, AngieBer, Anna, Anthonier, Arbaisser, Aschacher, Auf der Stetten, Ayrer.

Babenberger, Babora, Bäcker (?), Bamler, Banbaser, Bau- mann, Baumhacker, Bebel, Beneditter, Besetzer, Beyrll, Blymer, Bocel, Boenig, Böhm, Boskowitzer, Bradacz, Breitezins, Brotkorbl, Bruner, Buchhirtil, Budack, Buner, Buntschuch, Burgrabick, Burst.

Caldar (2), Caroli (?), Chammer, Chauffel, Chirlitzer, Chis- linch, Chnam, Chnaur, 'Choboltz, Choler, Chreut, Christil, Chroph, Chrudeiner, Chrukner, Chunich, Chunter, Chustazz, Chutter, Clainsmel, Clapirschink, Cling, Clingsor, Coler, Creuzzo, Üseser, Cystrein, Cysupger, Czabain, Czacher, Czamer, Czanner, Czassyndwoch, Czech, Czeisser, Czenkel, Czephler, Czerer, Czeyner, Czeysil, Czichowa, Czikwan. |

Dalek, Darmguth, Decher, Deleck, Denfleiß, Dibaxer, Dinninger, Distil, Dobrawitzer, Dornacher, Dreilinch, Dreimeil, Dressleis, Dres- witzer, Drumil (derus), Duron, Durswert.

Ebengroß, Eckler, Edelshentil, Eisen, EisengieBer (2), Eisenhut, Eisenperger, Eisner (ferreus), Elendwagen, Ellend, Ellendink, Engel, Engilschal, Erasco (?), Esser, Essgern, Eysla.

Faucz, Faul, Femler, Fischler, Flader, Flander, Fleck, Fledrin, Flozer, Fornieze, Frauenschuchel, Frauenspiegel, Frauschuchel, Freyzleben, Frezz, Froschil, Frues, Fuchs, Fueborat, Fuezzil, Furrer, Fürstensager.

Gaisill, Gamerad, Gamrat, Gamsrugil, Gaorlin, Ganser, Garaus, Garmichel, Gastgeb, Gauernussil, Gebreeynmissil, Gech, Gehretl, Geißlitzer, Geist, Gerstner, Gesser, Gestreift, Geuschalch, Gewolf, Gindersick, Glaphermertz, Glar, Glasein, Glaser, Glazzer, Glaub, Glelaub, Gleser, Gloggler, Gmach, Goblin, Gogilhoph, Gogretel, Gold, Golda, Goldar, Golthan, Gonsrigl, Gosteller, Graff, Grapelinsetff, Greczer, Greissa, Greißlitzer, Greizzer, Gresel, Greuzzer, Griffer,

Grindler, Groß (Magnus), Gruenwalt, Gsenk, Gugerl, Gugirl, Guldein, Guldenmund, Gusregen, Gusrigil, Gut, Gutjar,

Halbcher, Halbing, Halbsei, Halbsein, Halbstein, Haller, Hanar, Hangsoill, Hangsörl, Harner, Harsieber (?), Hasensprunk, Hauenmarkt, Heble, Hecht, Heckir, Heer, Heftler, Heimlich, Hengil- wein und Hengilweiner, Hephl, Herbeler, Herbler, Herbst, Herbst- leben, Herdegen, Hernwich, Herosch, Herschestil, Hertreich, Hesser, Heupel, Heyzgern, Heze, Hezel, Hezil, Himelhain, Hlawacz, Hocher, Hodwaner, Hofinger, Hofmann, Hofzinser, Hogen, Horcze, Hordel, Horiseze, Horschitz, Hospek (?), Hozel, Hradeczk, Hubeny, Huber, Hufnagel (einer dieser Familie stammt aus Wischau), Hulbot, Hulkot, Humreyer, Hunner, Hunrer, Huppenbach, Hurrer, Hussak, Huss- witzer.

Im Thurm, Imvogilhaus, Indemann, Indenfleiß, Indentisch, Inderram (== im Rahmhof, untere Krapfengasse), Jordan, Irrer, Isner, Judendorfer, Judenpfarrer.

Kalbshaup, Kammer, Karoder, Karrer, Kaufmann (?), Keck, Kegel, Keller, Kemler, Kernstock, Kesbrne, Kesbrun, Kessil, Kethner, Kind (?), Kindleitgeber (?), Kirnlind, Kissling, Klausner, Klein (parvus), Kleinheupl, Klener, Klopfenzapf, Kneblech, Knestos, Knettner, Kneuffel, Knödel, Knotzauf, Knunsch, Knyweit, Kolbel, Kober, Kompfer, Koppel, Kossak, Kraut und Fleisch, Krebs, Krechler, Kreno- witzer, Kropf, Kroppil, Krosil, Krug, Kruppel, Krziez, Kunusch, Kunz.

Labacz, Lang (Longus), Lasser, Laukwitzer, Laurein, Lekel, Lerscheid, Lescher, Lichtinger, Loyorsmid, Loyorssen, Lozzer, Luckner, Luftenzagil, Lukas, Lutzmann.

Mader, Magerpek (?), Maghapl, Maidsuntag, Manda, Mangold, Marstaller, Mayr, Mazanzer, Meichsner, Meilinger, Meißner, Meneser, Mennel, Mennil, Mericodon (?), Metzner, Milcher, Mildendorf, Mist- korb, Mit den rothen Enden, Mit der Semmeln, Mitseinerbeis, Moger, Morgenstern, Mostel, Mostnogel, Muckel, Mugkörl, Mulendorff, Mund- fleisch, Murro, Murrosta.

Nachschuss, Nagel, Narung, Nas, Naunhuser, Nausche, Nef, Negel, Neigenpecher, Nest, Nestner, Neugerl, Neukum, Neumeister, Neunhauff, Neuwinger, Nost (2), Noth, Nutzer, Nydentasch.

Obenplos, Obublas, Obulus (?), Ochsenschuch, Onuss, Onzorg, Orgelmeister (?), Ormenus (?), Ortwein, Orwang, Österreicher.

Pabenitzer, Pachtmulner (?), Paryngeiß, Paschang, Pass- mann, Pauber, Paucheezil, Paucz, Paukl, Paumhacker, Paus (?),

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Payr, Perekezzil, Pernhauser, Perwyn, Peterlist, Peyer, Peyerl, Pfaffenknecht, Pfanter, Pfarrer, Pfeffer, Pfisterl, Pfingstkäs, Pfingstker, Pflug, Phoberl, Phorler, Pik, Pirmeiter, Pirner, Pischoll, Planiezer, Plantzer, Platterwachs, Plechler, Plenckel, Pluczer, Pluemtritt, Pock- scherzz, Pogel, Pogil, Poitler, Pokan, Pokezzil, Polak, Polaner, Polezel, Polehraditzer, Polirer, Pollex, Polruss, Polster, Ponagassel (?), Posleder, Poslitzer, Praezaner, Praelreuter, Prasinhart, Praler, Pre- diger (?), Preiczins, Prelsauff, Prentil, Prerauer, Pretschelch, Preunel, Preyneisl, Probstel, Proem, Protkorbel, Protschel, Pruchler, Prufler, Prukner, Pusiner, Pusner, Pyedek, Pyek.

Rabenhaup, Radostaner, Radostinger, Raiezel, Raussinger, Rebil, Redler, Reich (Dives), Reichelt, Reidil, Reinisch, Reitrer, Rems, Rennindhell, Rensch, Reppil, Reuz, Reuzzins, Reyer, Reyschner, Ringscheinel, Ringschutler, Ringshutl, Rink, Rona (?), Rontel, Ror, Rorbeck, Rorwolf, Rosenkranz, Rospauer, Rossmauther (2), Roth (Ruffus), Rotil, Rotmund, Rubsaum, Ruckendorfer, Rugermann, Rum- pauch, Rursmundel, Rutenstock, Rynkner, Rzemeneza, Rzisky.

Sagir, Salmei, Salzkouffel, Sarwert, Sauerzaph, Saurer, Schaben- käs, Schak, Schauenstock, Scheher, Scheibchen, Scheizwenpil, Scheizzinsoll, Scheller, Schelling, Schenk, Schentil, Scherer (?), Schestraditzer, Scheuchenstock, Scheunstock, Scheyzmol, Schibnitzer, Schiekentaez, Schidlo, Schiel (?), Schikentanz, Schilbing, Schilhend, Schilher, Schilling, Schiltperger, Schmalpeynl, Schmelzlin, Schmied, Schneeweiß, Schneider, Schnezekil, Schoidil, Schön (Pulcher), Schoner, Schönhans, Schonknecht, Schoppenwein, Schramm, Schrexeys, Schuh- stell, Schuller, Schutenhelm, Schuzeckil, Schwab (Suevus), Schwanzer, Schwarz (Niger), Schwarzenauer, Schwayer, Schymer, Sebensinder, Sechenschmied, Seidentold, Selpher, Senf, Senft, Sibenburger, Sieben- kind, Siebenweiber, Silberprenner, Slaho, Slahynhausen, Slamenecz, Slemerkittel, Slemkitil, Slepiez, Sluent, Slymer, Smalpainl, Smals- peyn, Smaltz, Smerbeck, Smerber, Smerker, Smoll, Smuchpfenning, Smul, Snabil, Snurer, Snyweit, Sophler, Spansauf, Spernpeutil, Sper- vogel, Spitaler, Spitzenloden, Sponsaufs, Sprentzinck, Springenpaul, Springindasoll, Sranten, Stach, Steiger, Steirer, Stelzer, Stengel, Stentil, Stifter, Stigler, Stinkenpfennig, Storauz, Strohuetil, Stros- henel, Stromann, Stromer, Stropauch, Stubenvol, Stubner, Student, Stuler, Sturm, Sturmatl, Sturmtal, Sturin, Suezekil, Sudnitil, Sumigs- heuptel, Sunrer, Sunter, Superbus (Keck?), Suzil, Swanczer, Sweblin, Swenkil, Sweitzer, Swiest.

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Tafel, Tafelinger, Taphard, Taschentaler, Taub (Surdus), Taubner, Techner, Tekner, Teleczo, Telick, Teufil, Thamar, Thelsicz, Thurmknopf, Tigres, Titz, Tolderl, Trachtdernach, Trebitscher, Treter, Treutleich, Trostil, Troyan, Truckengut, Tulhauer, Tumicher, Tumser, Tunsedl, Turmann, Tuschkal, Twerchsuell, Tyschauer, Tzains- nitzer, Tzinheckel.

Ubel, Ulling, Umgelter, Umlauf, Umsterloch, Unbild, Ungar, Unhoch, Unsliter (2), Urlegil.

Valbner, Valkner, ‘Veczer, Vedrer, Veilnagil, Velchteuffil, Veldroffer, Vendret, Vetter, Vichirtl, Vierhiet, Vigil (Wächter?), Vilez, Vilezennit, Vinco (?), Vindenschein, Vixdretil, Vlisenmantel, Vogler, Volland, Vorbrunnen, Völlauer, Vranner (?), Vreithofer, Vro- mann, Vrumolt, Vuchs.

Wagenknecht (?), Wainer, Wainrer, Walezer, Waltseingott, Walz, Waschkroch, Wasserkropf, Wasserträger (?), Weghaupil, Weib und Kind, Weinprenner, Weinsteiner, Weintegil, Weißner, Wener, Wentle, Weramuzz, Werwinkel, Weylnagel, Weymogil, Weys, Wie- land, Wigelwayß, Wilde, Wildo, Wipelwaiez, Wischauer, Wita, Wohlgemuth, Woldner, Wolf, Wolfel, Wolkensteiner, Wunawankel, Wurfil, Wurst, Wysenko.

Zabler, Zachars, Zawrzap, Zeiler, Ziegeldach, Znaimer, Zorn, Zugeschliffen, Zustrich, Zwickstein.

Ein noch sehr wenig behandelter Abschnitt bleibt uns noch zu besprechen übrig, er betrifft die sogenannte Judenstadt. Dass sich dieselbe innerhalb der Stadtmauern befand, wird allgemein zugegeben; gestritten wurde bisher einzig darüber, ob sie bloß dort war, wo sich gegenwärtig hinter der Magdalenenkirche die Josefs- gasse erstreckt, oder ob sie auf der anderen Seite der Ferdinands- gasse gegen den Krautmarkt und Kapuzinerplatz hin sich ausdehnte. Wir haben schon im Jahre 1895 in einer Abhandlung „Zur Ge- schichte der Juden in Brünn bis zum Jahre ihrer Vertreibung aus der Stadt“, veröffentlicht im „Deutschen Blatte“, den Standpunkt eingenommen, dass sich die Judenstadt gegen den Krautmarkt er- streckte, fanden aber damals nicht die Zustimmung der Geschichts- forscher. Nun, die Losungsregister beweisen es auf das bestimm- teste, dass sich die Judenstadt sowohl auf der rechten, als auch auf der linken Seite der damaligen Judengasse (Ferdinandsgasse) befand, dass sie sich einerseits bis an die Stadtmauer gegen das gegenwärtige Grand Hotel ausdehnte, wo sich damals der Juden-

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friedhof (cimiterium Judaeorum), erwähnt 1348, befand, selbstver- ständlich auch innerhalb der Mauern, wie auch gegen den Kraut- markt und Kapuzinerplatz, in der Richtung zum jetzigen Redouten- gebäude, Raum fand. Das geht klar und deutlich aus den Losungsregistern hervor, die eine zusammenhängende Reihe von Judenhäusern sowohl im ersten Viertel, anschließend an den oberen Markt (Krautmarkt) anführen, als auch solche in der späteren Böhmer-, der jetzigen Josefsgasse. Das Losungsbuch vom Jahre 1387 nennt im ersten Viertel, also gegen den Krautmarkt, beziehungs- ‚weise Kapuzinerplatz, folgende Judenhäuser: Mennil Judäus, Lazarina Judäa, Slemil de Auspitz Judäus, Troyanin Judaea, Baroch und Nachim, Jakobin Judaea, Merkel Judäus, die Juden von Redisch (Hradisch), Bruder des Menlin, Jakob von Muta (Hohenmauth) Judäus. Im vierten Viertel dagegen, also auf der anderen Seite gegen die Stadtmauer zu: Kuttelhof der Juden, der Schreiber Salomon, der Judenfleischer Jakob, der Jude Jakob vom Berg, der Jude Simon, die Jüdin Naczudin, der Herold Cristanus (?), Johann Lukner, Schartat Hensil, bei ihm der Judenfleischer Jeschko, der Jude Mertil, der Judenmeister (magister Judaeorum) Veybuz, die Juden Frenezil, Lazarus, Isaack, Schabdai (dem gar manche Brünner Bürger Geld schuldeten), die Jüdin Sentla, der Jude Judel, der Herold Abraham, Isaack und Hacker, der Jude Chebil, die Juden von Hradisch und der Jude Merklin. Bestätigt ist, dass in den Juden- häusern auch Christen als Inwohner hausten. Es kam sogar der Fall vor, dass die Juden schon damals, getrennt von ihrer Gemeinde, innerhalb der Christenstadt wohnten und Hausbesitzer waren, z. B. der Jude Otto im ersten Viertel in der Nähe der jetzigen Schwert- gasse, der Jude Pretil am Krautmarkt oder Kapuzinerplatze selbst. Vor der Stadt, und zwar vor dem Judenthore, hatten die Juden ihr eigenes Malzhaus (1387), und eine Mühle daselbst hieß damals „Molendinum Judaeorum civitatis“, sie war also im Besitze der Stadt.

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